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Krefeld
Streikfolgen für die Stadt glimpflich

Streik-Folgen 2018 des öffentliches Nahverkehrs für Krefeld glimpflich
Demonstrationszug über den Ostwall - ein Megafonspruch lautete: "Wir sind hier, wir sind laut/ Weil man uns die Kohle klaut". FOTO: vo
Krefeld. Die Folgen des Streiks für das öffentliche Leben hielten sich in Grenzen; vor allem Bus und Bahn sowie Kitas konnten die Arbeitsniederlegungen abfedern. Wegen Streiks in Düsseldorf ist heute mit Störungen bei U70 und U76 zu rechnen. Von Joachim Niessen und Jens Voss

Trotz der Warnstreiks im öffentlichen Dienst ist gestern der Betrieb im Personennahverkehr, bei den Kitas, in den städtischen Seniorenheimen sowie bei der Sparkasse weitgehend reibungslos verlaufen. Die Gewerkschaften Verdi und GEW haben mit einem Demonstrationszug durch die Stadt und einer Kundgebung vor dem Rathaus ihre Forderungen nach sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro im Monat, bekräftigt. Die Stadtwerke zeigten sich erleichtert, dass der Busersatzverkehr für die Straßenbahnlinien 41 bis 44 gut funktioniert habe. "Wir haben alles gut abgefedert", resümierte gestern ein SWK-Sprecher auf Anfrage; zudem hätten sich die Leute teils auf den Streik eingestellt und seien auf das Fahrrad oder andere Verkehrsmittel umgestiegen.

Die Gewerkschaften Verdi und GEW haben für ihre Forderungen mit einem Protestzug über den Ostwall und einer Kundgebung vor dem Rathaus demonstriert. Bei der Kundgebung auf dem Von-der-Leyen-Platz bekräftigte Petra Demuth, Betriebsratsvorsitzende der Städtischen Seniorenheime und Vertreterin für 430 Mitarbeiter, die Kampfbereitschaft der Gewerkschaften: "Das ist eine klare Kampfansage, das ist erst der Anfang", sagte sie.

Eigentlich sollte eine Straßenbahn kommen - gestern kamen Busse: Die Haltestelle Uerdinger- / Roonstraße; die Anzeigetafel warnt vor Einschränkungen des Linienverkehrs. FOTO: vo

Heribert Boosen, Gesamtpersonalratsvorsitzender der Stadtverwaltung, erklärte unter dem Beifall der rund 300 Demonstranten: "Sechs Prozent - dafür muss man sich nicht schämen." Er begründete die Höhe der Forderung auch damit, dass der öffentliche Dienst massive Nachwuchsprobleme habe: "Alles soll attraktiver werden - dann muss man auch erklären, wie man das ohne Geld erreichen will." Löhne und Gehälter in der Wirtschaft, aber auch in anderen Städten sind demnach besser: "Wir hinken hinterher, was die Gleichstellung der Lohnpolitik angeht", sagte Boosen. Auch Mehmet Karaca, Verdi-Sprecher der SWK Mobil, beklagte niedrige Löhne bei hoher Belastung: "Wir verdienen weniger als 2500 Euro brutto, und das bei Wechsel- und Nachtschicht und hoher Verantwortung für die Menschen, die wir fahren", sagte er. Es sei eine "große Sauerei", dass die Arbeitgeber bislang nicht einmal ein Angebot vorgelegt hätten. Bei den Kitas blieb die Lage trotz der Arbeitsniederlegungen relativ entspannt. In der Kita Am Kinderhort konnte der frühmorgendliche Andrang reibungslos bewältigt werden, ergab eine Nachfrage. Eine Notgruppe wurde eingerichtet, 15 Kinder kamen und wurden betreut. Ihre Eltern hatten keinen privaten Alternativ-Unterschlupf für den Nachwuchs gefunden. Während sich die Kids bei noch recht frostigen Außentemperaturen die Jacken auszogen und ins warme Spielzimmer stürmten, brachen drei ihrer Erzieherinnen zur Demo auf. "Die Kolleginnen sind zum Rathaus, um dort an der Großveranstaltung teilzunehmen, zu der Verdi eingeladen hatte", so eine Mitarbeiterin der Einrichtung. Die Lage in der Kita war auch tagsüber entspannt. "Die meisten Eltern haben sich frühzeitig auf die Situation eingestellt und ihre Kinder erst gar nicht gebracht."

Entspannt war die Lage nach Auskunft der Stadt auch in zwölf weiteren Einrichtungen, die vom Streik betroffen waren. "Unser Notfallplan hat insgesamt funktioniert", so Stadtsprecherin Angelika Peters. Es musste keine Einrichtung geschlossen werden, überall waren Notgruppen eingerichtet worden. Peters: "Kein Kind ist in Krefeld unbetreut geblieben."

Mit Trillerpfeifen machten Demonstranten bei der Kundgebung vor dem Rathaus auf ihr Anliegen aufmerksam. FOTO: T.L.

Unbemerkt für die Kunden ist der Streik bei der Sparkasse abgelaufen. "Es hat natürlich Kollegen gegeben, die ihr Streikrecht wahrgenommen haben und zur Verdi-Veranstaltung vor dem Rathaus gegangen sind. Das ist ihr gutes Recht", sagte Sparkassensprecher Thomas Loyen. Trotzdem konnten sämtliche Filialen des Geldinstituts gestern Morgen pünktlich öffnen, alle Kunden wurden ohne besondere Verzögerungen bedient. Loyen betonte weiter: "Wir sind auf solche Fälle vorbereitet und stehen im ständigen Austausch mit den Filial- und Abteilungsleitern. Es gibt außerdem einen Pool von flexibel einsetzbaren Mitarbeitern, aus dem wir uns in solchen Situationen bedienen. Alles hat problemlos funktioniert."

Quelle: RP
 
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