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Aktionswoche
Wie die Krefelder Polizei Taschendiebe stoppen will

Die Tricks der Taschendiebe - davor warnt die Polizei
Die Tricks der Taschendiebe - davor warnt die Polizei FOTO: Polizei Köln
Krefeld. 166 Taschendiebstähle registrierte die Polizei in Krefeld zwischen Januar und Mai. Sie gibt Tipps zur Vorbeugung. Von Joachim Niessen

Im Sommer hat der Taschendiebstahl Konjunktur. Das hat Gründe. Die dicken Jacken mit den vielen (Innen-)Taschen verschwinden in den Kleiderschränken, Shirt, Hemd und kurze Hose oder Leggins sind angesagt, wenn es bei schönem Wetter zu einem Bummel in die Innenstadt geht. Und das macht es Dieben vergleichsweise einfach, aus Gesäß- oder Hemdentaschen die Portemonnaies oder Handys zu klauen.

166 Fälle von Taschendiebstahl registrierte die Polizei Krefeld zwischen Januar und Mai, 513 waren es im kompletten Jahr 2016. Zwölf Monate zuvor waren es noch 588 Delikte. Dabei ist in nahezu allen Fällen nicht nur ein einziger Täter für den Diebstahl verantwortlich. "Zumeist gehen Taschendiebe in Teams von mehreren Tätern arbeitsteilig vor", sagt Kriminalhauptkommissar Jörg Grothus. "Dabei nutzen sie Tricks oder schlagen nach einem selbst verursachten Gedränge zu."

So schützen Sie sich vor Diebstählen FOTO: dapd, dapd

Wer denkt, dass die Opfer in der Regel Senioren sind, liegt total falsch. "Es gibt kein spezielles Opferprofil. Die Täter nutzen jede sich bietende Gelegenheit", weiß Kriminaloberkommissarin Julia Mühring. "Egal, ob es sich um einen 15-jährigen Schüler, eine Mutter mit Baby im Kinderwagen, einen 50-jährigen Geschäftsmann oder natürlich auch um eine Seniorin handelt."

Es gibt unzählige Tricks, mit denen die Tätergruppen versuchen, Beute zu machen. "Der Rempeltrick ist besonders beliebt", so Mühring. Ein Täter rempelt im Gedränge das Opfer an oder lässt es gezielt auflaufen, indem er etwa zu stolpern vorgibt. Während das Opfer abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche. "Oft ist noch ein dritter Täter dabei, an den die Beute sofort weitergegeben wird."

Beim "Drängeltrick" rückt der Dieb in einem vollen Bus oder einer Bahn unangenehm dicht an das Opfer heran. Das handelt folgerichtig und wendet dem Nebenmann den Rücken zu - und bietet ihm damit unwillkürlich die Tasche griffbereit dar. "Daher die Tasche immer unter dem Arm halten und ruhig ganz bewusst eine Hand auf den vorderen Teil des Reißverschlusses legen", ergänzt Kriminalhauptkommissar Michael Müller.

Beim "Stadtplantrick" wird die Hilfsbereitschaft schamlos ausgenutzt. Fremde fragen etwa eine Passantin nach dem Weg. Entweder halten sie ihr einen großformatigen Stadtplan vor die Nase, oder sie bitten das Opfer, zum Beispiel an Bahnhöfen, an einen ausgehängten Plan. Während die Gefragte sich in die Wirren der Karte vertieft, machen sich Komplizen des Fragenden über Hand- oder Umhängetaschen her.

Ähnliches gilt für den Geldwechseltrick: Fremde bitten, eine Münze zu wechseln. Der gutwillige Angesprochene zieht sein Portemonnaie - und wird im nächsten Moment abgelenkt. Zeit genug für fingerfertige Taschendiebe, das Scheinfach der Geldbörse zu plündern.

Auch im Lebensmittelgeschäft lauern Gefahren: "Der Supermarkttrick funktioniert, wenn das Opfer die Handtasche samt Portemonnaie im Einkaufswagen liegen hat. Während ein Täter nach einer bestimmten Ware in einem oberen Regal fragt, stiehlt der Komplize die Geldbörse aus dem Wagen", beschreibt Julia Mühring den Ablauf.

Weit weniger raffiniert gehen Handtaschenräuber vor. Opfer von Straßenraub werden, entgegen der landläufigen Meinung, oft auch junge Menschen, die von Gleichaltrigen überfallen werden, sagt KHK Grothus: "Senioren kann ich nur raten, nicht zu viel Geld in der Handtasche mitzutragen. Im Zweifel dann die Tasche bei einem Raub lieber loslassen. Mögliche Knochenbrüche durch einen Sturz wären der viel größere Schaden."

Einen ganz speziellen Schutz vor Taschendieben hat jetzt ein Unternehmen in Gütersloh entwickelt. "Sie bietet einen verriegelbaren Deckel für Rollator-Körbe an", sagt Walter Domröse, Außenstellenleiter vom Weißen Ring in Krefeld. "Ein solcher Deckel war für die offenen Körbe von Standardrollatoren bisher nicht erhältlich. Deckel und Korb werden mittels Kabelbinder verbunden. Diebe haben dann keine Chance mehr." Rund 15 Euro kostet der Gitterdeckel.

Weitere Hinweise zum Hersteller gibt es beim Weißen Ring Krefeld, Rufnummer 015155164802.

Quelle: RP
 
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