| 00.00 Uhr

Bernhard Peters
"Nach Krefeld komme ich leider viel zu selten"

Bernhard Peters: "Nach Krefeld komme ich leider viel zu selten"
Bernhard Peters führte die Deutsche Hockey-Nationalmannschaft als Bundestrainer zum WM-Titel in Mönchengladbach. Unser Foto zeigt ihn im dortigen Rathaus. FOTO: Detlef Ilgner
Krefeld. Bernhard Peters begann seine Karriere als Hockey-Trainer beim Crefelder HTC. Inzwischen ist er Sportdirektor beim Hamburger SV.

Es ist das Endspiel um die deutsche Feldhockeymeisterschaft 2006 in Mönchengladbach. Der Crefelder HTC trifft auf die die Stuttgarter Kickers. Zur Halbzeit steht es 1:1. Die Verantwortlichen um Bernhard Peters fiebern mit den Spielern auf dem Rasen wie Matthias Witthaus, Timo und Benjamin Wess oder Christian Schulte, die zum ersten mal die Deutsche Feldhockey-Meisterschaft nach Krefeld holen können. Matthias "Matz" Mahn, der heutige Cheftrainer des CHTC und damalige Co-Trainer von Meistercoach Dietmar Alf, erinnert sich: "In der Halbzeit hat uns Bernhard Peters in einer emotionalen Ansprache stark geredet und an den positiven Ausgang des Spiels geglaubt. Das kam zu 100 Prozent rüber und hat die Mannschaft sehr in ihrem Glauben an die eigene Stärke unterstützt." Das Spiel ging 7:1 an den CHTC, und Bernhard Peters, den viele noch heute als einen der Väter dieses Erfolges ansehen, verabschiedete aus Krefeld und vom Hockey. "Ich durfte lange mit und unter "Bernie" Peters trainieren. Er kam Ende der 80er Jahre nach Krefeld und hat bei uns professionelle Strukturen aufgebaut, von denen wir jetzt noch profitieren," schwärmt Mahn von seinem Freund und Ex-Trainer. Nach dem krönenden Abschluss brach Peters seine Zelte in Krefeld ab und wechselte zur TSG Hoffenheim zum Fußball. Inzwischen ist Sportdirektor beim Fußball-Bundesliga-Dino Hamburger SV.

Wie geht es Ihnen?

Bernhard Peters Wir sind jetzt in einer heißen Phase vor einer Saison. Da gilt es Ruhe zu bewahren trotz hoher Schlagzahl.

Warum wechselten Sie als erfolgreichster Hockeytrainer zum Fußball nach Hoffenheim?

Peters Ich hatte mit 40 Jahren den Plan gefasst, nach fünf bis sechs Jahren als verantwortlicher Bundestrainer der Herren und einer sehr langen energieziehenden Laufbahn als Trainer eine weitere Idee in meinem Leben anzupacken. Ich habe mir die Frage bejaht, ob ich im Sport bleiben will. Die Ebene eines Sportdirektors mit den Aufgaben, alle Leistungsfaktoren in einem Teamsport klug weiter zu entwickeln zu wollen, fand ich für mich richtig. Fußball und Hockey sind von der Struktur her sehr verwandt. Ich vergleiche diese Sportarten seit nahezu 30 Jahren sehr intensiv. 2006 hat Herr Hopp mich gefragt, ob ich mit Ralf Rangnick ein sehr spannendes Projekt, die TSG Hoffenheim bis zur Bundesliga zu entwickeln, mit angehen wolle. Das waren großartige interessante Jahre dort für mich von 2006 bis 2014.

Was haben Sie in Hoffenheim bewirken können?

Peters Wir haben damals in Hoffenheim mit einem kleinen Team in der Regionalliga begonnen. Herr Hopp hat uns starke Möglichkeiten eröffnet, aus diesem regionalem Verein mit einem durchdachten Plan einen etablierten Bundesligaclub zu entwickeln. Wir konnten eine starke Infrastruktur aufbauen, haben gute Ausbildungsstrukturen mit talentierten Trainern aufgebaut. Ich war dort ein Rädchen im Gesamtgefüge eines engagierten Teams,

Von Hoffenheim wechselten Sie 2014 zum HSV. Wie wollen Sie nach den letzten beiden verkorksten Spielzeiten beim und mit dem HSV Erfolg haben?

