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KFC: Verwirrspiel um Trainer Michael Boris

Lokalsport: KFC: Verwirrspiel um Trainer Michael Boris
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Fußball. Beim Fußball-Oberligisten überschlugen sich gestern die Ereignisse: Der Coach verabschiedete sich am Vormittag per SMS von Medienvertretern. Der Vorstand dementierte am Mittag aber eine Freistellung des Übungsleiters. Heute soll um elf Uhr Training sein. Von Oliver Schaulandt

Die nicht gerade langweilige Vereinsgeschichte des KFC Uerdingen ist gestern um ein weiteres kurioses Kapitel reicher geworden. Die Uerdinger haben gestern ihren Trainer Michael Boris von seinen Aufgaben freigestellt. Vielleicht aber auch nicht. Man weiß es nicht so genau. Möglicherweise wissen sie es auch beim KFC selber nicht. So richtig raus mit der Sprache wollte jedenfalls gestern keiner von denjenigen, die Verantwortung beim KFC tragen.

Doch der Reihe nach. Es war um 11.27 Uhr, als Michael Boris eine SMS an unsere Zeitung schickte. Inhalt: ein Abschiedsgruß, verbunden mit einem Dankeschön für die stets gute Zusammenarbeit. Klingt eindeutig nach Abschied, und angesichts der Misserfolge zum Start in die Restserie mit dem schwachen 1:1 beim 1. FC Mönchengladbach nach wirklich schlechter Darbietung und der unglücklichen 0:1-Niederlage im Verfolgerduell in Schonnebeck wäre dies ja auch nicht überraschend angesichts der hohen Ziele der Uerdinger. Zu sehr sehnen sie sich schließlich nach der Rückkehr in die Regionalliga. Die Erste Mannschaft soll dann als GmbH ausgegliedert werden, die Mitglieder hatten bei der jüngsten Versammlung dem Vorstand und Verwaltungsrat auch Grünes Licht für die entsprechenden Vorbereitungen zur Umwandlung gegeben. Und Vorsitzender Lakis hatte noch am Sonntag in einem Interview geäußert: "Anscheinend gibt es beim Training Kommunikationsprobleme untereinander. Denn an den Sonntagen ist die Mannschaft nicht wiederzuerkennen. Mehr will ich am heutigen Abend besser nicht sagen, sonst wähle ich noch die falschen Worte. Wir werden in den kommenden Tagen eine Entscheidung treffen müssen." Und am Sonntag nach dem Rückstand in Schonnebeck skandierten auch Fans lautstark: "Boris raus!"

Jedenfalls: Michael Boris reagierte gestern nicht auf den sofortigen Anruf nach der SMS und rief auch nicht zeitnah zurück, wie er es sonst immer macht - ein weiteres Zeichen.

Auch ansonsten war zu diesem Zeitpunkt von den KFC-Verantwortlichen niemand erreichbar. Bei Horst Riege, dem Sportlichen Leiter, war die Mailbox des Handys an. Mikhail Ponomarew, der Zweite Vorsitzende, ist ohnehin nur schwierig zu erreichen. Ihm liegt seit gestern Nachmittag per E-Mail ein Fragenkatalog unserer Zeitung vor. Bis zum Abend blieb eine Antwort aus. Und beim Anruf unter der offiziellen KFC-Geschäftsstellen-Rufnummer hieß es am Telefon lediglich: "Dieser Anruf ist aus technischen Gründen nicht erreichbar."

Inzwischen berichteten mehrere Medien über die feststehende Trennung von Trainer Boris - die SMS ging offenbar an alle mit dem KFC befassten Pressevertreter. Sogar ein Nachfolger soll bereits fix sein, heißt es da in einem Beitrag: Horst Riege soll es demzufolge machen, gemeinsam mit dem Trainer der A-Jugend, Gerd Gotsche.

Um die Mittagszeit herum jedenfalls veröffentlichte der Verein nun auf seiner Homepage Folgendes: "Der KFC Uerdingen distanziert sich von den aktuell im Internet kursierenden Gerüchten zur Trainerentlassung von Michael Boris. Der Vorstand wird zu dieser Thematik in Kürze Stellung beziehen und an die Öffentlichkeit gehen, aktuell ist Michael Boris Trainer des KFC Uerdingen."

Nach RP-Informationen soll Boris schon seit Montag Abend nicht mehr Trainer beim Oberligisten sein. Auch sein Co-Trainer Frank Döpper soll nicht mehr weitermachen dürfen. Angeblich habe es ein Treffen gegeben mit dem Trainer und dem Vorstand, zur Lageanalyse. Die Situation des KFC ist angesichts des nunmehr auf sieben Punkte angewachsenen Rückstands auf Tabellenführer Wuppertal und vier Punkten Rückstand auf Schonnebeck prekär - auch wenn die Saison noch lang ist und Wuppertal noch zum Rückspiel in die Grotenburg kommt. Doch offenbar haben sie beim KFC aus der vergangenen Saison gelernt, als die Trennung von Murat Salar erst vor dem letzten Spiel erfolgte - da war das Kind schon in den berühmten Brunnen gefallen und der Abstieg aus der Regionalliga sozusagen nur noch auf dem Papier zu vermeiden.

Vielleicht gibt es ja heute endgültig Klarheit, zu was sich der KFC nun entscheiden hat. Um elf Uhr zumindest soll Training sein - das muss ja zumindest einer leiten. Also, normalerweise zumindest.

Quelle: RP
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