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Krefeld
Stadt verfügt über keine Deponie-Kapazitäten

Krefeld: Stadt verfügt über keine Deponie-Kapazitäten
In der Müllverbrennungsanlage in Elfrath entstehen jährlich rund 113.000 Tonnen Schlacken, die deponiert werden müssen. FOTO: Lammertz
Krefeld. Lange hat's gedauert, bis die Stadt ihr neues Abfallwirtschaftskonzept (AWK) auf den Weg gebracht hat. Die Aufsichtsbehörde hat der Kommune inzwischen mehrfach auf die Füße getreten und auf das Versäumnis aufmerksam gemacht. Alle fünf Jahre muss Krefeld sein AWK fortschreiben - das letzte Konzept stammt aus dem Jahr 2005. Von Norbert Stirken

Die Stadt Krefeld hat ein Problem. Seit dem vergangenen Jahr stehen ihr keine Deponiekapazitäten zur Verfügung. Der Kreis Viersen hatte eine entsprechende Vereinbarung gekündigt. Mit der Beendigung des betreffenden Vertragsverhältnisses Ende 2014 begann die Abkehr des Kreises Viersen von der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein und von der Stadt Krefeld. Pikant dabei, die letztlich Krefelder Gesellschaft EGN hat ihren Sitz in Viersen.

Die Stadt Krefeld muss in ihrem AWK die Entsorgungssicherheit für die kommenden zehn Jahre gegenüber dem Land nachweisen. Dazu muss sie die zukünftigen Mengen aufgrund einer verlässlichen Datenbasis und vor dem Hintergrund politischer Vorgaben aus Düsseldorf prognostizieren. So sollen zum Beispiel Bio- und Grünabfälle stärker verwertet werden als in der Vergangenheit. Dementsprechend geht die Stadt Krefeld in ihrem Entwurf, der am Mittwoch, 16. November, im Umweltausschuss beraten und am Donnerstag, 8. Dezember, im Rat verabschiedet werden soll, davon aus, dass sich die Mengen an Hausmüll pro Einwohner sowie an Sperrmüll in Zukunft verringern. Dafür erwartet die Kommune bei Bio und Grün, bei Leichtverpackungen und Glas, aber auch bei Papier und Textilien deutliche Zuwächse.

Die Stadt hat dazu seit geraumer Zeit eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Fraktionen, der Stadtwerke (SWK), Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK), Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) und der Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK) als Betreiber der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage (MKVA) in Elfrath sowie des Naturschutzbundes (Nabu) und Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gebildet. Die legen nun ein 80-seitiges Konzept zur Beratung und Beschlussfassung vor. Extern wurde die Arbeitsgruppe durch das Gutachterbüro Cyclos GmbH aus Osnabrück unterstützt. Der Hausmüll wandert auch in Zukunft in die Krefelder Müllverbrennung. 52.000 bis 60.000 Tonnen pro Jahr werden dabei zugrunde gelegt. Inklusive der brennbaren Abfälle aus Gewerbebetrieben fallen 74.000 bis 82.000 Tonnen an.

Auf die Deponie müssten entsprechend der Prognose bis zum Jahr 2025 rund 134.000 Tonnen. 113.000 Tonnen davon sind Schlacken aus der Müllverbrennung. Die Menge ist deshalb höher als der Krefelder Hausmüll, weil in der MKVA auch Hausmüll aus anderen Städten wie Mülheim, Mönchengladbach und dem Rhein-Kreis Neuss thermisch verwertet - zur Energiegewinnung - wird. Für die Deponie hinzu kommen 21.000 Tonnen nicht brennbarer Abfälle aus gewerblichen Betrieben.

Das Problem - wie bereits erwähnt: Krefeld verfügt über keine eigene Deponie und hat seit dem Jahr 2015 auch keine Kapazitäten anderswo vertraglich zur Verfügung gestellt bekommen. Die Stadt behilft sich zum Teil mit einem bürokratischen Schachzug. Sie nutzt die Möglichkeiten des Paragrafen 20 Absatz 2 Kreiswirtschaftgesetz. Demnach kann sie zu deponierende Abfälle aus gewerblichen Betrieben von ihrer Entsorgungspflicht ausschließen. Und das will sie auch.

Dem Chemparkbetreiber Currenta in Uerdingen etwa ist das egal: "Wir verfügen über eigene Deponien in Dormagen und Leverkusen", sagt Sprecher Mauritz Fänger-Montag. Für die Schlacken aus der Müllverbrennung will die Kommune "irgendwelche" Deponien in Nordrhein-Westfalen in Anspruch nehmen.

Quelle: RP
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