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Krefeld
Starker Anstieg bei Atemwegserkrankungen

Krefeld: Starker Anstieg bei Atemwegserkrankungen
Die Tabelle zeigt die Trends bei den Erkrankungen; der größte Anstieg ist bei Erkrankungen im Atmungssystem mit einem Plus von 32 Prozent bei den Fehltagen. FOTO: Dak
Krefeld. Der neue DAK-Gesundheitsreport verzeichnet einige Besonderheiten: Der Krankenstand ist gestiegen, Frauen melden sich öfters krank als Männer; wichtigste Ursachen für Fehltage sind Erkrankungen des Skeletts und der Psyche. Von Jens Voss

Allein bei den Atemwegserkrankungen verzeichnet der neue Gesundheitsreport der DAK für 2015 einen Anstieg von mehr als 32,2 Prozent bei den Fehltagen je 100 Versicherte gegenüber dem Vorjahr. Die Ursachen sehen die Experten in höherer Allergie-Anfälligkeit und Umwelteinflüssen wie Feinstaub. Der neue Report, den gestern DAK-Sprecher Holger Heynckes und Dr. Helmut Eich, Psychiater und Chefarzt im Alexianer Krankenhaus, vorstellten, bezieht sich auf die Daten von 70.000 DAK-Versicherten in den Bezirken Krefeld und Mönchengladbach - davon 20.000 in Krefeld.

Generell ist der Krankenstand in Krefeld 2015 leicht gestiegen - um 0,1 Prozentpunkte zu. Die meisten Ausfalltage erfolgten aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Diese Diagnose war Ursache für mehr als jeden fünften Fehltag (21,5 Prozent). Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände kamen mit 21,1 Prozent auf Platz 2 - ein leichter Anstieg.

Die Tabelle zeigt Art und Häufigkeit der Erkrankungen am Niederrhein; bezogen auf rund 70.000 DAK-Versicherte im Raum Krefeld-Mönchengladbach. FOTO: Dak

Eine Ursache für die Spitzenwerte bei den psychischen Erkrankungen sieht Chefarzt Eich darin, dass heute Begriffe wie Depressionen oder Burnout "gesellschaftlich anerkannt" werden; zugleich plädiert er für eine ganzheitliche Sicht von Körper und Seele: Psychische Belastungen in der Arbeitswelt könnten physische Erkrankungen nach sich ziehen. Indiz für höhere Belastungen in der Berufswelt: Beschäftigte nähmen mehr Psychopharmaka wie leistungssteigernde Präparate, wenn sie an ihre Grenzen stießen, erläuterte Eich - für ihn ein bedenklicher Trend, weil so die krankmachenden Ursachen eines Lebensstils verwischt werden.

Frauen am Niederrhein haben laut DAK-Analyse 29 Prozent mehr Fehltage als Männer. Männer leiden mehr an Herz-Kreislauferkrankungen als Frauen: Männer weisen in diesem Bereich 73 Prozent mehr Fehltage auf Frauen. Frauen wiederum haben deutlich öfters als Männer psychische Probleme: Sie weisen auf diesem Feld doppelt so viele Fehltage auf wie Männer.

Bei den Krebsleiden weisen Frauen sogar 214 Prozent mehr Fehltage auf als Männer. Dieser Abstand ist durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt, so die DAK. "Betroffene Frauen stehen oft noch voll im Erwerbsleben", erklärt Heynckes.

Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf - meist ab etwa 60 Jahren. "Diese Krebsfälle bei den Männern werden von unserer Statistik, die sich ausschließlich auf Erwerbstätige bezieht, nicht mehr erfasst", so Heynckes. Grundsätzlich sei das Krebsrisiko bei Männern und Frauen gleich. Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich häufiger als Männer krank zur Arbeit. Experten sprechen vom "Präsentismus", von dem Hang, am Arbeitsplatz präsent zu sein: 65 Prozent der Frauen waren 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern 60 Prozent. Frauen gaben als Hauptgrund an, dass sie ihre Kollegen nicht hängenlassen wollten (87 Prozent) und ihre Arbeit fertigstellen müssten (66 Prozent). Bei den Männern hingegen spielt die Rücksicht auf Kollegen eine geringere Rolle: Nur 78 Prozent gaben an, die Kollegen nicht hängenlassen zu wollen; den pragmatischen Grund, Arbeit vollenden zu müssen, gaben 74 Prozent an - dieses Motiv spielt also bei Männern eine größere Rolle als bei Frauen.

Wenn ihre Kinder krank sind, melden sich viele Mütter selbst krank. Rund ein Drittel der Frauen sagte in der Befragung, dass sie manchmal so vorgehen müssten, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Bei den Männern sagen das nur 18,7 Prozent. Demnach tragen Frauen noch immer einen deutlich größeren Anteil an der Betreuung kranker Kinder als Männer.

Auffällig: Am Niederrhein leiden mehr Frauen an psychischen Erkrankungen (436 Fehltage je 100 Versicherte) als im Landesschnitt (347 Fehltage). Alexianer-Chefarzt Eich vermutet als eine Ursache, dass am Niederrhein noch ein traditionelleres Frauenbild wirksam ist: "Frauen haben deutlich mehr mit Doppelbelastungen zu tun; gerade am Niederrhein ist vielleicht das traditionelle Frauenbild, wonach sich die Frau mehr um Haushalt und Kinder kümmert, verbreitet; die berufliche Belastung kommt aber eben dazu."

Quelle: RP
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