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Krefeld
Als der Grotifant seinen Kopf verlor...

2. Wettkampf: Panda und Grotifant beim Armdrücken
Krefeld. Eine Randnotiz sorgt für Schlagzeilen: Beim Fußballderby mopsten Fans dem KFC-Maskottchen den Kopf. Von Oliver Schaulandt

Der Grotifant ist eine Instanz: Maskottchen des KFC Uerdingen, Liebling der Fans, Star der Kinder. Beim jüngsten Derby gegen Fischeln ist die putzige Figur fast in eine Schlägerei geraten - der Vorfall ist so ungewöhnlich für das Plüschtier, dass sich sogar die "Bild" dafür interessiert.

1990 erschien der Dickhäuter zum ersten Mal auf der Anzeigetafel, der damals zwölfjährige Thorsten Harrer gab ihm im Zuge eines Gewinnspiels den Namen Grotifant. In der Saison 1994/95 tauchte er zum ersten Mal im Kostüm auf, in dem stets ein Fan steckte. In diesen nunmehr 20 Jahren hat der Grotifant schon vieles erlebt.

Unzählige Kindergeburtstage hat er inzwischen besucht, bei Stefan Raabs Maskottchenrennen und beim Rosenmontagszug hat er mal mitgemacht, eine eigene Facebook-Seite hat er, und unter den Fußballfans in der Republik kennt ihn nahezu jeder - auch, weil zu seligen Uerdinger Bundesligazeiten die Mär umging, der Grotifant habe bei einem Spiel gegen den 1. FC Köln den Linienrichter aus Protest gegen dessen Entscheidung in den Allerwertesten getreten.

Maskottchen frisst Cheerleader FOTO: screenshot youtube

Seit 2004 steckt Andreas Bosheck in dem Kostüm. "Bossi" ist in der Fanszene nicht eben ein Kind von Traurigkeit, und nicht wenige sagen über ihn, sein Blut müsse nicht nur rot, sondern auch blau sein, weil das ja schließlich auch die Farben des KFC sind. 2004 sammelte Bosheck zusammen mit dem Fanclub Legion Uerdingen Geld und schaffte auf eigene Rechnung das immer noch aktuelle Kostüm des Grotifanten an, das er wie seinen Augapfel hütet. Seither steht der inzwischen zweifache Großvater bei den Heimspielen am Spielfeldrand und feuert das Team an, eckt aber durch seine Art auch häufiger in der Fanszene an.

Auch beim Derby gegen den VfR Fischeln war er nun in eine scheinbare Randnotiz verwickelt - die aber ziemliche Wellen schlug. Und das kam so: Es ist die 81. Minute im Krefelder Fußball-Stadtderby. Der KFC Uerdingen ist soeben mit 1:0 gegen den VfR Fischeln in Führung gegangen. Die Stimmung ist ausgelassen, die Fans jubeln. Uerdingens Maskottchen steht vor dem Zaun vor Block P, wo viele der Uerdinger Ultras stehen.

KFC Uerdingen - Lakis spielt Grotifant FOTO: Thomas Lammertz

Die haben sich in dieser Spielzeit entschlossen, zumindest erst einmal keinen sogenannten Support für die Mannschaft zu leisten - ein Protest, dessen Ursprünge schon über anderthalb Jahre zurückliegen und aus der Zeit stammen, als der KFC seine erste Saison in der Regionalliga absolvierte. Seither schwelt der Zwist zwischen dieser Gruppe und der Vereinsführung, mehrere Versuche zur Schlichtung schlugen bislang fehl.

Jedenfalls: Das 1:0 fällt, der Grotifant klettert auf den Zaun hinauf und jubelt in die Menge. Plötzlich springt ein Fan hoch, packt den Kopf des Maskottchens am Rüssel und wirft ihn über die Absperrung. Dort fängt ihn ein Kind auf, trägt ihn mit über dem Kopf erhobenen Armen und freut sich. Der Grotifant hält sich mit ziemlicher Mühe am Zaun fest, um nicht herunterzufallen. Dann klettert er erstaunlich behände über den Zaun, statt die Angelegenheit dem Ordnungsdienst zu überlassen.

"Das war natürlich eine richtig blöde Aktion. Ich habe bei dem Abziehen des Kopfes einen Schlag abbekommen. Wie ich inzwischen weiß, war das gar keine Absicht, und derjenige hat sich auch schon bei mir entschuldigt. Die ganze Aktion mit dem Kopf wegnehmen sollte nur ein Spaß sein, aber in dem Moment stehst du dermaßen unter Strom, da reagierst du nicht gelassen. Und außerdem wollte mir natürlich auch den Kopf zurückholen, ich konnte ja nicht wissen, was die damit vorhaben", schilderte gestern Bosheck die Situation. Ein ranghoher Vertreter der Ultras bestätigte unserer Redaktion bereits unmittelbar nach dem Spiel diese Darstellung, wonach das "Mopsen" des Kopfes nur als lustige Aktion gedacht gewesen sei.

Grotifant überreicht Atze Schröder KFC-Trikot FOTO: KFC

Es kommt zu einem heftigen Wortgefecht. Volle Bierbecher segeln über die Menschentraube. Und irgendwann - da ist der Grotifant samt seinem Kopf schon wieder ein paar Schritte weit entfernt auf dem Weg aus dem Block - fliegen zwischen einigen, zum Teil alkoholisierten Fans sogar die Fäuste. Parallel dazu fällt das umstrittene Tor zum 2:0. Die Streithähne bekommen den Treffer vermutlich kaum mit, doch nach dem Jubel herrscht im Block plötzlich wieder traute Seligkeit, die Gruppe geht im Jubel auseinander.

Gut eine halbe Minute vergeht, dann scheinen sich die zuvor Streitenden an den Streit wieder zu erinnern. Als einer an den anderen vorbei geht, fliegen erneut Fäuste, ehe Fans dazwischen gehen und für Ruhe sorgen. Auch KFC-Boss Lakis greift ein, und mit vereinten Kräften herrscht endgültig Ruhe.

Der Grotifant steht in dieser Zeit schon wieder am Spielfeldrand - mit Kopf. "Für mich ist die Sache erledigt", sagt Andreas Bosheck.

Quelle: RP
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