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Krefeld
Syrischer Flüchtling erbringt Top-Leistung beim BZB

Krefeld. Es ist ein Beispiel für eine gelungene Integration: Ein syrischer Bauingenieur ist vor dreieinhalb Jahren aus Aleppo nach Deutschland geflohen und hat hier neu angefangen. Ob er bleiben darf, ist ungewiss. Von Julia Schleier

Vor dreieinhalb Jahren ist der Bauingenieur Herr Khatko, wie er allgemein genannt wird, mit seiner Frau und drei Kindern aus Syrien geflohen und hat in Deutschland ein neues Leben angefangen. Nun hat er bei den Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) in Krefeld den Lehrgang "Zertifizierter Fachplaner und Sachverständiger im vorbeugenden Brandschutz" mit einer erfolgreichen Prüfung beendet.

In einer Stadt im Nordosten von Syrien hat Khatko 1984 sein Abitur gemacht. Aufgrund seiner guten Noten konnte er fünf Jahre lang in Aleppo Bauingenieurwesen studieren. Nach zwei Jahren obligatorischem Dienst bei der syrischen Armee arbeitete er 23 Jahre als Bauaufsicht bei einer Behörde, davon fünf Jahre als Assistent des Bürgermeisters, bevor er im September 2013 nach Deutschland geflohen ist. Gründe für die Flucht hatten er und seine Familie viele. "Es war immer schon gefährlich in unserer Stadt. Als Kinderärztin hat meine Frau viel davon mitbekommen, was auf den Straßen passierte. Wir hatten Angst vor Entführungen, Erpressung und vielem mehr. Unsere Kinder mussten hören, wie Bomben in der Umgebung eingeschlagen sind. Es war hart, mit ständiger Angst zu leben", erzählt der 51-jährige ergriffen.

Außerdem ist seine Familie christlich, was früher nie ein Problem gewesen sei, mit Blick auf den immer aktiver werdenden IS aber zur Gefahr wurde. Also ergriff die Familie die Gelegenheit im Libanon, eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland erhalten zu können. Khatko kündigte seinen Job, seine Frau gab ihre Arztpraxis auf. Von Beirut aus ist die Familie dann nach Frankfurt geflogen. Dort wurde sie, als erste syrische Flüchtlingsfamilie überhaupt, nach Lebach im Saarland weitergeleitet. Dort wohnt die Familie bis heute.

Khatko wollte auch in Deutschland wieder als Bauingenieur arbeiten und hat nach mehreren Praktika im Tiefbaubereich einen Einjahresvertrag im Architekturbüro Peter Heinz erhalten. Heinz hat dem Familienvater dann den Brandschutz-Lehrgang am BZB in Krefeld empfohlen und finanziert. Seit Ende Januar ist Khatko für zwei Tage die Woche an den Niederrhein gereist, um an allen Terminen teilnehmen zu können. Fachlich sei er, dank intensiver eigener Vorbereitung und Unterstützung durch seinen Arbeitgeber, einer der besten Teilnehmer des Lehrgangs gewesen. Am Freitag letzter Woche hat er schließlich die Abschlussprüfung bestanden und darf im Architekturbüro fortan auch Brandschutzkonzepte erstellen.

Bezüglich Arbeitsniveau und Tätigkeitsfeldern sieht Khatko hier in Deutschland viele Unterschiede zu seiner Arbeit in Syrien. Das allgemeine Studium sei ähnlich; in der Praxis gebe es in Deutschland aber deutlich mehr und komplexere Vorschriften und Technologien. In seiner Heimat verwende man außerdem noch recht traditionelle Methoden, so etwas wie Fertigbau gibt es nicht. "Die Entwicklung des Bauingenieurwesens in Syrien und Deutschland trennen ungefähr 500 Jahre", sagt Khatko lachend. Die Arbeitsbedingungen seien jedoch ähnlich. Dinge wie Krankenversicherungen und Urlaubstage in Syrien kämen dem deutschen System sehr nahe.

Ende dieses Jahres wird Khatko wahrscheinlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei Peter Heinz bekommen. "Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass unsere Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird", sagt der Familienvater.

Seine Heimatstadt in Syrien wird noch immer vom IS eingegrenzt. Die dort lebenden Christen werden zurzeit von Kurden beschützt. Wie lange das noch so funktioniere, sei fraglich. "Mein Herz habe ich in Syrien, und ich versuche, über das Internet Kontakt mit meiner Familie dort zu halten, aber zurück will ich nicht", erklärt Khatko. Er und seine Familie haben Angst vor der Situation in ihrer Heimat und sehen ihre Zukunft in Deutschland. An einer Abschiebung könne man nichts ändern, sie wünschen sich aber trotzdem, hierbleiben zu können.

Quelle: RP
 
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