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Kongress "investieren Jetzt!" Der Sparkasse
Wirtschaftsexperte mahnt: "Uns wird es zu leicht gemacht"

Krefeld. Auch ernsthafte Veranstaltungen zeitigen heitere Anekdoten: Als der TV-bekannte Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Gerke in Krefeld auf dem Weg zum Kongress "Investieren jetzt!" der Sparkasse war, ist er von mehreren Passanten angesprochen worden, ob er nicht mal das mit der Verzögerung an der Ostwall-Baustelle erklären könne - die Leute haben ihn als Experten wiedererkannt und wollten seine Meinung wissen. Nun, er konnte nicht, weil er den "Ostring" (Gerke) nun doch nicht kennt. Und gefragt, warum er, dessen Markenzeichen die Fliege ist, keine Krawatte trägt, antwortete: Weil er als junger Mann und Vertreter der 68er-Generation Krawatten verachtet habe; als er dann doch mal eine brauchte, habe er seinen Vater gefragt - und der hatte nur eine Fliege zur Hand. Er blieb dabei, auch weil es ein Markenzeichen ist. Ansonsten ging es bei dem Kongress bei der Sparkasse, zu der Gerke als Redner geladen war, um die Frage, ob und warum mittelständische Unternehmen jetzt investieren sollten - man darf sagen: obwohl die deutsche Wirtschaft, insbesondere die exportorientierte, brummt. Gerke gab eine verblüffende Antwort: "Der Euro-Kurs macht uns zu bequemt." Will sagen: Deutsche Betriebe haben Vorteile, weil der Euro billig ist; dadurch drohen sie, Investitionen in technologischen Fortschritt und Produktivität zu verschlafen. "Uns wird es zu leicht gemacht. Wenn wir unter starkem Druck stehen würden, müssten wir jeden Tag schauen: Wie sieht es mit unserer Produktivität aus?"

Gerkes dringender Rat an die rund 100 Gäste - meist Unternehmer der Region: Investieren jetzt, um gerüstet zu sein für den Tag, an dem die Währungsvorteile wegfallen.

Neben Gerke berichtete Simon Sdahl, Leiter des Beratungscenters Rheinland der NRW-Bank, über Fördermöglichkeiten für Investitionen - seine Botschaft: "Geld ist reichlich da; Förderprogramme werden unterschätzt."

Krefeld gehört zu den Regionen, die besonders gefördert würden. Sdahl ermunterte Unternehmer nachdrücklich, sich um Fördergelder zu kümmern und sich von dem Antragsverfahren nicht abschrecken zu lassen.

IHK-Geschäftsführer Andree Haack beleuchtete den Standort Krefeld, der einen gesunden industriellen Kern habe. Er würdigte die Stadt auch als Logistikstandort und verteidigte die Branche gegen den Vorwurf, als "Flächenfresser" wenig Arbeitsplätze zu bringen. Zehn Prozent der Logistik-Jobs seien hochqualifiziert, 50 Prozent seien für Geringverdiener - gerade solche Stellen würden in einer Stadt wie Krefeld mit mehr als elf Prozent Arbeitslosigkeit gebraucht.

Und schließlich berichtete Holger Krebs, Geschäftsführer der in Willich ansässigen Kick Group, als Sparkassenkunde von der Zusammenarbeit zwischen Bank und Unternehmen. Sein Unternehmen - ein Maschinenbauer mit rund 90 Mitarbeitern und 1200 Kunden weltweit - repräsentiert deutschen Mittelstand vom Feinsten. "Wenn andere noch Sms schreiben, sind unsere Anlagen schon fertig und betriebsbereit", umschrieb er selbstbewusst die Stärke seines Unternehmens.

Seine Botschaft: Die Zusammenarbeit mit einer Bank vor Ort lebt von gegenseitigem Vertrauen.

(vo)
 
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