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KFC-Verwaltungsrat will Lakis abberufen

Analyse: KFC-Verwaltungsrat will Lakis abberufen
Der Vorgänger und sein möglicher Nachfolger? Geht es nach dem Verwaltungsrat des KFC Uerdingen, dann stimmen die Mitglieder dafür, den Vorsitzenden Lakis (links) abzuberufen und wahrscheinlich durch Mikhail Ponomarev (rechts) zu ersetzen. FOTO: Lammertz
Fußball. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28. Juni will das Gremium begründen, warum KFC-Boss Lakis von seinem Posten enthoben werden soll. Dann sollen die Mitglieder entscheiden, ob sie dem Vorschlag des Verwaltungsrates folgen - und ihm Grünes Licht geben. Von Oliver Schaulandt

Der Verwaltungsrat des KFC Uerdingen geht auf Distanz zum Vorstandsvorsitzenden Agissilaos Kourkoudialos, genannt Lakis. Was das Gremium am Sonntagabend noch ziemlich freundlich formuliert per Pressemitteilung bekannt gab, hat auf der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, die gestern in vielen Briefkästen von Vereinsangehörigen lag, einen deutlichen schärferen Ton ans Licht gebracht.

Wie berichtet, hat der Club für den 28. Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. In der Einladung der Mitglieder heißt es dazu wörtlich zum Thema einzigem Tagesordnungspunkt: "Empfehlung der Mitgliederversammlung zur Abberufung des Vorstandsvorsitzenden". Und weiter: "Gemäß §12 Ziffer 17 der Satzung kann der Verwaltungsrat den Vorstand bzw. einzelne Vorstandsmitglieder bei Vorliegen eines wichtigen Grundes abberufen. Voraussetzung ist eine Empfehlung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Der Verwaltungsrat wird in der Sitzung begründen, warum er die Abberufung des gegenwärtigen Vorstandsvorsitzenden, der im Juni 2014 (für drei Jahre) wiedergewählt wurde, für zwingend geboten hält."

Zugespitzt gesagt kann dies auch heißen: Wenn Lakis nicht von sich aus seinen Rücktritt erklärt, dann erledigt das der Verwaltungsrat eben ohne dessen Zustimmung und holt sich dafür die Rückendeckung der Mitglieder. Dieses Szenario scheint jetzt eingetreten zu sein - bei einem "normalen" Rücktritt hätte der Verwaltungsrat nun lediglich einen Nachfolger für Lakis präsentieren können, der dann mit großer Sicherheit Mikhail Ponomarew heißen würde.

Es wäre ein ziemlich trauriges, ja unrühmliches Ende für Lakis als Vorsitzender des KFC Uerdingen, auf diese Weise sozusagen vom Hof gejagt zu werden, weil er nicht freiwillig Platz macht. Denn bei aller Kritik: Ohne Lakis würde es den KFC längst nicht mehr geben. Bei seinem Amtsantritt vor gut acht Jahren gab es in Krefeld niemanden mehr, der auch nur einen Cent in den Club investieren wollte. Die dritte Insolvenz drohte seinerzeit, und kurz vor knapp trat Lakis in Erscheinung und rettete den Verein mit einer Bürgschaft von 100.000 Euro vor dem Ruin, der wohl das endgültige Aus des DFB-Pokalsiegers von 1985 bedeutet hätte.

Es folgte in der gleichen Saison noch der Abstieg in die Verbandsliga. Die Ankündigungen Lakis', dem Verein geordnete Strukturen zu verpassen und ihn zurück in den Profifußball zu führen, blieben letztlich auch Ankündigungen. Häufig wechselndes Personal in der Geschäftsstelle ließ keine Kontinuität zu, eine noch größere Rotation gab es auf dem Trainerposten, auf dem in den vergangenen acht Jahren sagenhafte 18 Personen sitzen durften - mit dem Erfolg, dass der KFC weiterhin in der Oberliga spielt. Häufige Gerüchte, wonach Gelder an Spieler nicht gezahlt worden wären - entsprechende Prozesse vor dem Arbeitsgericht gaben den Spielern Recht - begleiteten die Amtszeit von Lakis ebenso, wie mutmaßliche Geschäfte zwischen ihm und Spielern, die über sein Unternehmen Wohnungen gekauft haben, die angeblich überteuert gewesen seien. Wobei Letzteres noch nicht einmal verwerflich wäre, sondern eigenverschuldet. Hätte er ein Autohaus, würde er vermutlich auch Spielern Autos verkaufen. Und eine Wohnung kauft man schließlich nicht mal eben wie Brot im Supermarkt, sondern holt sich einen Architekten oder Fachmann dazu, der die Wohnung erst einmal begutachtet, bevor es zum Kaufabschluss kommt.

