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Krefeld
Tempolimit für Lehmheide gefordert

Krefeld: Tempolimit für Lehmheide gefordert
Anwohner Manuel Hänig (rechts) und Bürgervereinsvorsitzender Bernd Albrecht beklagen den schlechten Zustand der Lehmheide und fordern eine Verkehrsberuhigung vor dem Neubaugebiet Johannes-Bausch-Straße. Auch die Altglascontainer machen Probleme: Sie stehen neben dem Eingang zum Spielplatz, Scherben verteilen bis sich auf das Gelände. FOTO: TL
Krefeld. 55 neue Häuser und ein großer Spielplatz sind an der Lehmheide entstanden. Anwohner und Bürgerverein sorgen sich um die Sicherheit von Kindern und fordern eine Verkehrsberuhigung. Die Verwaltung sieht dafür keine Notwendigkeit. Von Carola Puvogel

Jahrzehntealte Forderungen nach einer Verbesserung des Straßenbelags sowie einer Verkehrsberuhigung der Lehmheide haben mit Bezug des Wohngebiets Johannes-Bausch-Straße neue Dynamik bekommen. 55 Reihen- und Doppelhäuser sind dort auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei entstanden. Wo viele Jahre Brachfläche war, wohnen jetzt junge Familien mit Kindern. Außerdem hat der Bauträger einen großen Spielplatz angelegt, der so geplant worden ist, dass er explizit auch für Kinder Anziehungspunkt sein soll, die nicht im Neubaugebiet, sondern im Umfeld wohnen.

Neu-Lehmheider Manuel Hänig, der mit seiner Familie im Juni in ein Haus an der Straße direkt neben dem Spielplatzeingang eingezogen ist, hat seine Sorgen jetzt der Bezirksvertretung Süd vorgetragen. Er hat Angst um die Sicherheit der Kinder. "Das Problem ist, dass auf der Lehmheide sehr schnell gefahren wird", berichtet er. Zwar gebe es eine kurze Tempo-30-Zone im Bereich der Regenbogenschule, direkt vor dem Neubaugebiet und damit auch dem Eingang zum Spielplatz gilt Tempo 50. Dass der Eingang zum Spielplatz ein sogenanntes Drängelgitter habe, nutze nicht viel. Denn: "Ich beobachte jeden Tag, dass viele Kinder von außerhalb des Neubaugebiets den Spielplatz nutzen." Und die müssen die Lehmheide überqueren - oft mit Rollern und Fahrrädern. Gerade im Berufsverkehr, hat Hänig beobachtet, werde die Lehmheide als Abkürzung genutzt, es werde viel zu schnell gefahren. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert", sagt er.

Den Friedhofsparkplatz als Ersatzstandort für die Altglascontainer lehnt die Verwaltung ab: Der Parkplatz sei zu Beerdigungszeiten stark frequentiert. FOTO: BV

Ärgerlich sei auch der Zustand der Straße. In der Straßenmitte liegen Straßenbahnschienen, die seit Jahrzehnten nicht genutzt werden - in der Mitte notdürftig mit Kopfsteinpflaster versiegelt. "Ich bin seit 25 Jahren Vorsitzender des Bürgervereins Süd-West, und mindestens so lange haben wir gefordert, dass die Schienen und das Kopfsteinpflaster wegkommen", berichtet Bernd Albrecht, der die Anwohner unterstützt. Die Schienen seien eine Gefahr für Radfahrer, die Lärmbelästigung durch Fahrzeuge unzumutbar.

"Die Kombination von Kopfsteinpflaster und Rasern lässt die Gläser im Küchenschrank vibrieren", berichtet Hänig. Er hat unlängst die Verwaltung angeschrieben - und eine abschlägige Antwort bekommen: Eine Verkehrsschau habe zu dem Ergebnis geführt, dass "für die Straße Lehmheide kein Erfordernis für weitere verkehrliche straßenverkehrsbehördliche Maßnahmen gesehen wird".

Besonders empört ist Hänig über die Antwort auf seine Bemerkung, dass die Sicherheit von Kindern ja wohl nicht am Nothaushalt scheitern könne. "Die Verwaltung schrieb mir: 'Ich muss Ihnen leider antworten, DOCH, genauso ist es in Krefeld. Wir benötigen für jede Aufgabe im Lappalienbereich mittlerweile ausgiebige Begründungen. In Ihrem Fall würde nach der Begründung für die anfallenden Ausgaben gefragt: "Hat es dort vor Ort mehrere Kinderunfälle gegeben?" Die Antwort ist dann: "Nein".'". Hänig: "Das heißt also, es muss erst was passieren, bevor man über verkehrssichernde Maßnahmen an Wohngebieten nachdenkt?"

Weitere Gefahren für Kinder gehen, so Hänig, von Altglascontainern direkt neben dem Spielplatzeingang aus. "Jeden Tag liegen rund um die Container Müll und Glasscherben", berichtet er. "Die Glasscherben verteilen sich oft bis auf das Spielplatzgelände. Wir versuchen, das so einigermaßen einzudämmen, aber es ist nicht zu schaffen. Und es kann ja auch nicht Dauerzustand bleiben, dass die Anwohner jeden Tag mit dem Kehrblech ausrücken müssen." Der Bauträger habe sich bemüht, der Verwaltung einen alternativen Standort vorzuschlagen, letztlich konnte man sich aber nicht einigen, erzählt Hänig. So bestätigen es auch Tobias Pascaly von Vista Bau und ein Stadtsprecher. Der von Vista vorgeschlagene Ersatzstandort habe sich zu nah an anderen Wohnhäusern befunden. "Eine Verlagerung zulasten Dritter ist keine Alternative", sagt die Stadt. Den Vorschlag, einen Unterflurcontainer zu bauen, habe wiederum der Bauträger nicht aufgegriffen. Aus Bernd Albrechts Sicht wäre der nahegelegene sehr große Friedhofsparkplatz, der die meiste Zeit leer stehe, ein guter Standort. Doch auch diesen Vorschlag lehnt die Stadt ab. Zu Beerdigungszeiten sei der Parkplatz stark nachgefragt und könne dann nicht mit einem Dreiachser Lkw befahren werden. Hinzu käme Lärmentwicklung beim Leeren sowie die eingeschränkte "soziale Kontrolle" außerhalb der Betriebszeiten des Friedhofs, was eher zu einer "Vermüllung" des Bereichs führen könne, als ein Standort im uneingeschränkt einsehbaren Bereich.

Manuel Hänig sagt dazu: "Ohne pietätlos wirken zu wollen, glaube ich, dass der Fakt der Lärmbelästigung unmittelbar vor Fenstern von Anwohnern schwerwiegender ist, als auf einem Parkplatz nahe des Friedhofs." Der Parkplatz werde nie voll geparkt wahrgenommen, die Einfahrten - auch Zufahrt zum Betriebshof des Grünflächenamts - mit sechs Metern breit genug für die Leerung von Containern.

Quelle: RP
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