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Lisa Schmidla
Noch gut 1000 Kilometer bis nach Rio

Lisa Schmidla: Noch gut 1000 Kilometer bis nach Rio
"Wenn ich eine Medaille gewinne, nehme ich die bestimmt in den ersten Tagen mit ins Bett", sagt Ruderin Lisa Schmidla und lacht. Gemeinsam mit ihrer CRC-Heimtrainerin Sabine Tschäge besuchte die 25-Jährige gestern die RP-Redaktion und sprach mit Sportredakteur Oliver Schaulandt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Krefelder Ruderin will bei den Olympischen Spielen Gold holen - der Druck ist gewaltig, sagt sie beim Redaktionsbesuch.

Rudern Noch 45 Tage, dann geht es für Lisa Schmidla vom Crefelder Ruder-Club zu den Olympischen Spielen nach Rio - ihre ersten, an denen sie aktiv teilnehmen darf. 2012 in London war die 25-Jährige als Ersatzfrau mit dabei. Diesmal gilt sie sogar als eine der deutschen Hoffnungsträger auf eine Medaille.

Glückwunsch zum Gewinn des Worldcups in Polen. Sind Sie jetzt die Top-Anwärterin auf die Goldmedaille im Frauendoppelvierer?

Lisa Schmidla Naja, das Rennen in Rio muss ja erst mal gefahren werden. Aber ich möchte Gold holen, gar keine Frage. Anne Thiele, die mit im Boot sitzt, hat schon zweimal Silber gewonnen. Jetzt soll eben Gold her. Aber auch die anderen trainieren sehr hart. Grundsätzlich sind wir aber in der Lage, Gold zu holen.

Nach dem Weltcup-Auftakt in Luzern waren Sie Zweite. Daraufhin gab's eine Veränderung im Team. Ist das nicht unglücklich, so kurz vor Olympia, eine Mannschaft umzustellen, die schon seit einem Jahr zusammen fährt?

Schmidla Daran sieht man deutlich, wie wahnsinnig hoch die Ansprüche sind, die an uns gestellt werden und unter welchem Druck wir stehen. Marie Arnold, die jetzt durch Julia Lier ersetzt wurde, war im Frühjahr noch beste in der Einerwertung. Aber Carina, Anne und ich rudern seit drei Jahren zusammen, das Grundgerüst steht also. Eine Veränderung kann man verkraften, zumal Julia ja früher auch schon mit uns gefahren ist.

Obschon der Frauendoppelvierer nicht so sehr im Fokus steht.

Schmidla Das stimmt schon, in der öffentlichen Wahrnehmung dreht sich fast alles um den Achter. Der ist inzwischen in Deutschland ja schon sozusagen das Synonym schlechthin für den Rudersport, obschon es ja auch noch zig andere Bootsklassen gibt. Aber da müssen wir halt mit leben.

Wie sieht so kurz vor den Spielen Ihre Vorbereitung aus?

Schmidla Zurzeit trainieren wir rund sechs Stunden am Tag. Morgens und mittags stehen etwa zweistündige Einheiten auf dem Programm, dazu kommt etwa eine Stunde Laufen und eine Stunde Rumpftraining. Auf dem Wasser sind wir etwa zwei Stunden am Tag, fahren dabei zwischen 42 und 46 Kilometer. Bis Rio werden wir als noch etwas mehr als 1000 Kilometer abreißen.

Auch auf dem Elfrather See?

Schmidla Nein, da nicht mehr. Wir fahren ja fast schon von Trainingslager zu Trainingslager. Wir trainieren sonst hauptsächlich am Stützpunkt in Dortmund. Da pushst du dich jeden Tag, weil dort eben so viele Ruderer zusammen sind. Im Herbst habe ich wieder mehr Zeit, dann fahre ich auch mal wieder auf dem Elfrather See.

Wen schätzen Sie in Rio als Ihre Hauptkonkurrenten ein?

Schmidla Die USA, Polen, Niederlande und Australien. Eine große Unbekannte sind die Boote aus China und der Ukraine, die nach der Qualifikation ja quasi abgetaucht sind. Aber neben der sportlichen Herausforderung dürften auch die Wasserqualität und das Ruderrevier eine Rolle spielen.

Inwiefern?

Schmidla Das Rudergebiet ist ein Außengewässer, das sehr windanfällig ist. Und das Wasser soll angeblich ziemlich Bakterienhaltig sein. Beim Rudern spritzt nun mal ziemlich viel Wasser. Eine Magenverstimmung wäre da schon der Worst Case in diesen Tagen. Darum nehmen wir auch eigenes Wasser mit. Ich möchte nicht plötzlich mit einer Ersatzfahrerin an den Start gehen müssen.

Wann geht es eigentlich los?

Schmidla Wir fahren nach den nächsten beiden Trainingslagern, das letzte ist in Ratzeburg. Dazwischen ist noch die Einkleidung in Hannover. In Rio haben wir etwa zwei Wochen Zeit, um uns dort einzuleben, bis die Wettkämpfe beginnen.

Wie gefallen Ihnen die deutschen Teamklamotten?

Schmidla Ganz gut, die sind sehr sportlich. Sowas ziehe ich ja auch sonst an. Und ein Glück, dass die pinken Sachen da nicht mehr mit dabei sind. Ich hasse pink.

Nehmen Sie bei den Spielen auch an den Feierlichkeiten teil?

Schmidla Die Eröffnungsfeier ist für uns verboten, weil wir einen oder zwei Tage später bereits die ersten Wettkämpfe haben. Das ist natürlich schade. Ich wäre gerne dabei, wenn das deutsche Olympiateam einzieht und meine Eltern und Freunde das vor dem Fernseher erleben. Aber die Abschlussfeier mache ich auf jeden Fall mit, darauf freue ich mich schon.

Wie wird Ihre Zeit nach den Wettkämpfen aussehen?

Schmidla Von Beginn an sind wir ja im Olympischen Dort untergebracht und werden das auch noch nach unseren Wettkämpfen sein. Das wird bestimmt toll, auch mal andere Spitzensport zu treffen. Mit Robert Harting (deutscher Diskuswerfer, die Red.) oder Usain Bolt (Läufer, die Red.) mal zusammen Mittag zu essen, das wäre schon ein Traum.

Nehmen Sie sich dazu ein Büchlein mit, um Autogramme zu sammeln?

Schmidla (lacht) Nein, da mache ich ein Selfie mit dem Handy.

Sehen Sie auch andere Wettkämpfe?

Schmidla Hoffentlich. In London hatten wir ein Kontingent für die anderen Wettkämpfe.

Und was machen Sie nach Rio?

Schmidla das hängt sicher auch davon ab, wie wir dort abschneiden. Wenn wir da verkacken, dann interessiert sich ja keiner für uns. Aber ich werde auf jeden Fall eine Menge Zeit zuhause verbringen. Vielleicht gehe ich mit meinem Freund auf eine Tour mit dem Motorrad, anschließend konzentriere ich mich wieder aufs Studium (Journalismus, die Red.).

Und, Hand aufs Herz, haben Sie sich schon einen Platz für eine Medaille ausgeguckt?

Schmidla (lacht) Oh, die ersten Tage nehme ich die bestimmt mit ins Bett. Aber zuerst muss ich mal eine heben.

Quelle: RP
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