Die spektakulärste Aktion allerdings war ohne Frage der geniale Coup, den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig Ailton nach Krefeld zu lotsen. Dank des Kugelblitzes war der KFC deutschland-weit auf einen Schlag wieder in aller Munde und brachte dem Club (und auch Lakis selbst) eine Publicity wie schon seit Jahren nicht mehr. Unvergessen ist dabei auch, wie Ailton mit Lakis zum Trainingslager nach Norderney nachraste, die beiden aber so spät in Krefeld aufgebrochen waren, dass die letzte Fähre auf die Insel abzulegen drohte - der damalige Geschäftsstellenleiter Lutz Spendig beschwatzte daraufhin die Fährgesellschaft, die zusicherte, nicht ohne Ailton abzulegen.

Auch darf nicht vergessen werden, dass Lakis einen großen Teil dazu beigetragen hat, das Leben des kleinen Thanos Alexiou zu retten. Der Sohn des Uerdinger Innenverteidigers Ioannis Alexiou litt an einer schweren Krankheit. Die Leber des damals zwei Jahre alten Thanos schüttete Kristalle aus, die unweigerlich die Nieren zerstörten. Eine Transplantation beider Organe war unausweichlich. Und die Universitätsklinik in Essen gilt auf diesem Gebiet als die europaweit führende, so dass sich der Grieche entschied, seine Profikarriere bei APO Levadiakos erst einmal auf Eis zu legen und nach Deutschland, in die fünfte Liga zum KFC Uerdingen, zu wechseln. Möglich machte dies Lakis.

Zum Skandal kam es, als Fahnder von Steuer und Zoll im Oktober 2014 eine Razzia in den Geschäftsräumen der Lakis Group an der Cracauer Straße, Lakis' Privathaus sowie der KFC-Geschäftsstelle vornahmen. Grundlage der Razzia war eine anonyme Anzeige gegen den KFC-Präsidenten, die im Frühjahr 2014 bei der Krefelder Staatsanwaltschaft eingegangen war. Sie wurde an Berufsgenossenschaft, Hauptzollamt, Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung, Finanzamt sowie die Fraktionen im Krefelder Rat geschickt. Der Erstatter warf Lakis darin wörtlich "Steuerhinterziehung, Sozialversicherungsbetrug, Schwarzarbeit, Fälschung von Einkommensnachweisen zur Erlangung von Finanzierungsdarlehen und Insolvenzverschleppung" vor. Der Anfangsverdacht ist bei den Untersuchung des beschlagnahmten Materials nicht entkräftet worden, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Möglicherweise ist auch das einer der Gründe für den Verwaltungsrat, von Lakis Abstand zu nehmen - obschon er als Kontrollinstanz des Vorstands von allen Handlungen Bescheid wissen müsste. Das Gremium beabsichtigt allerdings, von sich aus bis zur Versammlung keine weiteren öffentlichen Erklärungen in dieser Sache abzugeben - wohl auch, um eine mögliche Schlammschlacht zu vermeiden, die nach RP-Informationen intern befürchtet wird. Zumal der Verein ja auch nach wie vor in erheblichem Ausmaß bei der Lakis-Group finanziell in der Kreide stehen soll. Was Lakis verpasst hat war bzw. ist, den richtigen Zeitpunkt für seinen eigenen Ausstieg zu finden. Ein guter Punkt wäre gewesen, dies nach dem mit ganz viel Glück geschafften Verbleib in der Regionalliga zu verkündigen. Gelegenheit dazu hatte es gegeben, als seinerzeit eine Gruppe um den Krefelder Geschäftsmann Gerald Wagener zum Einstieg in den Club bereit war. Dann wäre es für Lakis ein Ende mit einem guten Ausgang gewesen. Stattdessen blieb er im Amt, es kam zu einem großen Streit, unter anderem auch mit Fans aus der Ultra-Gruppierung, die als die treuesten Anhänger des KFC gelten und die als eine Konsequenz ankündigten, den sogenannten Support der Mannschaft bei Spielen einzustellen. Und jetzt, unter den Umständen, die der Verwaltungsrat nun eingeleitet hat, könnte es nun wahrlich zu keinem schönen Ende kommen - wenn die Mitglieder der Empfehlung des Verwaltungsrates folgen und ihn abberufen lassen.

Quelle: RP
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