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Aline Focken
"Vom letzten Platz bis zu Gold ist alles drin"

Krefeld. Die Krefelder Aline Focken vom KSV Germania zählt bei den Olympischen Spielen in Rio zu den Medaillenhoffnungen im Ringen. Sie selbst hält die Erwartungshaltungen aber niedrig, auch wenn der Gewinn einer Medaille natürlich ein Traum wäre.

Hallo Frau Focken, wo erwische ich Sie gerade?

Aline Focken Am Flughafen. Ich bin gerade durch die Sicherheitskontrollen gegangen.

Wo geht es hin?

Focken Ich bin auf dem Weg nach Madrid. Dort ist ein Trainingslager geplant. Meine Trainingspartner nehmen außerdem an einem Turnier dort teil, aber ich soll mich ein bisschen schonen, weil ich zuletzt bei einigen Turnieren gerungen habe.

Wie geht es danach weiter?

Focken Als nächstes haben wir ein Kadertreffen am Stützpunkt in Dormagen. Da bleiben wir eine Woche. Am 24. Juli geht es dann für neun Tage nach Finnland ins Trainingslager.

Warum gerade dorthin?

Focken Oh, das ist Sache der Trainer. Wir trainieren mit den Finnen zusammen, weil das von den Gewichtsklassen ganz gut passt.

Wann geht es nach Rio?

Focken Am 12. August ist Abflug.

Wie groß ist die Vorfreude?

Focken Riesig. Die Teilnahme an Olympischen Spielen war schon als Kind ein riesengroßer Traum von mir.

Wenn Sie am 12. August erst fliegen, sind die Spiele ja schon eine Woche dran.

Focken Ja, aber ist nicht schlimm. Die Ringer-Wettkämpfe sind erst gegen Ende der Spiele. Bei der großen Abschlussfeier bin ich jedenfalls dabei.

Was haben Sie sich für Ziele gesetzt?

Focken Es ist schwierig, sich im Ringen eine feste Platzierung als Ziel zu setzen. Viel hängt von der Auslosung ab, man darf ja nicht vergessen, dass alle, die in Rio dabei sind, die besten Ringer der Welt sind. Da wäre es naiv zu sagen, ich hole eine Medaille oder sogar den Olympiasieg. Für mich ist im Grunde alles möglich, vom letzten bis zum ersten Platz. Daher sage ich, dass ich an dem Tag der Wettkämpfe meine beste Leistung abrufen möchte. Alles weitere wird man schauen. Eine Medaille wäre natürlich ein Traum, und möglich ist das auch.

Wer sind Ihre Hauptkontrahenten?

Focken Da sind sechs, sieben Sportler dabei, die zur absoluten Weltspitze gehören. Eine Russin ist Olympiasiegerin, gegen die habe ich noch nie gewonnen. Die Japanerin, gegen die ich das WM-Finale gewonnen habe, ist auch mit dabei. Außerdem sind auch gute Kämpferinnen aus China, der Ukraine, der Mongolei oder Schweden am Start - naja, und ich eben. Die waren alle schon mal Weltmeister oder Olympiasieger, aber auch die anderen darf man nicht unterschätzen. Wer sich qualifiziert hat, ist auch zurecht dabei.

Waren Sie schon bei der Einkleidung?

Focken Ja, das war Wahnsinn. Die Sachen sind richtig cool, und soviel auf einmal zu bekommen, ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Ich weiß nur noch nicht, wo ich das alles unterbringen soll.

Sie gelten im Ringerbund als eine der Hoffnungsträger für eine Medaille. Ist das Fluch oder Segen?

Focken Es ist eine Mischung aus Druck und Motivation. Ich hatte nach dem WM-Titel zwei Jahre lang Zeit, mich an den Druck zu gewöhnen. Zum Glück bin ich aber nicht die Einzige. Trotzdem bin ich schon ein Stück weit stolz darauf und weiß auch um meine Verantwortung. Aber ich möchte locker bleiben und die Situation als Zusatzmotivation nehmen.

Was machen Sie nach Ihrem Wettkampf?

Focken Zunächst einmal im Olympischen Dorf bleiben. Ich freue mich, die anderen deutschen Sportler zu treffen, vielleicht schaue ich mir noch den einen oder anderen Wettkampf an. Oh, und wenn ich Usain Bolt treffen sollte, frage ich ihn nach einem Foto.

Und nach Rio?

Focken Zunächst mache ich mit meiner Familie noch in Brasilien ein paar Tage Urlaub. Richtige Pläne für die Zeit nach Olympia habe ich eigentlich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich mir mindestens mal einen Monat Auszeit nehmen, mich um meine Familie und meine Freunde kümmern, die durch die Vorbereitung auf Olympia doch etwas zu kurz gekommen sind. Aber lange kann ich es eh nicht ohne Training aushalten. Außerdem freue ich mich, wenn im November die deutschen Mannschaftsmeisterschaften sind. Mein Verein, der KSV Germania, ist schließlich Gastgeber. Das wird bestimmt auch eine tolle Sache.

Quelle: RP
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