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Krefeld
Städteranking - bedingt aussagekräftig

Krefeld: Städteranking - bedingt aussagekräftig
Schwerindustrie bei Siempelkamp (l.) und Natur pur im Hülser Bruch liegen in Krefeld nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Stadt wird allerdings bundesweit als Ruhrgebietsstadt wahrgenommen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Im "Brandmeyer Stadtmarken Monitor" sind 5003 Deutsche zur Attraktivität der deutschen Großstädte befragt worden. Krefeld landete ganz hinten. Doch wie ernst ist eine Umfrage zu nehmen, wenn die Befragten nie in Krefeld waren? Von Sebastian Peters

Die Nachricht Ende vergangener Woche sorgte in Krefeld für Irritationen. Krefeld soll die unattraktivste der 50 größten deutschen Städte sein. Die Brandmeyer Markenberatung hat 5003 Deutsche nach ihrer Wahrnehmung der Großstädte befragt und schrieb in einer Pressemitteilung am Freitag: "Duisburg, Gelsenkirchen und Krefeld sind Schlusslichter in der Städtewahrnehmung der Deutschen." In der Stadtverwaltung sorgte die Studie für Irritationen, am Rande der OB-Wahlveranstaltungen war sie Thema bei den Parteien. Doch was sagt diese Befragung wirklich aus, und was steht tatsächlich darin? Der Blick in die Details der Untersuchung und das Vorgehen der Statistiker offenbart, dass die Studie für Krefeld nur bedingt aussagekräftig ist.

Die erste Erkenntnis nach dem Blick in die Untersuchung ist eine tröstliche - Krefeld landet nicht etwa ganz hinten, wie von Brandmeyer zunächst missverständlich mitgeteilt. Stattdessen belegt Krefeld tatsächlich den 48. Rang, unattraktiver noch sollen Gelsenkirchen und - das Schlusslicht - Duisburg sein. Zweifeln lässt auch, dass Brandmeyer Krefeld in einen Topf mit Gelsenkirchen und Duisburg wirft, alle drei im Ruhrgebiet verortet. Skeptisch werden muss man zudem bei der Zahl der Befragten: 5003 Deutsche haben teilgenommen. Laut Peter Pirck von Brandmeyer ist dies ein repräsentativer Wert. "Wir haben damit eine gute Basis für die betrachtete Grundgesamtheit." Die befragten Deutschen würden verteilt über das ganze Bundesgebiet wohnen, alle Ortsgrößen seien vertreten. Die Befragten hätten online beantwortet.

Schwerindustrie bei Siempelkamp (l.) und Natur pur im Hülser Bruch liegen in Krefeld nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Stadt wird allerdings bundesweit als Ruhrgebietsstadt wahrgenommen. FOTO: Nein

Doch Statistiker der Hochschule Niederrhein, von unserer Zeitung zur Studie befragt, werten die Auswahl kritisch. Zwar könnten 5003 Personen eine repräsentative Auswahl etwa bei einer Wahlumfrage sein. Problematisch aber sei, dass bei den 5003 für die Brandmeyer-Studie Befragten nicht klar ist, ob sie Krefeld überhaupt kennen. Peter Pirck betont, dass es im Report um das Image einer Stadt gehe. "Als Markenberater interessiert uns besonders, wie Städte in den Augen der Bevölkerung subjektiv wahrgenommen werden. Bislang gab es nur faktenbasierte Rankings." Der Brandmeyer-Report betont, dass die Platzierungen im Stadtmarken-Monitor ausdrücklich nicht widerspiegeln, wie stark die Städte in den verschiedenen Bereichen objektiv sind, sondern wie sie durch die Bevölkerung subjektiv wahrgenommen werden. Die Kernergebnisse der Studie für das Bundesgebiet im Überblick: München, 2010 noch Sieger, verlor im Jahr 2015 den ersten Platz an Hamburg. Köln rückt vom fünften auf den dritten Rang vor. Außerdem werden die Ruhrgebietsstädte - (und dazu zählt Brandmeyer auch Krefeld!) - als schwächelnd wahrgenommen.

