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Krefeld
Stadthaus: Gutachter empfiehlt Sanierung und PPP-Modell

Krefeld: Stadthaus: Gutachter empfiehlt Sanierung und PPP-Modell
Das Stadthaus in Krefeld. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Sanierung nach dem Modell der Feuerwache - ein privater Investor baut, die Stadt mietet an - ist demnach wirtschaftlicher als ein Neubau und erst recht billiger als die Anmietung von Gebäuden. Von Jens Voss

Das Gutachten ist mit Spannung erwartet worden: Es ist die Grundlage für eine Entscheidung, die für Oberbürgermeister Frank Meyer weit über die Verwaltung und über die Grenzen der Stadt hinaus Bedeutung hat. Die Region werde registrieren, wie Krefeld mit einem Werk des bedeutenden Architekten Egon Eiermann umgeht. Es geht um die Zukunft des Stadthauses. Meyer, Planungsdezernent Martin Linne und Stadtdirektorin Beate Zielke stellten gestern das Gutachten vor, das das Berliner Planungsbüro PSPC erstellt hat.

Die Planer sollten durchrechnen, was am günstigsten ist: Anmietung dezentraler Räume für die Verwaltung im ganzen Stadtgebiet, Sanierung des Stadthauses in Eigenregie der Stadt, Sanierung über ein sogenanntes PPP-Modell (ein Privater saniert, die Stadt mietet an) oder ein Neubau. Das Ergebnis im Kern: Die Sanierung und Finanzierung per PPP ist am wirtschaftlichsten und kostet auf 30 Jahre im Höchstfall 128 Millionen Euro. Wichtig dabei: Das ist das "Worst-Case-Szenario", also der maximale Kostenrahmen, in dem alle Risiken eingerechnet sind. Ein Neubau würde auf 30 Jahre insgesamt auf 130,3 Millionen Kosten kommen; die Anmietung von Räumen wäre mit 158,7 Millionen Euro die mit Abstand teuerste Lösung.

Würde die Stadt die Sanierung in Eigenregie vornehmen (wie beim Kaiser-Wilhelm-Museum), rechnen die Gutachter mit Gesamt-Investitionskosten von maximal 76,2 Millionen Euro; die Sanierung nach dem PPP-Modell (PPP steht für Public Private Partnership, also Öffentlich-Private Partnerschaft) käme auf 69,7 Millionen Euro Invest. Linne bekräftigte diese Einschätzung mit Hinweis auf die Erfahrungen mit dem Kaiser-Wilhelm-Museum, wo die Stadt Bauherr war; gehe etwa eine der beauftragten Firmen in die Insolvenz, könne die Stadt nicht so flexibel und schnell handeln wie ein privater Bauherr; eben das treibe die Kosten in die Höhe.

Ein Neubau wäre laut Berliner Gutachten teurer als die Sanierung; er käme nur auf dem Willy-Brandt-Platz infrage, betonte Linne. Das Modell Theaterplatz - unten Veranstaltungshalle, darüber ein neues Stadthaus - erfordere ein zehngeschossiges Gebäude: "Das kann man sich an dieser Stelle nicht vorstellen", so Linne. Bei allen Zahlen handelt es sich um Maximalzahlen, erläuterte Stadtdirektorin Zielke, "wir wollten nicht den Fehler machen, es schönzurechnen". So seien Risiken eingerechnet; treten sie nicht ein, käme der Bau günstiger. Auch ist noch eine teure Variante der Sanierung der maroden Fenster mit eingerechnet; mit dem Denkmalschutz abgesprochen sei bereits, dass das Gros der Fenster durch moderne ersetzt werden dürfte - auch das mache die Sache wieder günstiger, erläuterte Linne.

Auch Denkmalzuschüsse wie die jüngst zugewiesenen 300.000 Euro aus Bundesmitteln für den Flachbau des Stadthauses seien noch nicht eingerechnet. Insofern ist der Kostenrahmen ein Maximalwert; die realen Kosten können niedriger sein.

Oberbürgermeister Meyer drängt auf eine Entscheidung des Rates noch in diesem Jahr. "Mit jedem Tag, den wir warten, verschwenden wir Geld." Geplant ist bislang neben dem Stadthaus der Bau eines Service-Zentrums für die IT-Technik, das bis 2018 fertiggestellt wird. Folgt der Rat der Empfehlung des Gutachtens, könne die Sanierung des Stadthauses danach beginnen. Das Service-Zentrum ist keine Vorentscheidung, betonte Zielke - auch im Falle eines Neubaus an anderer Stelle wäre die Funktionalität gewahrt.

Geplant ist, den Flachbau zu einem Bürgerservice-Zentrum mit öffentlicher Cafeteria auszubauen. Das Skelett des Hochhauses ist in Ordnung und auf Dauer angelegt zu sanieren, so Linne; erneuert werden müsste aber die gesamte Technik. Beim Zuschnitt der Räume soll maximale Flexibilität gewahrt bleiben: Je nach Anforderung des Fachbereichs soll von der Einzelzelle bis zum Großraumbüro alles möglich sein.

Quelle: RP
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