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Lokalsport
Tauchabenteuer vor Sansibar

Lokalsport: Tauchabenteuer vor Sansibar
In Nungwi (im Norden von Sansibar) gibt es seit 2003 eine Meeresschildkröten-Schutzstation. Dort werden in einer großen natürlichen Lagune und in mehreren kleineren Becken Meeresschildkröten aufgezogen, die verletzt aufgefunden wurden. Die Lagune kann von Touristen besucht werden, die dafür ein Eintrittsgeld bezahlen, wodurch sich das Schutzprogramm finanziert. FOTO: Anna-Lena Scholz
Krefeld. Die Kempenerin Anna-Lena Scholz vom Tauchclub Flipper war zwei Monate als Freiwillige in einer Schildkrötenstation auf der afrikanischen Insel Von Oliver Schaulandt

Wenn Anna-Lena Scholz sich an das bislang größte Abenteuer ihres Lebens erinnert, dann beginnen ihre Augen zu leuchten. Die Studentin ist soeben zurück gekehrt aus Sansibar. Dort hatte die junge Sporttaucherin aus dem Tauchclub Flipper Kempen zwei Monate verbracht und ist neben ihrem Hobby als Taucherin auch einem sozialen Projekt nachgegangen: Sie arbeitete als freiwillige Helferin bei einer Schildkrötenaufzuchtstation und durfte unter Wasser hautnah mit den Meeresschildkröten der Gattungen Green Turtles und Seahawks tauchen. "Ein unbeschreibliches Erlebnis", berichtet sie über die Erlebnisse unter Wasser.

Über die Organisation World Unite, die Praktika und Freiwilligeneinsätze weltweit vermittelt, war sie auf die Aufzuchtstation in Nungwi an der nördlichsten Spitze der unmittelbar vor Tansania im Indischen Ozean liegenden Insel aufmerksam geworden. Das Mnarani Marine Turtles Conservation Aquarium ist eine Initiative lokaler Bürger, die seit 2003 als Schutzeinrichtung für das "National Turtle Conservation Committee" (TTCC) tätig ist.

Anna-Lena Scholz beim Füttern einer großen Landschildkröte mit Laub. FOTO: Scholz

Es werden dort in einer großen natürlichen Lagune und mehreren kleineren Becken Meeresschildkröten aufgezogen, die verletzt aufgefunden wurden. Außerdem werden Eier an Stränden eingesammelt, an denen aufgrund menschlichen Drucks das Schlüpfen bzw. Überleben der Jungtiere ungewiss ist. Auch verwundete Tiere werden dort gepflegt und wieder zurück in die Freiheit entlassen.

Fürs Futter sammeln ging es in die Taucherausrüstung, denn das Seegras, das eine der Nahrungsgrundlagen bildet, wird frisch im Meer geerntet. "Dazu sind wir in der Lagune unter Wasser gegangen, in der die größeren Tiere schwimmen", erzählt die ehemaligen Schülerin des Gymnasiums Thomaeum in Kempen und schwärmt von der Stille unter Wasser, in der die Tiere in der scheinbaren Schwerelosigkeit schwimmen, Seite an Seite mit Fischen und kleineren Haien.

Sind die Tiere groß genug, werden sie in die Freiheit entlassen. Diese "Turtle Releases" sind ein großes Fest im Dorf. FOTO: Scholz

Gut 50 Zentimeter sind die Panzer der Schildkröten dort groß, die größeren Exemplare zwischen 20 und 30 Jahren alt. Und die kleineren, frisch geschlüpften Tiere so winzig, dass sie problemlos auf eine Handfläche passen. Sie werden hauptsächlich mit Fisch gefüttert, der ebenfalls aus der Lagune stammt.

Neben der Fütterung stand auch allgemeine Pflege auf der Tagesordnung. "Auf den Panzern der Schildkröten sammeln sich häufig Algen an. Die haben wir mit Schwämmen gereinigt", erzählt Anna-Lena Scholz. Großen Wert legen die Mitarbeiter dort auch auf die Pflege der Aufzuchtbecken für die kleinen Tiere. Zweimal am Tag wurden diese geleert und gereinigt. Anschließend bildeten alle Helfer vor Ort eine lange Eimerkette bis hin zum Wasser, so dass das Wasser aus der Lagune auch in die Becken gelangen konnte und eben so frisch wie möglich war.

Die Reinigung von Algen und Pflege der Panzer zählt mit zu den Aufgaben der Helfer. FOTO: Scholz

Das größte Problem, mit dem sich die Kempenerin dort konfrontiert sah, war jedoch der Müll. "Der Strand war häufig sehr schmutzig, und auch im Wasser schwamm viel Müll", erzählt sie. Mit den Pressluftflaschen auf dem Rücken absolvierten die Helfer darum auch immer wieder Tauchgänge, um beispielsweise Plastikabfälle aus dem Meer zu holen, die große Gefahr für die Tiere bilden: Sie verhaken sich darin, und bei Befreiungsversuchen ziehen sie sich häufig Verletzungen zu.

Manche schlucken auch einfach kleinere Müllpartikel. Aus dem Müll werden dann kleine Schmuckstücke gefertigt, die an Touristen verkauft werden - der Erlös ist für die Aufzuchtstation bestimmt. "Eine Kollegin dort hat sich aus mit Sand gefüllten Flaschen aus Plastik sogar ein ganzes Haus gebaut", erzählt Anna-Lena Scholz. Zudem gibt es zurzeit Überlegungen, auf Sansibar ein Umweltzentrum zu errichten, in dem Müll recycelt werden soll, um dem Berg an Abfall Herr zu werden.

Quelle: RP
 
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