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Krefeld
Strohpuppen grüßen als Hochzeitspaar

Krefeld: Strohpuppen grüßen als Hochzeitspaar
Sie haben einen Stock verschluckt und lächeln trotzdem freundlich: Die Strohpuppen im Vorgarten von Familie Hackbeil werden von Stahlstangen gehalten. Britta Hackbeil und Johannes Paßens freuen sich über die Überraschung. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Ein ungewohntes Bild lockt derzeit viele Neugierige an die Asberger Straße in Uerdingen. Zur Hochzeit von Tochter Britta Hackbeil überraschten Eltern und Nachbarn das Brautpaar mit rund fünf Meter großen Strohpuppen. Von Bärbel Kleinelsen

Schon von weitem sind sie zu sehen: Zwei fünf Meter große Strohpuppen, die im Vorgarten von Familie Hackbeil an der Asberger Straße in Uerdingen stehen. Braut und Bräutigam halten sich lächelnd an den Händen. Damit ist es amtlich: Britta Hackbeil und ihr Freund Johannes Paßens heiraten. Heute ist Polterabend. Und es dürfte wohl kaum einen Gast geben, der diesen Wink mit dem Zaunpfahl, pardon mit den Strohpuppen, übersehen wird.

"Uns ist Brauchtum wichtig. Meine Frau und ich kommen beide aus ländlichen Gegenden, wo es üblich ist, zu besonderen Anlässen das Haus zu schmücken oder eben Strohpuppen aufzustellen", erklärt Brautvater Michael Hackbeil. Auch Bräutigam Johannes Paßens kennt diese lustigen Strohmänner - und natürlich auch -frauen - aus seiner Heimat Kapellen bei Geldern. "In Krefeld vermissen wir dieses Brauchtum. Vielleicht kennen sich die Leute in einer so großen Stadt einfach zu wenig, um sich gegenseitig die Häuser zu kränzen", überlegt der Brautvater. Der 54-jährige Elektroinstallateur hat schon öfter Freunde in seiner alten Heimat im Ruhrtal mit Strohpuppen überrascht. In Krefeld ist es jedoch Premiere. "Man braucht natürlich auch entsprechend Platz, um die mindestens 4,50 Meter hohen Puppen aufzustellen. Wer hat hier schon einen so großen Vorgarten."

Das Brautpaar ahnte Mittwoch noch nichts von der Überraschung. Sie wussten nur, dass Gäste kommen würden und der Grill angeschmissen werden soll. "Als ich den Trecker mit Frontlader habe kommen sehen, war mir klar, was meine Eltern planen", sagt Tochter Britta und schmunzelt. Schließlich war sie häufig dabei, wenn die Eltern für Freunde auf dem Land Strohpuppen aufstellten. Um die 240 Kilo wiegt allein einer der Ballen. Ohne die Unterstützung eines Landwirts aus der Nachbarschaft hätte Familie Hackbeil das Unternehmen nicht stemmen können. Der Bauer kam mit dem Traktor und stellte auch die Scheune zur Verfügung, in der die Ballen zuvor in festliche Folie gehüllt wurden. Rund 30 Nachbarn und Freunde arbeiteten einen Nachmittag lang an der Optik. "Es war Arbeit, aber es hat auch ganz viel Spaß gemacht", sagt Brautmutter Andrea Hackbeil.

Dicke Stahlstangen halten die Strohpuppen aufrecht. "Da fällt nichts um", beruhigt Experte Hackbeil. Fünf Feuerlöscher stehen außerdem für den Notfall parat. Sollten die Puppen den festlichen Rummel überstehen, werden sie noch einmal umziehen und den Hof des benachbarten Landwirts schmücken. Dort werden sie dann - in frische Folie gehüllt - auf Halloween aufmerksam machen.

Doch bis zur kirchlichen Hochzeit am 5. September bleiben die Stroh-Riesen auf jeden Fall bei Familie Hackbeil. Abends werden die Puppen sogar von Halogenscheinwerfern angestrahlt. Die ungewohnte Optik nahe der Müllverbrennungsanlage lockt seit Donnerstag unzählige Interessierte in die ansonsten eher stille Straße. "Manche fragen, ob sie fotografieren dürfen, andere machen es einfach, viele bleiben stehen und gucken", erzählt Michael Hackbeil. Und fügt hinzu: "Wir hätten niemals damit gerechnet, dass unsere Aktion für so viel Aufsehen sorgt."

Der Brautvater kann zufrieden sein. Die erste Überraschung ist gelungen. Die zweite kam dann gestern nachmittag - in Form eines Autokrans, der auf das Feld neben dem Garten fuhr. An dem Kran baumelte ein richtiges Zirkuszelt.

Quelle: RP
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