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Krefeld
Stadt plant Kauf von "Problemimmobilien"

Krefeld. Eine Liste mit 40 heruntergekommenen Gebäuden hat die Verwaltung zusammengestellt. Der Planungsausschuss soll jetzt beschließen, Fördermittel von insgesamt sechs Millionen Euro zu beantragen. Von Joachim Niessen

"Problemimmobilien" in Krefeld geht es an den Kragen. Die SPD sagte den maroden Häusern bereits in der jüngsten Ratssitzung den Kampf an. Inzwischen erarbeitete die Verwaltung eine Liste mit rund 40 heruntergekommenen Gebäuden. Nun soll die Fachabteilung in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Stadtsanierung am kommenden Donnerstag, 23. November, von der Politik beauftragt werden, einen Antrag auf Gewährung von Städtebaufördergeldern in Höhe von sechs Millionen Euro zu stellen. Ein zentrales Ziel: Problemimmobilien zu kaufen.

Mitarbeiter des Rathauses haben in den vergangenen Wochen ermittelt, dass ein Teil der "baulich stark vernachlässigten Gebäude" im südlichen Teil der Innenstadt liegt. "Aber auch unmittelbar angrenzend an das dortige Stadtumbaugebiet im Bereich Lehmheide sowie östlich im Bereich Schinkenplatz tragen eine Vielzahl verwahrloster Immobilien zur Destabilisierung der Wohnquartiere bei und wirken negativ bis weit in das Fördergebiet", lautet das Ergebnis der Experten.

Die Möglichkeit, kurzfristig und schnell zu handeln, hat die Verwaltung in der Regel nicht: "Die Stadt selbst ist personell nur punktuell in der Lage, bei massiven sicherheitsrelevanten Mängeln an den Wohngebäuden einzugreifen." Die anstehenden umfangreichen Aufgaben sind für das Baudezernat allerdings nicht ohne Unterstützung zu bewältigen. Daher ist beabsichtigt, ergänzend einen "Sanierungsträger" zu beauftragen, der als Treuhänder der Stadt die Vorbereitung und Durchführung von geeigneten Maßnahmen sowie Untersuchungen als Grundlage zur Entscheidung über weiterführende Maßnahmen, den Ankauf von Immobilien sowie die Durchführung von städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen übernehmen soll. Allerdings sollen Möglichkeiten zum Erwerb der Problemimmobilien über Zwangsversteigerung oder Kauf vorab geprüft werden. "Beim Ankauf ist zu klären, in wie weit Dritte wie zum Beispiel das städtische Wohnungsunternehmen Wohnstätte Krefeld beteiligt werden können", so die derzeitige Überlegung der Verwaltung. Im Klartext: Die Stadt beabsichtigt, Immobilien in Problemquartieren vom Markt zu nehmen. Dabei soll zunächst geprüft werden, inwieweit ein Abriss der maroden Häuser infrage kommt und das Grundstück anschließend öffentlich genutzt werden kann. Alternativ wird jeweils aber auch über eine Sanierung nachgedacht.

"Die Stadt Krefeld ist ohne die Unterstützung einer Förderung nicht in der Lage, Maßnahmen gegen die deutliche Zunahme sogenannter Problemimmobilien zu ergreifen. Im Rahmen des Modellprojektes sollen sechs Millionen Euro für die oben genannten Maßnahmen in den nächsten fünf Jahren im Haushalt der Stadt verankert werden", heißt es im Baudezernat von Martin Linne.

Daneben ist die Krefelder Innenstadt bereits 2010 in das Bund-Länder-Förderprogramm "Stadtumbau-West" aufgenommen worden. Dadurch bekam die Verwaltung trotz angespannter Haushaltslage die Möglichkeit, richtungsweisende öffentliche Investitionen zu tätigen. Die bisherigen Maßnahmen im öffentlichen Raum reichen jedoch nicht aus, um ein Quartier zu stabilisieren. "Zwar werden im Rahmen des Stadtumbau-West-Förderprogramms seit 2012 auch finanzielle Anreize für private Immobilieneigentümer durch das Hof- und Fassadenprogramm geschaffen, jedoch werden hiermit nur die handlungsfähigen und investitionsbereiten Eigentümer erreicht. Die Eigentümer sogenannter Problemimmobilien sind dazu oft nicht in der finanziellen Lage, sind mit der Unterhaltung und Instandhaltung der Immobilie überfordert oder handeln in unseriöser, profitorientierter Absicht", stellt die Fachabteilung der Verwaltung fest.

Quelle: RP
 
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