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4:0-Sieg beim TV Jahn Hiesfeld
KFC macht den Regionalliga-Aufstieg perfekt

Krefeld. Die Uerdinger machten mit dem 4:0-Erfolg beim TV Jahn Hiesfeld die Meisterschaft und den Aufstieg vorzeitig klar. Die Feierlichkeiten rund um die Grotenburg dauerten bis spät in die Nacht. Von Oliver Schaulandt

Krefelds Arbeitgeber müssen heute möglicherweise mal ein Auge zudrücken - zumindest, wenn ihr Angestellter Fan des KFC Uerdingen ist. Sein Verein hat nämlich gestern gegen den TV Jahn Hiesfeld mit 4:0 gewonnen und ist nunmehr nicht mehr von der Tabellenspitze der Oberliga zu verdrängen. Das bedeutet: Die Meisterschaft ist perfekt, und der KFC hat den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Bis spät in die Nacht machten Fans und Mannschaft selbige zumindest rund um die Grotenburg zum Tag und feierten ausgelassen und fröhlich die Rückkehr in die vierthöchste deutsche Spielklasse.

Wenn ein Oberligist es schafft, solche Massen zu begeistern, dann muss irgendetwas an ihm dran sein, was andere nicht haben. Doch was ist das eigentlich? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten - rein sachlich schon gar nicht. Fanliebe hat viel mit Gefühl zu tun, mit Emotion, mit dem, was den Fußball und speziell den KFC ausmacht. Uerdingen ist mehr als elf Leute in kurzen Hosen, die dem Ball hinterher jagen. Natürlich, entscheidend ist bekanntlich auf dem Platz. Dort haben die neue Vereinsführung und das Trainerteam um André Pawlak vor der Saison und auch in der Winterpause klug und mit viel Sachverstand einen Kader zusammen gestellt, der schon jetzt das Zeug hat, in der Regionalliga mitzuhalten.

Nach dem Schlusspfiff in Hiesfeld feierten die Fans und die Mannschaft auf dem Rasen den Aufstieg. Trainer André Pawlak, hier mit Co-Trainer Markus Braasch (Bildmitte), wurde von den Fans auf Schultern getragen. Gut 800 Fans feierten gestern Abend auf der Hauttribüne in der Grotenburg den Aufstieg des KFC Uerdingen. FOTO: samla.de

Doch was ist nun der KFC? Es ist nicht gerade sexy, zu ihm zu gehen. Stöckelschuhe und Piccolo sind dort fehl am Platz. In Uerdingen gibt's Bier, Bratwurst im Brötchen, Jeans und Turnschuhe. Und sich in Verbindung mit dem KFC sehen zu lassen, das hat in den vergangenen Jahren immer mehr gelitten. Dazu gab's auch viel zu viele Situationen, die nicht geradech Image-fördernd waren - allen voran die ständigen Gerüchte über ausbleibende Zahlungen an das Personal, die ebenso ans Licht kamen wie bisweilen chaotische Zustände hinter den Kulissen mit personellen Wechseln, die zum Teil schneller vonstatten gingen als andere Socken wechseln.

Das macht Uerdingen nicht zum Vorzeigeobjekt. Will der Club aber auch gar nicht unbedingt sein, oder besser: Er muss es auch nicht. Der KFC ist der Kumpeltyp. Einer, mit dem du dich gerne in der Kneipe abends zum Mettbrötchen triffst und anschließend bei viel zu viel Bier so richtig versackst und nicht mehr weißt, wie du heim gekommen bist. Und den du, im Ernstfall, auch nachts um drei aus dem Bett klingeln kannst, weil du genau weißt, dass er für dich dann da ist.

Gut 800 Fans feierten gestern Abend in der Grotenburg den Aufstieg des KFC. Durch den Sieg gegen Hiesfeld sind die Uerdinger auch in den letzten drei Spielen nicht mehr vom ersten Platz zu verdrängen. FOTO: Samla

Das macht auch seine Fans aus. Die Anhänger haben jahrelang gelitten. Die großen Erfolge mit dem Gewinn des DFB-Pokals liegen mehr als 30 Jahre zurück, ein ganz großer Teil der aktuellen Besucher war zu dieser Zeit noch nicht mal geboren. Und dennoch: So viele Zuschauer wie zu den Auswärtsspielen hat aktuell kein anderer Oberligist. Mit deutlichem Abstand führt der KFC die Zuschauerliste der Liga an, und die Schatzmeister der gastgebenden Clubs bekommen feuchte Augen, wenn die Uerdinger kommen, weil sie eben so zahlreich sind und viel Umsatz machen (umgekehrt allerdings auch, weil die Sicherheitsmaßnahmen dann deutlich höher sind als sonst). Da bebt dann tatsächlich der Acker bei den Hönnepel-Niedermörmters dieser Welt, die zu einer Art Inbegriff der Oberliga geworden sind wie einst der SV Meppen für die zweite Bundesliga.

Der KFC hat nicht das Geld wie andere Vereine Brause. Bei ihm zählen andere Werte. Der KFC, das sind Fans, die sich zusammenschließen, um die Säulen des mehr als nur in die Jahre gekommenen Stadions in den Vereinsfarben blau-rot zu streichen - solange die Farbe ausgereicht hat zumindest. Die den Mannschaftsbus herrichten und die alten Aufkleber mit einem Handföhn entfernen. Die zu Hunderten ins Trainingslager nach Norderney dem Team hinterher reisen, auf der Fähre eine inoffizielle Vereinshymne anstimmen und mit über hunderte von Metern zu hörendem Gesang auf die Mannschaft zufahren.

Der KFC, das sind die Betreuer Manni und Erwin, die hinter den Kulissen arbeiten. Das sind die Jungs, die über jedes Spiel auf eigene Kosten im Internetradio und im Liveticker berichten, selbst vom letzten Dorfplatz aus, mit dem Laptop auf den Knien mangels vorhandenem Tisch, immer in der Sorge, dass der Akku auch über 90 Minuten lang hält. Kalle Krahn ist auch der KFC. Das ist der "Schreihals" der Uerdinger, der kein Spiel auslässt und bei jedem Training seinen Schlachtruf "Uerdingen gewinnt bis sie Deutscher Meister sind" übt. Und ja, der KFC ist auch der Grotifant Andreas Bosheck, der im Eifer des Gefechtes ungestraft seinen Kopf als Maskottchen absetzen darf, bisweilen den Schiedsrichter beschimpft und der dem Vernehmen nach in der nächsten Spielzeit Zeugwart werden soll.

FOTO: samla.de

Sie alle verleihen dem KFC Stärken und Schwächen, die jeder von uns hat und machen ihn so ein Stück weit menschlich und, nun ja, auch irgendwie liebenswert. Und darum sollten heute Krefelds Arbeitgeber mal ein Auge zudrücken. Aufstieg ist eben nicht alle Tage.

Glückwunsch, KFC!

Quelle: RP
 
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