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Serie Was Macht Eigentlich?
Vom Fußballprofi zum Musik-Kneipier

Serie Was Macht Eigentlich?: Vom Fußballprofi zum Musik-Kneipier
Den ganz großen Triumph verpasst: Vier Tage nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels 1977 verlor Borussia das Finale der "Champions League" in Rom gegen den FC Liverpool 1:3. Enttäuscht, von links: Hans Klinkhammer, Rainer Bonhof, Frank Schäffer, Berti Vogts, Herbert Heidenreich. FOTO: Horstmüller
Krefeld. Er war dreimal Deutscher Meister mit Borussia, 1975 Uefa-Cup-Sieger, im "Champions-League"-Finale 1977 dabei. Doch Fußball war nie alles für Hans Klinkhammer: "Ich war kein Musterprofi." Musik ist seine Leidenschaft. In seiner Studentenkneipe "Im Brennpunkt" lebte er sie. Von O. E. Schütz

Die große Frage "Was wäre gewesen wenn ...?" hat Hans Klinkhammer sich nie knallhart gestellt, trotz seines Eingeständnisses, kein Berufsfußballer aus dem Bilderbuch gewesen zu sein. Er sieht seine acht Profi-Jahre bei Borussia ebenso wie die folgenden zweieinhalb Spielzeiten bei den Zweitligisten 1860 München und Solingen nicht als vertane Chance. Damals nicht, und auch heute nicht. "Ich bin jetzt 62, gesund, schuldenfrei und zufrieden mit meinem Leben", sagt der Ur-Gladbacher. "Auch wenn meine Einstellung nicht die eines Paradeprofis war. Ich habe halt nicht nur für Fußball gelebt. Aber ich habe auch nicht gelitten, als es vorbei war. Denn ich hatte immer neben dem Fußball noch meine große Leidenschaft: die Musik." Gitarre spielen und singen, in seiner kleinen Band "Hundeblume", für andere, oder auch nur für sich: "Das macht mir bis heute sehr viel Spaß."

Hans Klinkhammer war in den 70er Jahren bei Borussia, hatte Hennes Weisweiler, Udo Lattek und Jupp Heynckes als Trainer. Auf dem Platz waren neben ihm Nationalspieler wie Günter Netzer, Jupp Heynckes, Berti Vogts, Herbert Wimmer, Rainer Bonhof, Uli Stielike, Henning Jensen oder Allan Simonsen. Hans Klinkhammer hat es - in Borussias bester Zeit! - auf 163 Erstliga-Spiele in sieben Jahren gebracht. Er ist als Verteidiger mit Gladbach 1975, 76 und 77 Deutscher Meister geworden, hat 1975 den Uefa-Cup mit geholt. Und war dabei, als Borussia 1977 das Finale der heutigen Champions League gegen den FC Liverpool 1:3 verlor. Keine schlechte Bilanz für einen, der kein Paradeprofi war. Aber dies nicht, weil er wie etwa der spätere Nationalspieler und heutige DFB-Teammanager Oliver Bierhoff zu seiner Bundesliga-Zeit in Hamburg und auch noch in Gladbach als Sohn aus besserem Hause es erst einmal nicht nötig zu haben schien, sich zu quälen. Im Gegenteil: "Meine Eltern waren Arbeiter, haben beide immer nur malocht, um meine Schwester Roswitha und mich anständig großzuziehen", erzählt Hans Klinkhammer. Und nebenbei brachte Franz Klinkhammer seinem Sohn sehr früh ("Ich war etwa elf") das Musizieren bei: am Klavier, an der Gitarre, und das Singen. Nicht profimäßig, aber so, dass man sich und anderen Freude macht.

Früh übt sich: Hans war elf Jahre, als der Vater ihm das Spiel auf der E-Gitarre beibrachte. FOTO: NN

Was wäre wenn? Zumindest einmal hat Hans Klinkhammer diese Frage sich doch gestellt. Jetzt kürzlich erst, als er im Fernsehen noch einmal Borussias Endspiel 1977 in Rom gegen den FC Liverpool sah: "Da wurde mir so richtig bewusst, dass wir nach dem 1:1-Ausgleich einige Chancen hatten, in Führung zu gehen. Und wer weiß, wie dieses Spiel ausgegangen wäre, wenn wir dies genutzt hätten ..." Dann wäre Hans Klinkhammer vielleicht Gewinner des Europapokals der Landesmeister - oder Champions-League-Sieger, wie der Wettbewerb heute heißt. Überraschendes Trostpflaster vom sonst so zugeknöpften Manager Helmut Grashoff: "Wir bekamen alle die 16.000 Mark, die für den Gewinn des Pokals versprochen worden waren."

Klinkhammer bekommt noch heute Post von Borussen-Fans mit der Bitte um Autogramme. Auf den Fotos, die beiliegen, ist sein Kopf ziemlich wild gelockt: So kannte man ihn als Profi. Doch auf den frühen Jugendbildern ist sein Haar glatt. So spielte er mit etwa sechs Jahren ("Die anderen waren ein paar Jahre älter") beim 1. FC. Dann kamen die Locken, und Hans spielte, inzwischen von der Luisenstraße nach Hermges umgezogen, beim Polizei-Sportverein: "Mit Ferdi Köhnen hatten wir einen tollen Trainer, mit Reinhold Rickers einen starken Obmann und eine richtig gute B-Jugend", erzählt er. "Aus der holte sich Borussia zuerst Gregor Quasten und Rainer Malzkorn, ein Jahr später dann auch mich. Drei Freunde aus Hermges, die Klassenkameraden waren, zusammen Fußball spielten und schließlich alle einen Vertrag bei Borussia bekamen." Aber nur Klinkhammer schaffte nach einem ersten Jahr in der Reserve den wirklichen Sprung in die Bundesliga.

Sportlich, ergraut, mit kurzen Haaren: Hans Klinkhammer heute.

Im Sommer 1980, nach acht Jahren, sollte sein Vertrag verlängert werden. Doch er war mit Borussias Angebot nicht zufrieden, wechselte nach München und spielte noch zwei Jahre für den TSV 1860 in der Zweiten Liga. 1982 hatte er schon aufgehört, als ihn im Spätherbst der 1. FC Union Solingen für den Abstiegskampf in der Zweiten Liga holte. Erfolgreich, aber ohne Fortsetzung: "Solingen hatte das Geld nicht, die Ablöse an München zu zahlen", erzählt Klinkhammer. "Und für mich war das Thema Fußball durch." Der Fußballer, der kein Musterprofi war, wechselte die Sportart, wurde Tennistrainer in Neuwerk und Gerkerath - und machte dazu auch sein großes Hobby zum Beruf: 1984 übernahm er die Studentenkneipe "Zum Brennpunkt" in Hardterbroich, die einen Saal für Veranstaltungen hatte, und machte sie zu einem Musiklokal. Zwei Tage in der Woche legten Disc-Jockeys auf, samstagabends gab es Live-Musik: mit Bands aus der näheren Umgebung, auch schon mal von weiter her. Und ab und zu mit Klinkhammers Trio "Hundeblume" oder auch er allein mit Gitarre und Stimme.

1997 lief sein Vertrag aus und wurde das Haus an der Gabelsbergerstraße verkauft, aus der Kneipe wurde das Restaurant Zeitlos.

Wassersport auf dem Heidweiher bei Amern:Dorthin fuhren die Klinkhammers in den 60er Jahren zum Zelten. FOTO: NN
Quelle: RP
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