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Krefeld
Nach 21 Jahren: Rathaus wieder rot

Krefelds OB Frank Meyer (SPD) spricht über seine Pläne
Krefeld. 63,85 Prozent - mit deutlichem Vorsprung hat SPD-Kandidat Frank Meyer die Stichwahl gewonnen. Die CDU erlebt ein Debakel. Kandidat Peter Vermeulen kommt nur auf 36,15 Prozent. CDU-Parteichef Blondin: "Krachende Niederlage." Von Petra Diederichs, Sebastian Peters und Jens Voß

21 Jahre nach Willi Wahl hat Krefeld wieder einen SPD-Oberbürgermeister. SPD-Kandidat Frank Meyer holte bei der gestrigen Stichwahl 63,85 Prozent der Stimmen. Peter Vermeulen (CDU) kam nur auf 36,15 Prozent. Nach dem ersten Wahlgang konnte Frank Meyer (41 Jahre) somit sämtliche Stimmen seiner Mitbewerber auf seine Seite ziehen. Vermeulen (57) konnte das Ergebnis des ersten Wahlgangs nur um einen Prozentpunkt steigern. Die Wahlbeteiligung lag bei 36,71 Prozent, und damit etwas niedriger als beim Wahlgang am 13. September (38,48 Prozent).

Als um 19.13 Uhr das Ergebnis feststand, kam zur Überraschung vieler Genossen SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in die SPD-Parteizentrale am Südwall, lobte Meyers Wahlkampf. "Ich weiß, dass der Frank das gut gemacht hat, aber ich weiß auch, er konnte nur gewinnen, weil ihr so gut mitgeholfen habt." Meyer sprach erst kurz zu den Sozialdemokraten ("historischer Tag für die SPD"), fuhr dann ins Rathaus, wo er auf seinen Rivalen Peter Vermeulen traf. Der gratulierte fair.

Hannelore Kraft gratuliert Wahlsieger Meyer in Krefeld

Gelöste Stimmung bei der SPD, Krisenstimmung bei den Christdemokraten: Von einer "krachenden Niederlage" sprach der CDU-Vorsitzende Marc Blondin. Am Kandidaten Peter Vermeulen habe es nicht gelegen: "Wir haben eine Persönlichkeit von außen in die Politik geholt. Das ist nicht angenommen worden", erklärte Blondin. Ab dem heutigen Montag werde man fraktionsintern reden, analysieren, diskutieren, "damit so ein Ergebnis nur einmal passiert und nie wieder." Die Entscheidung, den Beigeordneten aus Mülheim ins Rennen zu schicken sei richtig gewesen und habe neue Perspektiven eröffnet: "Er hat nicht unsere Scheuklappen", betonte CDU-Fraktionschef Philibert Reuters. "Diese Stadt hätte eine Persönlichkeit mit Führungs- und Verwaltungsfähigkeit gebraucht." Er appellierte an die Fraktionsmitglieder, jetzt nicht in Grabenkämpfe zu verfallen. "Wir können in der Krefelder CDU keine Spaltungstendenzen gebrauchen." Die Politik der Christdemokraten müsse motiviert und einhellig sein. Dass sich die politische Arbeit durch einen SPD-Oberbürgermeister verändere, glaubt er nicht: "Wir haben eine heterogene Ratslandschaft. Es würde sich nur etwas ändern, wenn sich nun Leute zusammentäten, die vorher nichts zusammen gemacht haben."

Auch bei der SPD beginnt jetzt die Zeit eines personellen Umbruchs. Frank Meyer hat angekündigt, den SPD-Vorsitz abgeben zu wollen. Intern gelten insbesondere die zwei Stellvertreter, Ina Spanier-Oppernmann und Benedikt Winzen, als Kandidaten für die Nachfolge Meyers. Auch Meyers Zusammenarbeit zur Fraktion wird sich verändern. SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Ratsfraktion und der neue OB in vielen Fragen auf einer Linie sind.

Stichwahl 2015: Frank Meyer ist neuer Bürgermeister in Krefeld FOTO: Lammertz, Thomas

Erster Arbeitstag als Oberbürgermeister der Stadt Krefeld wird für den 41-jährigen Frank Meyer, seit 2009 Bürgermeister und seit 2014 Erster Bürgermeister der Stadt Krefeld, der 21. Oktober 2015 sein. Bis zum 20. Oktober führt noch Gregor Kathstede, der im Jahr 2004 erstmals zum Oberbürgermeister gewählt und 2009 wieder gewählt worden war, die "Amtsgeschäfte" im Krefelder Rathaus.

Der amtierende Oberbürgermeister Gregor Kathstede gratulierte Meyer am Abend im Rathaus persönlich und sagte unserer Redaktion: "Ich gratuliere meinem Nachfolger zu diesem ganz hervorragenden Ergebnis und wünsche ihm viel Glück und viel Kraft in dieser neuen Aufgabe. Für die CDU ist es ein Debakel. Die CDU wird genau überlegen müssen, warum die Leute uns nicht wählen und was wir tun müssen, damit sie uns wieder wählen. Wir haben alle Ratswahlbezirke verloren bis auf Traar-Verberg. Es hat nicht der Kandidat allein verloren; sondern eine ganze Partei."

Das waren die Aufreger der Bürgermeisterwahl 2015 FOTO: dpa, obe nic

Die wichtigsten Wahlergebnisse der Region im Überblick

 

Quelle: RP
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