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Krefeld
Stadt sucht Paten für Denkmal-Grabstätten

Krefeld. Eine Frau aus St. Tönis hat eine Patenschaft auf dem Hauptfriedhof übernommen und Steinmetz sowie Gärtner mit der Restaurierung einer Grabstelle aus dem Jahr 1908 beauftragt. Von Norbert Stirken

Über wie viele denkmalgeschützte Grabmale die Stadt Krefeld genau verfügt, weiß sie selbst nicht. Allein auf dem Hauptfriedhof werde es eine dreistellig Zahl sein, berichtete Veit Berroth von der Stadtverwaltung gestern bei der Vorstellung eines Patenprojekts für die stadtgeschichtlich bedeutsamen und künstlerisch wertvollen Steinmetzarbeiten.

Laut Denkmalgesetz ist der Eigentümer zum Erhalt verpflichtet. Gleichzeitig muss er es aber auch wirtschaftlich nutzen können. "Das ist bei einem Grabstein unmöglich, und so gehen die Denkmale ins Eigentum der Stadt über", erklärt Berroth. Für die Pflege sucht die Kommune Paten. Die Ausgaben darf sie als Spende beim Finanzamt absetzen und darüber hinaus das Grab auch nutzen - soll heißen, sich oder einen Angehörigen dort bestatten lassen.

Für ein Grabmal aus französischem Kalkstein aus dem Jahr 1908 hat sich eine Patin gefunden. Die mittlerweile in St. Tönis lebende frühere Geschäftsfrau aus Krefeld möchte anonym bleiben. Sie hat den Krefelder Steinmetz Manfred Messing und den Gärtner Stefan Brammen damit beauftragt, das seit Jahrzehnten nicht mehr genutzte Grab der Familie Biederbick wieder herzurichten.

Der Grabschmuck mit hellrosa blühender Schneeheide ist eher minimalistisch. Er soll nicht mit den denkmalwerten Stein in Konkurrenz treten. Fürs Grabmal bestand Handlungsbedarf, die rechte Bank war bereits zerbröselt und wurde aus Originalmaterial detailgetreu wieder hergestellt. Eine dicke Rußschicht wurde behutsam entfernt. "Die künstlerische Gestaltung des Steins ist sehr schön", sagt Berroth. Dem Kopf sind Flügel und Mohnkapseln hinzugefügt, die für Schlaf als Vorstufe des Todes stehen. Florale Elemente schmücken den Stein wie auch die Darstellung der Bibel und des Kreuzes. Darunter ist der Vers "Ich bin die Auferstehung und das Leben" zu lesen.

Früher verfügte das Grab wohl über eine Zaunanlage aus Bronze. Farbspuren und Einlassungen im Stein zeugen davon. Eine Patenschaft ist finanziell unterschiedlich aufwendig. "Das reicht von der Anschaffung einer Wurzelbürste bis zum Gegenwert eines Kleinwagens", informiert Berroth.

Wer Interesse an einer Patenschaft für ein Grabmal hat, kann sich an die Friedhofsverwaltung wenden. Ansprechpartnerin ist Heike Blondin, Abteilungsleiterin, unter der Rufnummer 02151 864450.

Quelle: RP
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