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Rommelmann und der Traum von Rio

Lokalsport: Rommelmann und der Traum von Rio
Rudern. Jonathan Rommelmann vom Crefelder Ruderclub bereitet sich in Lago Azul in Portugal auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio vor - mit zwei bis vier Trainingseinheiten am Tag.

"Es geht schon wieder los" - seit knapp einer Woche trainiert Jonathan Rommelmann vom Crefelder Ruder-Club wieder unter der Sonne Portugals. Die derzeit besten vier Männer des Deutschen Ruderverbandes aus dem Skull Team der Leichtgewichte bereiten sich im Trainingslager in Lago Azul in Portugal auf die kommenden Aufgaben zur Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio vor. Am 19. März, am samstag also, geht es zurück ins nasskalte Deutschland. Es ist für Rommelmann bereits das vierte Trainingslager in dieser Saison, nach den vom Deutschen Ruder-Verband (DRV) initiierten Übungstagen in Sevilla/Spanien im Dezember, Porto/Portugal im Februar und dem CRC-Trainingslager in Sabaudia/Italien im Januar. Die Schlagzahl ist hoch, kein Wunder: 2016 ist Olympiajahr, und Jonathan "Jonny" Rommelmann ist einer der Kandidaten, die der DRV nach Rio de Janeirao schicken könnte.

Dabei geht es für ihn neben den hohen Trainingsumfängen auch darum, passfähig in der Rudertechnik zu werden, was aber bereits gut gelungen ist. Bundestrainer Robert Sens aus Mainz, macht derweil keinen Hehl daraus, dass er die Kombination Moritz Moos und Jason Osborne, die er auch im täglichen Training in Mainz betreut, zu seinen Favoriten zählt. Dies ist sicherlich hinsichtlich der vergangenen Saisonergebnisse auch gerechtfertigt, aber mit Rommelmann und Konstantin Steinhübel aus Würzburg mischen noch zwei starke Ruderer um die zwei Plätze für Olympia mit, die durchaus auch internationales Format aufweisen können.

Der Crefelder Ruderclub hat Jonathan Rommelmann im vergangenen Jahr mit einem neuen Boot ausgestattet. FOTO: Crefelder Ruderclub

Bei Rommelmann dreht sich aber erst einmal alles um die persönliche Weiterentwicklung. Auch die harte Konkurrenz nimmt er gelassen, denn "die Stimmung bei uns ist gut. Auf und abseits des Wassers merkt man kaum etwas von einem direkten Konkurrenzkampf. Natürlich schaue ich immer links und rechts, aber ich versuche, mich auf mich selbst zu konzentrieren und möglichst viel aus dem Training mit zu nehmen", sagt ein gut gelaunter Rommelmann, der das Messen mit der Konkurrenz liebt.

Anfang April wird es dann langsam ernst im Qualifikationskampf für Olympia. Dann steht wieder der Ergometertest in Leipzig mit anschließender Langstrecke im Einer über sechs Kilometer an - bevor es Ende April zur Deutschen Kleinbootmeisterschaft nach Köln geht, die alles entscheidende Qualifikation für den weiteren Weg. Auf Grund der gezeigten Leistungen in Köln und der Eindrücke aus den Trainingslagern wird es zwei Wochen später eine Ausscheidung im Doppelzweier geben. Nur der Sieger wird die Europameisterschaft in Brandenburg fahren dürfen, was einer Qualifikation für Olympia gleich kommt. Wie es mit dem unterlegenen Boot weiter geht, hat Chef-Bundestrainer Markus Schwarzrock noch offen gelassen.

Für den Traum von Olympia hat Rommelmann sein Medizinstudium unterbrochen. Die hohen Trainingsumfänge und Trainingslager lassen ein anspruchsvolles Studium der Medizin nicht zu. Der 21-Jährige kann sich dies aber erlauben. Bis jetzt hat er in Düsseldorf alle Prüfungen bestanden, und auch seine Eltern unterstützen ihn bei seinem Vorhaben. Die Eltern spielen bei Rommelmann eine wichtige Rolle, denn ohne ihre Unterstützung wäre die sportliche Kariere wahrscheinlich längst ins stocken geraten. Finanziell wird er minimal durch die Sporthilfe und das Deutsche Bank Stipendium unterstützt. An einen Nebenjob ist bei der geforderten Leistung nicht zu denken, und die Hilfen sind ein besseres Taschengeld.

Der Wechsel 2011 von Mülheim nach Krefeld an den Bundesnachwuchsstützpunkt beim CRC war sportlich die richtige Entscheidung, das Umfeld stimmte. Das tägliche Pendeln zwischen seinem Wohnort Mülheim und dem Trainingsort Krefeld erforderte Anschaffung und Unterhalt eines Autos. Rommelmann gehört aber, wie so viele im olympischen Sport, zu den positiv Verrückten, zu den Idealisten. Tägliches Training mit zwei bis vier Trainingseinheiten kann man schließlich nur mit einer gehörigen Portion Optimismus und festem Willen bestehen. Der CRC hilft mit Trainern aus dem Spitzenbereich und hat ihn bereits im vergangenen Jahr mit einem neuen Boot ausgestattet, und pünktlich zum Start in die Olympiasaison hat im November 2015 die Radsportscheune Schild in Mülheim noch ein Rennrad zur Verfügung gestellt.

"Wir nutzen die Zeit zwischen den Trainingslagern immer, um einzelne Punkte weiter zu verbessern. Zwischen den Jahren waren wir für 14 Tage gemeinsam in Sabaudia(Italien) im Trainingslager, aber ich merke auch, dass das letzte Jahr Jonny unheimlich weiter gebracht hat", sagt Heimtrainerin Sabine Tschäge, die ihrem Schützling noch einiges zutraut - natürlich auch, bei den Spielen in Rio für Deutschland zu rudern. In gut sechs Wochen dürften wir es erfahren,

(ST/oli)
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