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Krefeld
Steine sind vom alten jüdischen Friedhof

Krefeld: Steine sind vom alten jüdischen Friedhof
Diese Geburts- und Sterbedaten "geb. 15. Dez. 1827 - gest. 28. Dez. 1881" konnte die Denkmalbehörde nach Einsicht in die entsprechenden Register der ehemaligen Gemeinde Hüls im Krefelder Stadtarchiv dem jüdischen Bürger Gerson Davids zuordnen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Daten auf einem der inzwischen gesicherten Grabsteinreste aus dem Hülser Bruch konnten jetzt einem jüdischen Bürger aus Hüls zugeordnet werden. Darüber hinaus wurde ein Fragment mit einem hebräischen Buchstaben gefunden. Von Jochen Lenzen

Die Grabsteinteile und -fragmente, die jetzt von ihrer Fundstelle im Hülser Bruch auf den neuen jüdischen Friedhof an der Straße Am Strathhof transportiert wurden, stammen nach Überzeugung der Denkmalbehörden und der jüdischen Gemeinden Krefeld und Nordrhein vom alten jüdischen Friedhof hinter der Klever Straße in der Hülser Ortsmitte. Gestern erläuterten Eva-Maria Eifert und Gerhard Hanisch vom Denkmalamt sowie Michael Gilad, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Krefeld, diese Erkenntnis.

Auf einem Grabsteinrest haben sich die Geburts- und Sterbedaten 15. Dez. 1827 und 28. Dez. 1881 gefunden. Nach Sichtung des Geburten- und Sterberegisters Hüls sind die Daten dem jüdischen Bürger Gerson Davids zuzuordnen, sagte Hanisch und erklärte, dass Gerson für "Sohn des Moses" steht. Darüber hinaus zeigte Gilad ein Fragment mit dem hebräischen Buchstaben für "ch", das ebenfalls von der Fundstelle im Bruch - einem Privatgrundstück - stammt.

Neben diesen Hinweisen auf die Herkunft der Grabsteinreste fanden sich auf zwei anderen Steinteilen der Schriftzug des jüdischen Steinmetzes "Wolf, Crefeld", der an der Krefelder Südstraße ansässig war, sowie das Sterbedatum 20. Juli 1881, über das man aber keinen jüdischen Bürger aus Hüls identifizieren konnte.

Michael Gilad zeigt das bisher einzige Fragment mit einem hebräischen Schriftzeichen (links) von der Fundstelle im Hülser Bruch. Die Gravierung am oberen rechten Rand des Steins könnte der Rest eines Ornaments sein. FOTO: lez

Wann und wie die Grabsteine vom alten jüdischen Friedhof ins Hülser Bruch gelangten, habe bisher nicht festgestellt werden können, erklärte Eva-Maria Eifert. Aussagen von Hülser Bürgern, sie seien im Dritten Reich abgeräumt worden, und auch nach dem Zweiten Weltkrieg seien noch Grabsteine entfernt worden, seien nicht überprüfbar. Sie wies auch darauf hin, dass es an der Duisburger Straße in Uerdingen ebenfalls einen jüdischen Friedhof gegeben habe, von dem auch Grabsteine entfernt worden seien. "Wir wissen aber nichts über den Verbleib dieser Steine", ergänzte Hanisch.

Die Verwaltung war, wie berichtet, in diesem Frühjahr auf die Grabsteinfragmente im Hülser Bruch aufmerksam gemacht worden. Nach einem Ortstermin im Juni wurden die Fragmente für weitere Untersuchungen im Laufe dieses Monats vorsorglich auf den neuen jüdischen Friedhof gebracht. Dort sollen sie vorläufig auch bleiben, bis sich ein würdiger Ort - eventuell eine Gedenkstätte auf dem alten jüdischen Friedhof in Hüls - für den ständigen Verbleib der Grabsteinreste findet.

Der alte jüdische Friedhof lag bekanntlich hinter der Bebauung Klever Straße 46-50 und war nur durch eines dieser Häuser zugänglich. Nachdem dieser Friedhof fast vollständig belegt war, erwarb die jüdische Gemeinde Hüls 1891 die Fläche Am Strathhof und legte dort den neuen jüdischen Friedhof an. 2004 wurde er unter Denkmalschutz gestellt.

Eifert, Hanisch und Gilad hoffen jetzt, aus der Bürgerschaft Informationen über weitere aufgefundene Steine oder potenzielle Fundstellen sowie Fotos vom alten jüdischen Friedhof zu bekommen. Hinweise werden an die E-Mail-Adresse "www.nachrichten@krefeld.de" erbeten.

Quelle: RP
 
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