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Krefeld
Studentin rettet Frau vor brutalen Schlägern

Krefeld: Studentin rettet Frau vor brutalen Schlägern
Natasche Vallas griff beherzt ein und rettete eine bereits blutüberströmte junge Frau vor ihren Peinigern. FOTO: Nein
Krefeld. Natascha Vallas wurde vom Auto aus Zeuge, wie zwei Männer eine blutüberströmte Frau brutal zusammenschlugen; sie griff ein und rettete das Opfer. Sie und elf andere wurden am Montag im Rathaus für Zivilcourage geehrt. Von Carola Puvogel

Natascha Vallas ist mit dem Auto auf dem Heimweg von der Uni, als sie an der Oppumer Straße Zeugin einer brutalen Prügelattacke wird. Im Vorbeifahren sieht die 34-Jährige, wie eine bereits blutüberströmte junge Frau von zwei Männern misshandelt wird und in ein Haus gezerrt werden soll. "Mein erster Gedanke war, 'Das geht ja mal gar nicht'", erzählt Vallas. Kurzentschlossen bremst sie ab, legt den Rückwärtsgang ein, fährt zurück und drückt dabei immer und immer wieder auf die Hupe. "Ich dachte, wenn ich ganz viel Krach mache, lassen die vielleicht von ihr ab." Der Plan geht auf. Auf Höhe des Tatorts hält Vallas an, öffnet die Beifahrertür - und tatsächlich kann sich das Opfer vor den verdutzten Peinigern blutüberströmt ins Auto retten. Natascha Vallas ruft die Polizei, die innerhalb von Minuten zur Stelle ist und die beiden Täter stellen kann.

Was aus der jungen Frau geworden ist, weiß die Helferin nicht - und macht sich Sorgen: "Sie konnte kaum Deutsch, hat aber sagen können, dass die Männer ihre Papiere gestohlen hätten. Wahrscheinlich irgendwas mit Zwangsprostitution. Das macht mich schon sehr traurig."

Ein nachdenklicher Moment an diesem Nachmittag, an dem Vallas und elf andere Krefelder für ihre Zivilcourage von Oberbürgermeister Frank Meyer und Polizeipräsident Rainer Furth geehrt worden sind. "Wegducken wäre bequemer", sagte Meyer und lobte die Krefelder dafür, dass sie bei ihren mutigen Einsätzen stattdessen sogar ein Risiko in Kauf genommen hätten, selber geschädigt zu werden. Ihre Geschichten:

Mann vor Selbstmord gerettet

Horst Siebert ist ein Beispiel für den von Meyer gelobten Mut. Der 61-Jährige rettete einen lebensmüden Mann von den Bahngleisen. "Ich bin abends noch mal mit dem Hund rausgegangen. Wir wohnen parallel zur Bahn in Forstwald", erzählt er. "Die Schranken am Übergang Degensweg waren runter. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass jemand hinter der Schranke auf den Gleisen stand." Unverzüglich sprach er den Mann an und forderte ihn auf, von den Schienen herunter zu kommen. "Aber er wollte nicht, sagte, ich hätte ihm gar nichts zu sagen", erinnert sich Siebert. "Dabei blieb er mit dem Rücken zu mir stehen. Also entschloss ich mich, ihn von den Gleisen zu zerren, packte ihn von hinten am Hosenbund und brachte ihn in Sicherheit." Anwohner riefen Krankenwagen und Polizei, kümmerten sich um den 72-Jährigen. "Er wirkte verwirrt und war vielleicht auch betrunken." Wiedergesehen hat der Retter den alten Mann nicht.

Enkeltrick verhindert

Die Bankangestellte Dörte Ingeborg Pfundt war sofort misstrauisch, als eine ihrer Kundinnen völlig aufgelöst am Schalter erschien und 9000 Euro in bar abheben wollte. Ganz in Ruhe bat sie die 92-Jährige in einen Nebenraum und ließ sich erzählen, wofür die alte Dame das Geld brauchte. "Mir war sofort klar, dass sie Opfer eines Betrugs werden sollte, man kennt den Enkeltrick ja aus der Presse", sagt sie. Sie verständigte die Familie und die Polizei und konnte das Verbrechen so verhindern.

Automaten-Knacker erwischt

Michael Kurt Rutsch und Luping Li beobachten nachts drei Männer, die auf der Breite Straße erst versuchen, eine Haustür aufzubrechen und sich dann an einem Zigarettenautomaten zu schaffen machen. Die umgehend verständigte Polizei kann dank ihrer Hilfe zwei der drei Täter dingfest machen.

Lebensretter bei Brand

Die Brüder Cem Smets-Kilic und Sükrü Kilic haben ihrer Schwester das Leben gerettet. Die junge Frau war von den Rauchgasen, verursacht durch eine brennende Dunst-abzugshaube, bereits bewusstlos, als die Männer in letzter Sekunde hinzukommen. Sie halten sich und ihrer Schwester nassen Tücher vor Mund und Nase und können durch das Treppenhaus nach draußen flüchten.

Einbrecher eingesperrt

Dumm gelaufen ist es für einen Einbrecher, der sich im Keller eines Hauses zu schaffen machte und dort Alkohol stehlen wollte. Denn Willi Horst Krause reagierte sofort, verschloss Keller und Haustür und verständigte die Polizei, die den so gefangenen Täter dann problemlos dingfest machten.

Aufmerksame Nachbarin

Helene Kistella hat Schlimmeres verhindert: Sie beobachtete, wie zwei Männer mit einem Stein die Terrassentür eines Nachbarhauses einschlugen, verständigte die Polizei, die die Täter noch im Tatobjekt stellen und festnehmen konnten.

Gast vor Enkeltrick bewahrt

Hans Georg Prell wird durch ein Telefonat hellhörig: In einer Gaststätte bekommt ein 87-Jähriger einen Anruf. Prell hört, dass der alte Herr um 30.000 Euro gebeten wird, die eine angebliche Nichte für einen Notartermin brauche. Gemeinsam mit dem Wirt, Dietmar Hensel, greift er ein, die Polizei wird verständigt, die Straftat verhindert.

Täter in Straßenbahn erkannt

Ein Einbruch an der Leidener Straße kann von Markus Martin Hennes und anderen Zeugen verhindert werden, doch die Tatverdächtigen fliehen. Einige Zeit später erkennt Hennes die beiden, als sie in die Straßenbahn 044 in Hüls einsteigen, und verständigt die Polizei. Noch in der Straßenbahn, Höhe Moritzplatz, werden die Männer verhaftet.

Quelle: RP
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