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Krefeld
Technik-Praktikum für Einwanderer

Krefeld. Schüler einer Integrationsklasse lernen naturwissenschaftliche Berufe kennen.

Mit einem kleinen Messingblech hat die 14-jährige Elvira angefangen, am Ende des Projekttages hält sie einen Schlüsselanhänger in Herzform in der Hand. Dazwischen hat die Schülerin des Fichte-Gymnasiums einiges getan: "Ich habe das Herz auf die Platte gemalt, es ausgesägt und dann mit einer Feile schön geschliffen. Als Nächstes graviere ich noch die Namen von meinen Freundinnen rein."

Erstmalig nahmen in dieser Woche 16 Schüler einer Seiteneinsteigerklasse an dem berufsorientierenden Technikkurs der Initiative "Zukunft durch Innovation" (zdi) teil. Die Klasse mit Kindern aus Einwanderer- und Flüchtlingsfamilien stellte mit Lehrern des Berufskolleg Uerdingen Schlüsselanhänger her.

Seit 2010 organisiert das zdi-Zentrum am Berufskolleg verschiedene Kurse zur Förderung des naturwissenschaftlichen und technischen Nachwuchses. Träger der zdi-Initiative in Krefeld ist der Verein KReMINT. "Die Schüler lernen in diesem Projektrahmen Ausbildungsberufe kennen, die sie bei ihrer Berufswahl nicht unbedingt bedenken", sagt Chrissoula Tolidou, Koordinatorin des Zentrums. Von den Schulen wird das Angebot im Rahmen eines Wahlpflichtfachs oder durch außerschulische Angebote genutzt. "Inzwischen haben wir pro Schuljahr bis zu 120 Tageskurse und drei Blockkurse. Das Angebot ist für die Schulen kostenlos."

Annegret Rossing ist Lehrerin der Integrationsklasse. Sie ist von dem Projekt begeistert: "Das ist eine tolle Möglichkeit für die Schüler, berufliche Erfahrungen zu sammeln, und sie haben viel Spaß." Besonders für Kinder aus Flüchtlingsfamilien sei dieses Angebot sehr wichtig, sagt Rossing. "Einige syrische Kinder konnten in ihren Heimatländern aufgrund des Krieges nicht zur Schule gehen und können hier deshalb kein Abitur machen." Für sie sei diese Orientierung nun besonders wichtig, bevor sie sich für einen Ausbildungsgang entscheiden. Auch Schülerin Elvira ist von dem Tag begeistert: "Es war sehr schön und hat echt viel Spaß gemacht." Jörg Swierczek, Lehrer am Berufskolleg, unterstützt die Schüler bei dem Projekt. "Der Einstieg war etwas schwer durch die sprachlichen Barrieren und die vielen Fachbegriffe", so Swierczek. Dennoch habe alles gut funktioniert: "Es sind schöne Stücke geworden. Die Kinder sind total motiviert und helfen sich untereinander."

Momentan nehmen 18 weiterführende Schulen aus Krefeld an dem Projekt teil, "uns liegt aber sehr viel daran, die Kurse zu erweitern und auch weitere Unternehmen für eine Kooperation zu begeistern", sagt Tolidou. Die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Tagrid Yousef, wünscht sich, "dass noch mehr Seiteneinsteigerklassen, die es ja an jeder Schule in Krefeld gibt, mitmachen." Für sie sei es wichtig, dass die Kinder Naturwissenschaften erleben und nicht nur in Büchern darüber lesen. "Und durch die praktischen Übungen können sie dabei auch noch Deutsch lernen."

(sch)
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