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Krefeld
Tanzen im Rollstuhl - bevorzugt Latein

Krefeld: Tanzen im Rollstuhl - bevorzugt Latein
Vanessa Zellmann und Stefan Kühne (l.) sowie Alina Meißner und Thomas Laschke (r.) haben sich in den jeweiligen Starterklassen den Titel Deutscher Meister im Rollstuhltanzen geholt. FOTO: Strücken
Krefeld. Beim TC Seidenstadt sind nicht nur die Fußgänger in Sachen Tanz unterwegs. Der Rollstuhltanz gehört ebenso zum Angebot. Die Rolli-Tänzer verzeichnen zwei besondere Erfolge. Gleich zwei Deutsche Meister-Titel gingen nach Krefeld. Von Bianca Treffer

Rumba-Musik bestimmt den Rhythmus im großen Übungsraum des TC Seidenstadt. Der Liebestanz, den die Rumba darstellt, hat auf dem Parkett begonnen. Tanzpaare nähern sich, driften wieder auseinander. Es gibt blitzschnelle Drehungen, elegante Bewegungen voller Emotionen bestimmen das Bild. Das schnelle Aufsetzen der Füße wird dabei von einem leisen Surren sowie ab und zu auch einmal einem kurzen Reifenquietschen begleitet. Genauso schnell, wie sich die Füße der zwei Tänzer bewegen, drehen sich nämlich die Reifen der Sport Rollstühle der beiden Tänzerinnen, die sitzend unterwegs sind.

Vanessa Zimmermann und Alina Meißner sind auf den Rollstuhl angewiesen. Doch mit ihren Bewegungen auf den Reifen stehen sie denen ihrer Tänzer, Stefan Kühne und Thomas Laschke, auf den eigenen Beinen in nichts nach. Die beiden Tanzpaare haben aber nicht nur Freude am gemeinsamen Tanzen, sondern sind zudem noch richtig gut. In den jeweiligen Leistungsklassen holten sie bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt den Meistertitel.

Kühne und Zellmann starten in der LWD 1 und Laschke und Meißner in der LWD 2. "Diese Einteilung bezieht sich auf den Grad der körperlichen Einschränkung. Es geht sich darum, inwieweit der Oberkörper der Rolli-Fahrer uneingeschränkt bzw. eingeschränkt in den Bewegungen ist. Wenn jemand zum Beispiel durch eine Spastik in der Bewegung der Arme eingeschränkt ist, startet er oder sie in der LWD 1", erklärt Rollstuhl- und Behinderten-Tanztrainerin Andrea Hornshaw.

Alle vier sind leidenschaftliche Tänzer, die der Zufall zusammengeführt hat. "Vorab haben wir nämlich mit unseren Müttern getanzt und an Turniere noch gar nicht gedacht", verrät Zellmann, sie selber seit vier Jahren tanzt. Kühne und Laschke, beide seit Jahren tanzbegeistert, waren Ende 2014 nach Krefeld gezogen und suchten einen Tanzverein. Beim TC Seidenstadt folgte ein Probetraining, das den beiden zusagte. "Dann haben wir uns den Rollstuhltanz angeguckt und waren begeistert", berichtet Kühne.

Am Anfang habe man sich noch gefragt, wie das funktioniere, und es habe auch einige Zeit gebraucht, bis man sich daran gewöhnt habe. Aber nun sei es ganz normal geworden, fügt der 33-Jährige an. Bei Beginn des gemeinsamen Tanzens passierte es auch schon einmal, dass aus Versehen ein Fuß unter einen Rolli-Reifen kam, aber das gehört längst der Vergangenheit an. "Am Anfang haben wir noch etwas entfernter vom Rollstuhl getanzt, um erst einmal ein Gefühl dafür zu bekommen. Aber jetzt ist man ganz nah dran. Als Fußgänger im Tanz war ich überrascht, wie wenig anders getanzt wird", berichtet Laschke.

In der Regel üben die beiden Paare zweimal in der Woche. Getanzt wird Latein. Standard-Tänze nehmen die vier nur zum Aufwärmen. Die Turnierlaufbahn der vier fing im September vergangenen Jahres beim Breitensportwettbewerb im TC Seidenstadt an. Es war das erste gemeinsame Turnier. Laschke und Meißner wurden damals erste, Kühne und Zellmann sicherten sich den zweiten Platz. Da beide Paare eine Leistung ablieferten, die über die Qualität des Breitensports hinausging, traten sie beim nächsten Turnier bereits in der Leistungsklasse an.

Bei einem internationalen Rollstuhlturnier in den Niederlanden ging es so weiter. Die hohe Leistung führte zu Starts im Internationalen Verband und Ende Mai folgte die Teilnahme an den internationalen offenen Meisterschaften im Rollstuhltanzen in Frankfurt. Das große Ziel sind nun die Europameisterschaften.

Dort im Finale zu stehen ist ein Traum der beiden Tanzpaare.

Quelle: RP
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