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Krefeld
Tagung über Geldnot durch Demenz-Pflege

Krefeld: Tagung über Geldnot durch Demenz-Pflege
Ursula Rathai pflegt ihren demenzerkrankten Ehemann Karl Friedrich Rathai seit neun Jahren. Inzwischen sind fast alle Ersparnisse aufgebraucht. FOTO: T.L.
Krefeld. Der für jeden offene 8. Gerontopsychiatrietag am 21. Oktober steht unter dem Motto "Armut durch Pflege". Experten und Betroffene erzählen von den finanziellen Herausforderungen bei der Pflege von Demenzerkrankten. Von Beate Wyglenda

Die Auswirkungen einer Demenz sind vielfältig und folgenschwer: Nicht nur die Abnahme der Gedächtnisfähigkeit und die Beeinträchtigungen des Alltags lasten auf Betroffenen und Angehörigen, auch finanziell bringt die Demenzerkrankung hohe Belastungen mit sich. Nicht selten wenden Familien ihre gesamten Ersparnisse für die Pflege ihrer erkrankten Lieben auf. "Der tatsächliche Bedarf bei einer Demenzerkrankung wird mit den Leistungen der Pflegekasse bei weitem nicht abgedeckt", sagt Ursula Rathai. Die Krefelderin musste durch die Pflegebedürftigkeit ihres Mannes sogar das gemeinsame Haus verkaufen. "Und mein Schicksal ist leider kein Einzelfall", ergänzt sie. Deshalb stellt die Psychosoziale Arbeitsgruppe (PSAG) Krefeld den 8. Krefelder Gerontopsychiatrietag am Mittwoch, 21. Oktober, unter das Motto "Armut durch Pflege". Neben Experten aus Medizin, Pflegeforschung und Rechtsberatung berichtet auch Ursula Rathai von ihren Erfahrungen.

Ihr ganzes Leben lang hat die Krefelderin gearbeitet. Ihr Ehemann war selbständig, verdiente gutes Geld. Gespart wurde auch - und doch steht das Ehepaar Rathai vor dem Bankrott. Der Grund: Karl Friedrich Rathai ist an Demenz erkrankt. Bereits 2006 fiel seiner Frau dessen schleichende Wesensveränderung auf. Diagnostiziert wurde die Krankheit erst vier Jahre später. "Ich habe mich sofort über sämtliche Angebote informiert, Selbsthilfegruppen besucht und Fachbücher gelesen", erzählt die Rentnerin. Schon bald wurde ihr klar: "Demenz ist eine sehr aufwendige Krankheit, sowohl für den Betroffenen wie auch das gesamte Umfeld."

Ein Aufwand, der finanziert werden muss. "Es gibt heutzutage teils sehr gute Angebote, von der Kurzzeit- und Tagespflege, über stationäre Angebote, bis hin zu Angehörigentreffen", bemerkt Susann Kornack, Sprecherin der PSAG-Untergruppe Gerontopsychiatrie. "Doch das alles kostet eben Geld", ergänzt sie. Rathai kostete die Pflege ihres Mannes sogar das Haus. 2014 musste sie es verkaufen, nachdem alle Ersparnisse aufgebraucht waren. "Das habe ich gerne gemacht. Ich konnte mit meinem Mann, trotz Krankheit, ein bislang lebenswertes, schönes Leben führen", betont sie. Ende nächsten Jahres sind aber auch die letzten Reserven aufgezehrt. "Viele setzen erst eine Grenze, wenn es an das Geld oder Erbe der Kinder geht", weiß die Sozialpädagogin Margret Hennewig-Schnock vom Demenz-Servicezentrum Region Niederrhein. "Dann wird lieber auf Pflegeangebote verzichtet", ergänzt sie. Angst schüren soll der Infotag aber nicht. Im Gegenteil: Er zeigt Möglichkeiten und Hilfestellungen auf und informiert über Leistungen der Pflegekasse und Pflegeversicherungen. Zudem verhilft er zu wichtigen Kontakten. "Demenz ist ein immer aktuelleres Thema. Es ist wichtig, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen", resümiert Rathai.

Quelle: RP
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