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Lokalsport
Olympiasieger Kleibrink in Shanghai schwer verletzt

Fechten. Fecht-Olympiasieger Benjamin Kleibrink hat offenbar bei einem tätlichen Angriff nach einem Turnier in Shanghai ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Ein Mann wurde festgenommen, er soll ein europäischer Tourist sein. Der Fechtverband zeigte sich "fassungslos". Von Oliver Schaulandt

Der aus Krefeld-Fischeln kommende Fecht-Olympiasieger Benjamin Kleibrink hat sich in Shanghai bei einer Attacke durch einen europäischen Touristen ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Wie der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) gestern mitteilte, war der 30 Jahre alte Florettfechter, dessen Eltern in Fischeln wohnen, nach Ende des Grand-Prix-Turniers in Chinas Hafenstadt mit seinen Teamkollegen zum Abendessen gegangen. Beim Verlassen eines Restaurants wurde er von hinten angefallen - offenbar ohne jeglichen Grund. Der mutmaßliche Täter wurde noch vor Ort von den chinesischen Behörden festgenommen.

Nach den dem DFeB vorliegenden Informationen wurde Kleibrink in ein Krankenhaus eingeliefert und befindet sich weiterhin in stationärer Behandlung in dem Krankenhaus in Shanghai. Sein Zustand gilt nach Verbandsangaben derzeitig als stabil, er sei ansprechbar. Ein Start Kleibrinks bei den Europameisterschaften vom 20. bis 25. Juni in Torun/Polen sei laut DFeB unwahrscheinlich.

"Wir sind fassungslos angesichts einer solchen Handlung", sagte DFeB-Sportdirektor Sven Ressel. "Wir hoffen natürlich, dass Benjamin schnell wieder gesund wird und wünschen ihm alles Gute." Er steht, trotz der komplizierten Kommunikation von Deutschland ins rund 9000 Kilometer entfernte Shanghai im ständigen Kontakt mit dem deutschen Konsulat in Shanghai steht, das die weitere Betreuung Kleibrinks vor Ort koordiniert. Wie es mit Kleibrink weitergeht und wann er transportfähig ist, stand gestern noch nicht fest.

Kleibrink war 2008 in Peking Olympiasieger geworden. Er wurde damit der erste deutsche Einzel-Olympiasieger in dieser Waffengattung. Nach gut drei Jahren Pause war er im vergangenen Jahr zum Fechten zurückgekehrt, trainierte fortan in Bonn für sein Comeback. Eigentlich sollte der 30-Jährige bei den Europameisterschaften in Torun/Polen (20. bis 25. Juni) an den Start gehen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen im August in Rio hatte er verpasst, weil die Florettmannschaft in der Qualifikation gescheitert war. Ein Startplatz im Einzel war für Kleibrink, der nach Team-Bronze in London 2012 zurückgetreten war, wegen seines späten Comebacks nicht mehr möglich.

Kleibrink gilt als einer der stillen Sportstars in Deutschland. Nie hat er um seine Person ein Aufhebens gemacht, nie hat er sich in den Vordergrund geschoben, nie war er ein "Lautsprecher". Stattdessen ging er immer seinen Weg, der ihn auf den Planchen der Fechtwelt zu Olympia-Gold in Peking 2008 und 2012 in London zu Mannschafts-Bronze führte. 2011 hätte ein Motorradunfall beinahe seine Karriere beendet, als er sich einen Knorpelschaden in der Schulter zugezogen hatte. Mit 27 Jahren legte der Linkshänder das Florett nach London beiseite, um sich beruflichen Dingen widmen.

Quelle: RP
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