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Krefeld
Streit um Müllverbrennung Weisweiler: Stadt setzt sich durch

Krefeld: Streit um Müllverbrennung Weisweiler: Stadt setzt sich durch
Die nähere Zukunft der Müllverbrennungsanlage Weisweiler, die zur Hälfte letztlich der Stadt Krefeld gehört, ist geklärt: Bis Ende des Jahres 2020 betreibt RWE die Anlage, danach soll sie von den Gesellschaftern EGN und AWA in Eigenbetrieb geführt werden. FOTO: KA
Krefeld. Der Konflikt zwischen EGN und AWA fordert Opfer: Ulrich Koch, Geschäftsführer der MVA Weisweiler, muss seinen Hut nehmen. Die EGN hat bereits einen Kandidaten für seine Nachfolge nominiert. Von Norbert Stirken

Im Jahre währenden Streit um die Zukunft der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Weisweiler hat Krefeld einen Etappensieg erreicht: Die Stadt ist über ihre Töchter Stadtwerke (SWK) und Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) Miteigentümerin der MVA. Die EGN hält als Gesellschafter 50 Prozent, die zweite Hälfte teilen sich der Kreis Düren, die Stadtregion und die Stadt Aachen als Inhaber der AWA Entsorgungs GmbH.

Die Stadt Krefeld hat vor allem Zeit gewonnen. Die Kompromisslösung sieht vor, dass der Umbau der Müllverbrennungsanlage in ein Müllheizkraftwerk frühestens im Jahr 2021 erfolgen soll. Bis dahin wird RWE Power den technischen Betrieb der MVA gegen ein Entgelt übernehmen und mit der Energie aus der Müllverbrennung eine Turbine betreiben, um Strom zu erzeugen.

Reinhard Van Vlodrop, Geschäftsführer der EGN. FOTO: PK

EGN-Geschäftsführer Reinhard Van Vlodrop erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass dieses seit 1997 praktizierte Modell für die Gesellschafter ohne wirtschaftliches Risiko betrieben werden könne. Das neue Vertragspaket mit RWE sei zu "verbesserten Konditionen" abgeschlossen worden. In Summe werde die Müllverbrennungsanlage für die Eigentümer damit wirtschaftlicher. In den Kontrakten gehe es unter anderem um die Energieauskopplung und die Personalgestellung.

Die Eigentümer hätten nun ausreichend Zeit, um den aus Aachen und Düren vorgeschlagenen Weg in einem geordneten Verfahren einzuschlagen. Demnach sollen die MVA in Weisweiler im Eigenbetrieb geführt werden und die Aachener Stadtwerke als Hauptkunde ins Geschäft einsteigen und jährlich für kolportierte 7,5 Millionen Euro Fernwärme abnehmen. Die Politik aus Aachen und Düren sieht in diesem Angebot die Chance, künftig die Abfallgebühren in ihrem Verantwortungsbereich zu senken.

Ganz ohne personellen Aderlass verlief die Suche nach dem Kompromiss nicht: Ulrich Koch, Geschäftsführer der MVA Weisweiler, muss seinen Hut nehmen. Über die Gründe ist Stillschweigen vereinbart. Gemutmaßt wird, dass der 62-Jährige als gleichzeitiger Geschäftsführer der AWA und der MVA in einem Interessenkonflikt steckte. "Zwischen den Gesellschaftern ist vereinbart, dass die Stelle des kaufmännischen Geschäftsführers neu besetzt werden soll", berichtete Van Vlodrop auf Nachfrage unserer Redaktion. Es gebe bereits einen Kandidaten vonseiten der EGN, ergänzte er.

Krefeld und die EGN haben sich gegen eine Hals-über-Kopf-Aktion gewehrt. Immerhin verlangt die Umstellung auf Eigenbetrieb der MVA Weisweiler nach Medienberichten aus Aachen eine Investition in der Größenordnung von 40 Millionen Euro. Darüber hinaus drohten Rechtsstreitigkeiten mit unsicherem Ausgang, falls der neue Weg ohne Absprache mit RWE eingeschlagen worden wäre - dieses Risiko scheint für die nächsten fünf Jahre abgewehrt.

Quelle: RP
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