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Krefeld
Stoffe erzählen die Geschichte der Firma und Familie Gotzes

Krefeld. Ab Sonntag zeigt das Haus der Seidenkultur die Ausstellung "Ein Koffer Samt und Seide". Dabei kommen neue Erkenntnisse ans Licht. Von Isabel Mankas-Fuest

Es sind Stoffe, die Geschichte schreiben. Vor drei Jahren stiftete die amerikanische Urenkelin von Hubert Gotzes aus Charlotte dem Haus der Seidenkultur einen Koffer mit wertvollen Dokumenten und Stoffproben. Ab Sonntag sind sie in der Ausstellung "Ein Koffer Samt und Seide" zu sehen. Neue Erkenntnisse um die bewegte Geschichte der Krefelder Familie und Firma Hubert Gotzes kommen ans Licht.

Schon früh streckte der Krefelder Unternehmer Hubert Gotzes seine Fühler nach Amerika aus. Die Geschäfte der 1908 gegründeten Paramentenweberei liefen gut und die Weberei fertigte nicht nur Paramente für den deutschen Markt, sondern auch für das Ausland, insbesondere die USA. Somit lag die Eröffnung einer Dependance in Übersee für Gotzes auf der Hand. Doch als die Geschäfte dort nicht so rund liefen, schickte Gotzes seinen Sohn, Hubert Gotzes jun., zu Beginn des Ersten Weltkriegs nach Chicago.

Diese Erkenntnis, so Kuratorin Ulrike Denter, ist neu. Denn bisher war man im Haus der Seidenkultur davon ausgegangen, dass Gotzes jun. die Chicagoer Dependance eigenhändig gegründet hat. Von der Existenz zweier Mittelsmännern, die das Amerikageschäft überwachten, weiß man erst seit dem Besuch von Jane Gotzes-Golz im Sommer 2013. Während ihrer Europareise besuchte die Enkelin von Hubert Gotzes jun. die ehemalige Paramentenweberei und überbrachte einen Koffer mit kostbaren Stoffproben, Mustervorlagen und Briefen der Firma Hubert Gotzes Inc. aus Chicago.

Die Ausstellung ist eine Zeitreise. Von Schwarzweiß-Fotografien der Hochzeit von Jane Gotzes Golz Eltern, Hubert Richard Gotzes (Sohn von Hubert Gotzes jun.) und Jane Lawson 1957 über Stoffproben aus dem 18. Jahrhundert und kostbare Paramente, die den Mustern der Krefelder Paramentenweberei sehr ähneln, bis zu Originalkatalogen, in denen Messgewänder, Altartücher und andere Textilien für den Kirchenraum zum Verkauf angeboten wurden.

In der Regel wurden die in Krefeld gewebten Samte, Brokate und Seidenstoffe erst vor Ort und nach den Vorgaben der amerikanischen Kunden zu Paramenten verarbeitet. Anhand der Exponate und Korrespondenz wird deutlich, dass die Firma auch vollständige Kircheneinrichtungen verkaufte.

Die Ausstellung startet am Sonntag, 19. Juni, 13 Uhr. Um 14 Uhr findet eine Führung mit der Kuratorin Ulrike Deuter statt. Anmeldung unter www.seidenkultur.de

Quelle: RP
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