Erhellend ist die Umfrage besonders in einem Punkt. Auf S. 144 in der Studie werden die 5003 Deutschen befragt, von welcher Stadt sie "ein klares Bild" vor Augen haben. Ergebnis: Krefeld landet hier auf dem 50. Rang. Im Klartext: Von Krefeld wissen die Befragten also am allerwenigsten aller 50 deutschen Städte. Bei den einzelnen Unterpunkten der Umfrage muss also diese Ausgangslage immer mitbedacht werden, wenn die Befragten sich zu Krefeld äußern sollen.

Als Gesamtergebnis bewertet der Brandmeyer-Report die Markenstärke. Mit den Sätzen "XY finde ich rundum sympathisch", "XY ist einzigartig" oder "XY ist ein tolles Ziel für eine Städtereise" sollten die Befragten einzelnen Städten Punkte geben - für Krefeld stimmten diesen Sätzen nur sehr wenige der Befragten zu. 4,6 Punkte konnte Krefeld im Markenranking insgesamt erreichen. Der Spitzenreiter Hamburg schaffte 7,6 Punkte.

In der Folge mussten die Befragten zu einzelnen Unterpunkten antworten. Zu beantworten war die Frage, ob die Deutschen Krefeld "rundum sympathisch" finden. Krefeld holte hier nur 5,0 Punkte - der 48. Rang. Es fehlt offenbar eine imageträchtige Markenbotschaft für Krefeld. Jungen Leuten ist Krefeld dabei sympathischer (43. Rang) als denen ab 50 (48. Rang). Auch als Wohnstadt landet Krefeld nur auf dem 48. Rang. Zu beantworten war auch die Frage, ob es gute Gründe gibt, in Krefeld zu wohnen - wiederum auf einer Skala von 1 ("Stimme überhaupt nicht zu") bis 10 ("Stimme voll und ganz zu"). 4,5 Punkte holte Krefeld hier - und wieder bewerten die unter 29-Jährigen Krefeld etwas besser als die älteren.

Auffällig: Bei der Frage nach dem "guten Ruf" kann Krefeld bei älteren (39. Rang für Krefeld) mehr punkten als bei jüngeren unter 29 (46. Rang). Bei der Frage nach der Einzigartigkeit landete Krefeld auf dem 49. Rang, dahinter nur noch Duisburg.

Sehr schlecht schneidet Krefeld bei der "Zuzugsbereitschaft" ab - die Frage lautet hier, ob man sich vorstellen könne, nach Krefeld zu ziehen: Krefeld landet hier auf dem 50. Rang - nur 2,9 Punkte. Spitzenreiter ist hier Hamburg (5,9 Punkte). Auch hier können sich junge Leute eher vorstellen, nach Krefeld zu ziehen als ältere. Auch für eine Städtereise würden Krefeld nur wenige empfehlen (48. Rang).

Interessant wird es bei der "zukünftigen Entwicklung" - immerhin mit 5,5 Punkten (44. Rang) wird die Entwicklungschance Krefelds positiv gesehen. Beim Thema Wirtschaftsstärke landet Krefeld auf dem 43. Rang, bei der Frage "attraktive Innenstadt auf dem 47. Rang, beim "schönen Stadtbild" auf dem 44. Rang, in der Kategorie "sauber und sicher" auf dem 41. Rang.

Was kann Krefeld jetzt tun, wie soll sich die Stadt positionieren? Pirck kann keine Generallösungen bieten: "Grundsätzlich ist dies eine Sache von Stadtentwicklung und Stadtmarketing. Weit vorne im Ranking stehen Städte, die attraktiv sind und ihre Stärken auch gut vermitteln. Positive Beispiele gibt es einige: Hamburg, München, Köln oder Berlin um Metropolen zu nennen. Freiburg, Lübeck und Münster um ,kleinere' Städte zu nennen."

Letztlich sollten die Städte, die schlecht abschnitten, aus der Befragung Konsequenzen für den Markenauftritt ziehen, so Pirck. Er sieht den Markenmonitor als "wertvolle Anregung". Wer schlecht abschneide, habe eben ein Imageproblem.

Quelle: RP
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