| 00.00 Uhr

Krefeld
Telefonseelsorge: Einige rufen täglich an

Krefeld: Telefonseelsorge: Einige rufen täglich an
Pfarrerin Katrin Fürhoff und Erich Franken sind hauptamtliche Mitarbeiter der Telefonseelsorge. Ihre Erfahrung: " Es gibt immer mehr einsame Menschen. Manche rufen täglich bei uns an." FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. 14.000 Anrufe erreichen jährlich die Telefonseelsorge. Der Bedarf jedoch ist fünf Mal so groß. Es fehlt an Helfern. Von Bärbel Kleinelsen

Es gibt Gespräche, die vergisst man nicht. Wer als Helfer am heißen Draht der Telefonseelsorge sitzt, hat viele solcher Gespräche. Sie berühren die ehrenamtlichen Helfer, gehen tief unter die Haut. "Besonders die Themen, die irgendeinen Bezug zur eigenen Biografie haben, in welcher Form auch immer, gehen einem nahe", weiß Pfarrerin Katrin Fürhoff, die seit 1996 für die Telefonseelsorge Krefeld-Mönchengladbach-Rheydt-Viersen arbeitet.

14.000 Gespräche nahmen die drei hauptamtlichen und 60 ehrenamtlichen Helfer im vergangenen Jahr entgegen. Es hätten fünf Mal so viele sein können. "Wir haben eigentlich zwei Telefonleitungen, die wir aber nicht personell besetzt bekommen. Wenn Leute wegen Krankheit ausfallen, wird es bei uns schon bei einer Leitung richtig eng", erklärt Erich Franken, stellvertretender Dienststellenleiter, und sagt: "Mein Wunsch ist es, so viele Mitarbeiter zu gewinnen, dass wir beide Leitungen rund um die Uhr besetzen können."

Der Bedarf an Seelsorge nimmt zu. 2014 erreichten knapp 11.000 Anrufe die Zentrale im Haus der Region am Dionysiusplatz, rund 3000 weniger als 2015. "Die Zunahme der Gespräche liegt aber auch an einem veränderten Telefonverhalten. Riefen die Menschen früher meist aus dem Festnetz an und damit aus unserer Region, gehen heute viele Anrufe vom Handy bei uns ein. Die können dann auch aus Dresden oder München kommen", erklärt der erfahrene Seelsorger. Die Handy-Anrufe werden nach dem Zufallsprinzip auf die gut 110 Telefonseelsorge-Zentralen deutschlandweit verteilt, je nachdem, wo gerade Kapazität frei ist. "Aber es ist trotzdem schon so, dass es immer mehr einsame Menschen gibt. Manche rufen täglich bei uns an. Oft ist dies der einzige Kontakt, den sie noch zur Außenwelt haben", berichtet Katrin Fürhoff.

Aktuelle Probleme sind an der Hotline ebenso Thema wie Ehekrisen, Arbeitslosigkeit oder finanzielle Schwierigkeiten. So hatte Erich Franken erst jetzt im Nachtdienst eine 71-jährige Anruferin am Apparat, die nicht verstehen konnte, warum es Menschen gibt, die Flüchtlinge als Belastung empfinden und nicht helfen wollen, so wie es für ihre Generation nach dem Krieg selbstverständlich gewesen sei. Andere Anrufer wiederum sprechen über ihre Ängste angesichts des Flüchtlingszustroms. "Es ist gut, dass sie bei uns ein offenes Ohr finden und nicht den Falschen in die Hände fallen, die ihre Ängste für politische Zwecke ausnutzen", sagt Pfarrerin Fürhoff.

Knapp ein Jahr lang werden angehende Helfer in Theorie und Praxis geschult, bevor sie 15 Stunden Telefondienst pro Monat machen, darunter mindestens eine Nachtschicht im Quartal. Während die Tagesschichten fünf Stunden lang sind, bleiben Mitarbeiter im Nachtdienst neun Stunden am Telefon.

"Das ist natürlich anstrengend, kann aber auch sehr erfüllend sein. Nachdem ich meine erste Anruferin durch eine Krisensituation geführt hatte, gab mir das das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben", erinnert sich eine Helferin, die seit Dezember in der Seelsorge arbeitet. 130 Stunden umfasst die Vorbereitungszeit auf das verantwortungsvolle Ehrenamt. Gesucht werden Helfer mit Lebenserfahrung, die vielleicht selbst schon Krisensituationen erlebt und daraus gelernt haben. Sie müssen Geduld mitbringen, offen für verschiedene Lebensmodelle und Ansichten sein und einer christlichen Kirche angehören. "Diese Arbeit fördert die Persönlichkeitsentwicklung. Die Gespräche mit den verschiedenen Menschen verändern auch einen selbst", weiß Franken aus eigener Erfahrung.

Verändert hat sich auch die Zahl der Männer, die anrufen. "Es werden immer mehr. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass Männer heute mehr häusliche Aufgaben übernehmen. Und es kein Tabu mehr ist, wenn Männer über Gefühle reden", überlegt Fürhoff. Auch unter den ehrenamtlichen Mitarbeitern gebe es inzwischen wesentlich mehr Männer als früher. Franken: "Eine wirklich positive Entwicklung."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Telefonseelsorge: Einige rufen täglich an


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.