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Krefeld
Syrer verhilft anderen Flüchtlingen zum Job

Krefeld: Syrer verhilft anderen Flüchtlingen zum Job
Arabo ist aus Syrien geflohen. Nach seiner Anerkennung als Flüchtling begann er 2016 eine Ausbildung bei der Arbeitsagentur. Foto: buschkamp FOTO: Nour
Krefeld. Nour Arabo floh 2014 vor dem Krieg in Syrien, am Niederrhein lernte er Deutsch. Jetzt macht er eine Ausbildung bei der Arbeitsagentur. Von Daniela Buschkamp

Wer nur die Stimme von Nour Arabo hört, nimmt einen leichten Akzent wahr, doch auch der Niederrheiner ist deutlich herauszuhören. Durchaus ungewöhnlich, denn erst seit zwei Jahren hat der 23-Jährige im Raum Krefeld eine neue Heimat gefunden. Hier machte er einen Integrationskursus, lernte Deutsch. In Willich stürmt er für den SC Schiefbahn 08 in der zweiten Mannschaft. Regelmäßig fährt er nach Düsseldorf, wo er zum Fachangestellten für Arbeitsvermittlung ausgebildet wird. Dabei lernt er, Flüchtlingen einen neuen Berufsweg aufzuzeigen. "Das ist ein gutes Gefühl", sagt Nour Arabo. Besonders für ihn, der als Flüchtling auch die andere Seite des Schreibtisches bei der Bundesagentur für Arbeit kennengelernt hat.

Arabos Heimat in Syrien ist die 44.000-Einwohner-Stadt Afrin - nur 50 Kilometer entfernt liegt das im syrischen Bürgerkrieg umkämpfte Aleppo. In Syrien sah der junge Mann für sich keine Perspektive, floh allein über die Türkei, Griechenland und Italien nach Deutschland.

"Ich studierte Jura und wollte Richter werden", schildert der Sohn eines Ingenieurs, der zur Volksgruppe der Kurden gehört. Mit seinem Vater, der mehrere Sprachen beherrschte, hatte Arabo Buchhalter-Tätigkeiten übernommen und merkte dabei, wie gut ihm Sprachen und der Umgang mit Menschen liegen. Diese Fähigkeiten halfen ihm, in seiner neuen Heimat nach der Anerkennung seines Asylantrags eine Perspektive zu finden. "Die Agentur für Arbeit sucht gezielt Auszubildende mit Migrationshintergrund", sagt Michael Becker, Sprecher der Agentur für Arbeit in Krefeld. Gerade bei der Vermittlung von Flüchtlingen sei dies eine Win-Win-Situation. "Die Kollegen beherrschen die Landessprache, das gibt auch unseren Kunden ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit."

Nour Arabo ist - neben einer weiblichen Auszubildenden - der erste Flüchtling von aktuell 24 Auszubildenden, der eine Lehrstelle bei der Agentur für Arbeit in Düsseldorf hat. Wie seine Sprachkenntnisse in Arabisch und Kurdisch bei seiner Ausbildung helfen, hat er etwa am "Integration Point" der Krefelder Agentur feststellen können. "Außerdem wurde ich mehrfach als Dolmetscher angefordert", schildert Arabo. Auch für seine Gesprächspartner sei dies hilfreich gewesen. "Die Englischkenntnisse genügen oft nicht, um Probleme zu schildern", sagt der Azubi. Dies sei in der eigenen Sprache leichter.

Während seiner Ausbildung lernt er unterschiedliche Bereiche kennen - vom ersten Kontakt mit Jobsuchenden über den speziell für Flüchtlinge eingerichteten Integration-Point der Arbeitsagentur bis hin zum Berufsinformationszentrum (BIZ), in dem sich Jugendliche über Ausbildungsmöglichkeiten informieren. "Bis jetzt hat mir alles viel Spaß gemacht", sagt der Kurde. Auch der Kontakt zu den anderen Auszubildenden sei sehr gut, gemeinsam lerne man in der Berufsschule.

In Deutschland fühlt sich Nour Arabo wohl, sogar "das kalte Wetter gefällt mir", sagt er mit einem Lächeln. In Syrien kickte er oft mit Freunden auf dem Bolzplatz. "Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich mir überlegt, dass ich über einen Sportverein am ehesten Kontakte finde", erzählt er. Deshalb fragte Arabo, ob der SC Schiefbahn Verstärkung wollte. Der Verein wollte ihn: "Erst war ich in der ersten Mannschaft, jetzt spiele ich in der zweiten Mannschaft." Auch wenn seine Eltern in Syrien bleiben wollen: Nour Arabo sieht seine Zukunft am Niederrhein.

Quelle: RP
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