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Krefeld
Stefan Waghubingers subtile Pointen zur Steuererklärung

Krefeld. Stefan Waghubinger eröffnete die Kabarett-Saison in der Kufa. Dass der Vorverkauf nur für den kleinen Saal gereicht hatte, bekam dem Abend atmosphärisch ausgezeichnet. Erweckte Waghubinger früher vor allem den Eindruck, gelangweilt zu sein, so hat er daraus längst eine sich zwar schleppend gebende, aber ausgesprochen pfiffige Vortragsweise entwickelt. Die Abgeklärtheit des Lebenserfahrenen überlagerte sich mit der scheinbaren Hilflosigkeit des kindlich Fragenden - ein Spannungsfeld, in dem permanent originelle Gedanken und Wortwitz knisterten. Von Mojo Mendiola

Seit einem Monat arbeite er an seiner Steuererklärung, und dabei habe er noch nicht mal angefangen, legte er los und beschwerte sich, dass wegen ein paar Steuerbetrügern auch ehrliche Menschen wie er erwischt würden. Die einzig zuverlässige Konstante im Formular sei das Geburtsdatum, welches allerdings wie ein dehnbares Gummiband an das Lebensalter gekettet sei - bis es eben reiße. Und schon war er bei seinen Kindheitserinnerungen und merkte an, dass man heutzutage mehr Zukunft hinter sich habe, als man je vor sich gehabt hätte. Als seine geliebte Oma starb und man ihm sagte, sie sei nun dort ganz oben, wollte er unbedingt Raumfahrer werden. Und als seine leicht demente Mutter bei einem fiktiven Telefonanruf beim Sohn auf der Bühne "Raumschiff" und "Traumschiff" nicht auseinanderhalten konnte, war dies weit bedeutungsreicher als ein vordergründiger Kalauer. Bedauerlich fand er, dass bei allem Recycling niemand Interesse an der Weiterverwertung von Omas gebrauchter Lebensweisheit habe. Die moderne Sklaverei in der Bekleidungsindustrie und die Fallstricke der Political Correctness, insbesondere in der Kindererziehung, baute Waghubinger fast nebenbei und doch sehr plastisch zwischen weitere Anspielungen auf die Steuererklärung ein.

Regelrecht philosophisch wurde er nach der Pause beim Thema "Suchen" und stellte sinnfällige Parallelen her zwischen banalen Suchvorgängen wie dem nach dem abgestellten Auto, der nicht immer ratsamen Suche nach sich selbst und der nach den richtigen Antworten an die Ehefrau. Flottes Tempo und Gags für laute Lacher waren auch an diesem Abend seine Sache nicht, die subtilen Pointen aber packte er in seinem müden Tonfall so hinterhältig dicht, dass man Mühe hatte mitzuhalten.

Quelle: RP
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