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Krefeld
Stadtgarten: Wie ein Friedhof Gartenkunst wurde

Krefeld: Stadtgarten: Wie ein Friedhof Gartenkunst wurde
Kleinod: Der historische Musikpavillon wurde mit Hilfe der Krefelder Baudenkmalstiftung aufwendig restauriert. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Lydia Paggen, Sozialwissenschaftlerin und Stadtführerin, informiert bei einem Rundgang entlang der verbliebenen Grabsteine. Von Esther Mai

Die warme Nachmittagssonne scheint durch die Baumkronen, buntes Laub liegt auf den Wegen. Jedem Schritt folgt lautes Rascheln, die Blätter werden aufgewirbelt. Hunde sausen über die Wiese, Kinder spielen Fußball, Spaziergänger schlendern langsam durch die Parkanlage. Es ist ein wunderschöner Nachmittag um einen Spaziergang zu machen. Und für sieben Personen gleich noch eine gute Gelegenheit, um sich ein klein wenig über die Geschichte des Krefelder Stadtgartens zu informieren.

Sie haben sich bei der Volkshochschule zu einem geführten Rundgang über den ehemaligen Gemeindefriedhof angemeldet. Anderthalb Stunden lang erzählt die Sozialwissenschaftlerin Lydia Paggen über die Parkanlage, die damals bei ihrer Entstehung per Definition nicht der Innenstadt zugerechnet wurde. Die Innenstadt lag damals nämlich nur innerhalb der vier Wälle. "Vom Gemeindefriedhof zur Parkanlage" lautet der Titel des Rundgangs, den Lydia Paggen schon häufiger angeboten hat. Locker und lustig erzählt sie die Geschichten von Verstorbenen, die dort begraben sind, spannt einen Bogen zu der Zeit, als der Friedhof zum Park wurde und zum heutigen Zustand.

Zuerst geht die kleine Gruppe "über Leichen", wie Paggen formuliert. Seit 1867 finden hier, im Stadtgarten, keine Beerdigungen mehr statt. Und nur noch wenige Gedenksteine erinnern an die Gruften und Gräber, die es hier früher einmal gegeben hat. Die Gruppe trifft auf die Grabstätten einiger prominenter Krefelder Familien, manche der Steine sind noch gut lesbar, manche weniger. Nicht nur das Moos, das sich über den Stein zieht, macht es oft schwer, die Inschriften zu lesen. Graffitis, Dreck, Zigarettenstummel zeugen von mangelndem Respekt, der hier den Toten entgegengebracht wird. Familienverbände sicherten sich damals viele Einzelgruften, die dann zu einem Areal für die Familie zusammengeführt wurden. Die Inschriften der Grabsteine waren damals persönlicher, als sie es heute sind. So erinnert ein Kind an seine Eltern mit den Worten: "Den besten Eltern in kindlicher Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit gewidmet". Auch die Symbolik auf den erhaltenen Grabsteinen ist reich und interessant. "Hände symbolisieren die ewige Treue, eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, bedeutet Unendlichkeit", sagt die Stadtführerin. Vorbei geht es schließlich auch am Brunnen-Areal, das noch bepflanzt werden soll, zum Musik-Pavillon und zum ehemaligen Kurhaus, das im Stadtgarten zum Trinken des Krefelder Sprudels einlud. Dieser soll gut gegen Katarr gewesen sein.

Zum Schluss der Führung räumt Lydia Paggen noch mit einer Falschinformation auf: Der Komponist Karl Wilhelm ist nicht im Stadtgarten begraben. Er verstarb in Schmalkalden, wo auch seine Grabstätte zu finden ist. Bei der großen Steele, die ihm gewidmet ist, handelt es sich nicht um einen Grabstein, sondern um ein Denkmal.

Quelle: RP
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