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17-Jähriger in Krefeld schwer verletzt
Täter schweigt beharrlich zur Messerattacke in Traar

17-Jähriger mit Messerstichen in Krefeld-Traar verletzt
17-Jähriger mit Messerstichen in Krefeld-Traar verletzt FOTO: Christoph Reichwein
Krefeld. Seit knapp vier Monaten sitzt ein 18-jähriger aus Krefeld-Traar in Untersuchungshaft. Er soll im Juni einen 17-Jährigen mit einem Messer angegriffen haben. Eiscafe-Besucher kümmerten sich um den Schwerverletzten. Der Tatverdächtige schweigt bislang beharrlich. Von Norbert Stirken

An der Täterschaft besteht kein Zweifel: Der 18-jährige Krefelder hatte sich am Tag nach der Messerattacke auf seinen langjährigen Freund und Sportkameraden der Polizei gestellt. Seitdem, so Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld, am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion, schweige er zum Motiv seines fast tödlich ausgegangenen Angriffs.

Dem Opfer geht es vier Monate nach der Tat am Sonntag, 19. Juni, physisch wieder gut. Damals hat sein Leben am seidenen Faden gehangen. Stiche in den Oberkörper verursachten großen Blutverlust und verletzte Organe. Psychisch leidet der junge Mann enorm. Nach Informationen unserer Redaktion gehen er und seine Familie derzeit "durch die Hölle".

Opfer und Täter kennen sich gut

Opfer und Täter kennen sich seit der Kindheit, gingen gemeinsam mit Erfolg ihrem sportlichen Hobby nach, reisten ins Ausland und verbrachten viel Zeit bei Training und Wettkampf miteinander. Am Tatabend soll der 18-Jährige das Opfer gleichsam in eine Falle gelockt haben. Arglos machte sich der 17-Jährige auf den Weg. Auf die Gewaltattacke soll er mit den Worten, "was machst du denn", reagiert haben. "Wir ermitteln derzeit wegen eines versuchten Tötungsdelikts", erklärte Stahl. Ob es sich dabei um versuchten Mord oder versuchten Totschlag handele, sei noch nicht endgültig klar. Die Polizei müsse sicher feststellen, ob Mordmerkmale wie Habgier und Heimtücke vorlägen.

Nach Informationen unserer Redaktion konnten die Ermittler bei der Durchsuchung der Zimmer des Tatverdächtigen sowohl die Tatwaffe als auch einen von ihm geschriebenen Vorgehensplan sicherstellen. Sollte der 17-Jährige tatsächlich planvoll in eine Falle gelockt worden und dessen Arglosigkeit ausgenutzt worden sein, würde das für Heimtücke sprechen. In dem Fall müsste sich der in Untersuchungshaft befindliche Krefelder vor Gericht wegen versuchten Mordes verantworten. Dann droht ihm eine Freiheitsstrafe von maximal zehn Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die Richter nach Jugendstrafrecht urteilen. Nach dem Strafgesetzbuch ist der Versuch eines Verbrechens stets strafbar. Der Versuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat (Paragraf 23 StGB).

Eiscafe-Besucher versorgten den Schwerverletzten

Das "San Marco"-Eiscafé in Traar wurde an dem Abend im Juni Schauplatz einer dramatischen Rettung: Der 17-Jährige, der sich nach einer Messerattacke lebensgefährlich verletzt dorthin gerettet hat, wurde von Gästen im Café versorgt - er hatte Riesenglück. Es waren schicksalhafte Minuten, die sich an dem Sonntagabend kurz nach 20 Uhr in Traar für zwei junge Männer und deren Familien abgespielt haben. Ein rotes Auto hielt vor dem Café. Ein junger Mann stieg aus, blutüberströmt, "ich dachte erst, er wäre vom Fahrrad gefallen", erzählte Juniorchef Mario Bevacqua am Tag nach der Rettungsaktion.

Zwei Gäste hätten sofort gesehen, dass etwas Schlimmes passiert sei. Es waren ein Mann und eine Frau, die sofort die Initiative ergriffen und sich um den Schwerverletzten kümmerten - "die Frau hat geholfen und beruhigend auf ihn eingeredet, der Mann war sehr sicher in dem, was er tat", berichtete er seinerzeit im Gespräch mit unserer Redaktion. So sorgte er dafür, dass sich der junge Mann nicht hinlegte, sondern nur hinsetzte und sich schräg anlehnte, "damit kein Blut in die Lungen läuft", wie Bevacqua erklärte.

Verletzter hat Glück im Unglück

Nach der Messerattacke konnte der 17-Jährige fliehen, schleppte sich zur nächstgelegenen Straße und hielt dort ein Auto an. Da hatte er zum ersten Mal Riesenglück: Tatsächlich stoppte ein junges Paar mit einem Baby auf dem Rücksitz seinen Wagen, nahm den Verletzten mit und hielt bei der erstbesten Gelegenheit, wo Menschen waren: am Café San Marco. "Ich habe sofort unseren Verbandskasten geholt", berichtete er.

Schnell war nun auch ihm klar, dass es sich hier nicht um einen normalen Unfall handelte. "Er hat mehrfach sein T-Shirt angehoben und seine Wunden gezeigt", sagte Bevacqua; überhaupt: Das Opfer war die ganze Zeit bei Bewusstsein, der Junge hat nicht geschrien oder gejammert, "nur am Schluss habe ich ein paar Tränen gesehen; er war sehr tapfer."

Quelle: RP
 
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