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Krefeld
Stiftung warnt: Krefelder Bauschätze in Gefahr

Krefeld: Stiftung warnt: Krefelder Bauschätze in Gefahr
Damit will Krefeld im Bauhaus-Jubiläumsjahr punkten: die Häuser Esters und Lange an der Wilhelmshofallee. FOTO: T.L.
Krefeld. Die Krefelder Baudenkmal-Stiftung warnt die Stadt, notwendige Sanierungen von Baudenkmälern aufzuschieben: Bei Rennbahn, Haus Sollbrüggen und den Villen Esters und Lange dränge es. Von Petra Diederichs

Sie ist so etwas wie das Fünf-vor-Zwölf-Team. Das greift immer dann ein, wenn Gefahr im Verzug ist, weil es mit der Vorsorge nicht funktioniert hat: die Krefelder Baudenkmal-Stiftung, die sich vor genau 20 Jahren treuhänderisch unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet hat. Ihr Ziel: Krefeld dort zu helfen, wo private Initiative gefordert ist, um wichtige Kulturdenkmale für die Stadt zu erhalten. Denn die erfahren nicht immer den gebotenen pfleglichen Umgang, haben Vorstandsvorsitzender Klaus Reymann und seine Stiftungsmitglieder erfahren. Aktuelles Beispiel sind die von Bauhaus-Star Ludwig Mies van der Rohe errichteten Villen Esters und Lange: Im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 will Krefeld damit überregional glänzen. Doch bis dahin sind bekanntlich noch notwendige Sanierungsarbeiten zu erledigen. 1,047 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Zwei Drittel trägt das Land, ein Drittel muss Krefeld aufbringen: 349.000 Euro.

Die Zeit drängt, und in diese Lage hat sich die Stadt selbst gebracht: Die jetzt zu beseitigenden Schäden an den Fenstern, den Terrassen und den rostenden Stahlteilen seien über Jahre nicht in Schach gehalten worden, sagt Klaus Reymann: "Wir haben im Jahr 2000 ein 400-seitiges Instandhaltungskonzept erstellt, das der Stadt vorliegt. Darin ist genau dokumentiert, welche Gewerke bei der großen Sanierung tätig waren, und was jeweils zu pflegen ist. Darin haben wir pro Jahr einen Aufwand von etwa 60.000 bis 70.000 Euro veranschlagt. Doch die Stadt hat 15 Jahre nichts getan - also über eine Million Euro eingespart."

Sie kümmern sich um den Erhalt der Werte aus der Vergangenheit: die Mitglieder der Krefelder Baudenkmal-Stiftung. FOTO: L. Strücken

Die Stiftung hat die umfassende Sanierung der Villen von 1998 bis 2000 maßgeblich gefördert: 1,234 Millionen D-Mark hat sie dafür zur Verfügung gestellt - Spenden aus Bürgertum und Wirtschaft. Dort sei das Bewusstsein geweckt für die Zeugnisse der Stadtgeschichte. "Der frühere Reichtum unserer Stadt hat uns Bauwerke von außergewöhnlicher Qualität hinterlassen: Allein für die Zeitspanne von 1900 bis 1930 haben wir in Krefeld alle wichtigen Stile: Historismus, Neoklassizismus, Art Déco und Jugendstil, Biebricher mit seinen gediegenen Bauten für geordnete Verhältnisse und Mies und die Bauhaus-Schule", zählt Reymann auf. Bauzeugnisse aus einer spannenden, von Umwälzungen geprägten Zeit. Reymann: "In dieser Zeit verdichtete sich die Stadt: Von einer Wohnfläche von 45 Quadratmetern pro Person ging es auf 15 Quadratmeter pro Person. Das führte auch zu Auseinandersetzungen in der Architektur."

Und dabei, sagt Architekt Reymann, sei Krefeld nicht Spielfläche für Epigonen gewesen, sondern "hautnah an den Entwicklungen": Die Eisenbahnbrücken zum Beispiel: Die Brücke am Voltaplatz erinnere nicht von ungefähr an die Ästhetik, die Jugendstil-Papst Otto Wagner in den Stadtbahnstationen und Staustufen in Wien umgesetzt hat. "Und die Fliesen erinnern an die U-Bahnstationen in Paris".

14 Projekte hat die Baudenkmalstiftung bisher unterstützt, mit knapp zwei Millionen Euro. Erstes großes Projekt war die Sanierung der Krefelder Rennbahn, für die es viel überregionales Aufsehen und den Denkmalpreis gab. Allein dafür stellte die Stiftung 1,9 Millionen D-Mark bereit. "Die Beiträge der Stiftung ergänzen staatliche Förderungen, sie können diese nicht ersetzen, sollen jedoch Voraussetzung für Zuschüsse schaffen", heißt es in der Satzung.

Seit das Land sich aus der Denkmalpflege zurückgezogen hat, sind Bundesgelder wichtig. Aber auch die Stadt ist gefragt. "Krefeld war in seinen reichen Zeiten eine gestaltete Stadt. Das Umfeld formt den Menschen. Ohne Gestaltung stirbt alles ab", sagt Reymann.

Für die Häuser Esters und Lange sieht Reymann dringenden Handlungsbedarf: "Sie sind in aller Welt ein Begriff. Ich habe etwa 140 Führungen zur Architektur gemacht, zu der Studenten aus allen Ländern kommen. In den Häusern muss ein Raum als Forschungsstelle eingerichtet werden mit den gesamten Unterlagen, der für Studenten zu bestimmten Zeiten geöffnet ist."

Quelle: RP
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