Peters Wir sind mitten in Umbauarbeiten mit unserem sportlichen Leitungsteam Dietmar Beiersdorfer, Peter Knäbel und mir. Grundsätzlich müssen wir die Ausrichtung zu erfolgreicherer Spielweise durch unsere Veränderungsideen beim HSV noch besser durchsetzen. Das müssen wir noch stabiler hinbekommen, mit der Profimannschaft hast du keine Zeit, trotzdem haben wir schon sehr viele Veränderungen im sportlichen Bereich angeschoben, die bald greifen werden.

Sie bilden nicht nur Jugendspieler, sondern auch Trainer aus. Wie sieht für Sie der "ideale Trainer" aus?

Peters Trainer müssen Kompetenzen haben in drei Kernbereichen: Eine gute Persönlichkeitskompetenz, das heißt Ausstrahlung haben mit Reflexionsfähigkeit, er braucht aktuelles Wissen zu einer fachlichen Handlungskompetenz, und er sollte seine Botschaft glaubwürdig, emotional rüberbringen, das heißt eine gute Vermittlungs- und soziale Kompetenz besitzen.

Wie unterscheidet sich die alte Trainergarde von den jungen, aufstrebenden und auch erfolgreichen Trainern in der Bundesliga?

Peters Das hat wenig mit dem Alter zu tun. Ein erfahrener Trainer strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, das ist in der Hektik der Wettkampfsaison oft wichtig. Es geht um die Bereitschaft, jeden Tag sich reflektieren zu können und etwas dazu lernen zu wollen.

Hand aufs Herz: Würden Sie nicht lieber den Bürostuhl mit der Trainerbank tauschen?

Peters Alles hat seine Zeit. Ich war sehr lange voller Energie Trainer, jetzt ist die Arbeit eines Sportdirektors für mich in meiner jetzigen Lebensphase eine ideale Aufgabe. Es geht darum, ein Netzwerk der wichtigsten Leistungsbereiche im Fußball zu entwickeln und stetig zu verbessern. Daher ist es eine Kommunikationsaufgabe, es gilt, die vielen Experten zu einer guten Gesamtleistung zu führen.

Jürgen Klinsmann wollte Sie zur WM 2006 in das deutsche Team einbinden. Das hat ja nicht geklappt. Würden Sie einem Ruf zu ihm in die USA folgen?

Peters Ich habe ein enges freundschaftliches Verhältnis zu Jürgen, er macht den Job seines Lebens als USA- Trainer. Aktuell streben wir es nicht an, in ein anderes Land zu wechseln, weil in Deutschland der Fußball sehr gut strukturiert ist und wir Topleistungszentren haben. Vielleicht ist es später mal ein interessantes Feld für meine Familie und mich .

Zurück zu Ihrer Krefelder Zeit. Verfolgen Sie aus der Ferne den CHTC, den KFC und die Pinguine?

Peters Grob die anderen beiden Vereine. Natürlich in erster Linie den CHTC, das ist mein Club, bei dem ich lange tätig war und sehr viel Leidenschaft investiert habe.

Was vermissen Sie, wenn Sie an Krefeld zurückdenken?

Peters Sehr gute Freunde, zu denen wir noch viel Kontakt haben, die Läufe im Stadtwald an der wunderbaren Hockeyanlage des CHTC vorbei und unsere schönen Radtouren am Niederrhein. Ich habe tolle Menschen kennen gelernt. Sie haben mir beim CHTC den Start in meine Trainerlaufbahn ermöglicht. Ich habe Leuten wie Dieter Küppers oder dem Vater von Dirk Wellen den Einstieg beim CHTC zu verdanken. Das werde ich nie vergessen.

Wird man Sie in nächster Zeit mal wieder in Krefeld antreffen?

Peters Unsere Besuche in Krefeld sind leider zu selten, Alle meine Kinder haben aber ein großartiges Verhältnis zu unseren ehemaligen Nachbarn, den Schuchardts. Sie sind für sie wie Großeltern, dann gibt es einmalige niederrheinische Pfannkuchen.

GÜNTER WAGNER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Bernhard Peters: "Nach Krefeld komme ich leider viel zu selten"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.