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Krefeld
Theater: Klischee-Parade im Burger-King-Lokal

Krefeld. Morgen Abend hat "Phantom - (Ein Spiel)" Premiere in der Fabrik Heeder. Das Stück spielt mit Wirklichkeit und Möglichkeit. Von Petra Diederichs

An schnelle Rollenwechsel sind Schauspieler gewöhnt. Christopher Wintgens stellt den Spielzeitrekord auf - mit 17 unterschiedlichen Charakteren in einer Vorstellung: Das Stück "Phantom - (Ein Spiel)" ist ein rasanter Wechsel von Figuren, Positionen und Haltungen - nicht nur für Wintgens. Morgen Abend hat es um 20 Uhr Premiere auf der Studiobühne I der Fabrik Heeder. Lutz Hübner gilt derzeit als einer der meistgespielten Gegenwartsautoren auf deutschen Bühnen. Sein "Frau Müller muss weg" war in dieser Spielzeit bereits auf der Großen Bühne zu sehen. "Phantom" hat er gemeinsam mit Sarah Nemitz verfasst. Für Sascha Mey ist es die dritte Regiearbeit nach dem Monolog "Bericht für eine Akademie" und dem Zwei-Personen-Stück "norway.today". Nun schickt er fünf Schauspieler auf eine schräge Bühne, die symbolisieren soll, dass hier so einiges in Schieflage ist. Die Geschichte spielt in einem Burger-King-Lokal nach Ladenschluss. Dort wird ein zurückgelassenes Baby gefunden. Für die Belegschaft ist schnell klar: Zuvor waren Roma-Frauen da - nur sie können das Kind ausgesetzt haben. Und damit beginnt das Spiel.

Das Stück erzählt keine stringente Geschichte, es spielt mit Variationen. Alles könnte so gewesen sein, vielleicht auch anders; die Zuschauer sollen ihre Haltung stets korrigieren können: "Nichts ist wirklich, es geht um Probieren von Wirklichkeiten und Wieder-Verwerfen", sagt Mey. Dabei werde tüchtig in die Klischeekiste gegriffen - Bettelmafia, Prostitution und Schleuser als Kennzeichen der Zuwanderer; Hartz IV und rechtsgesinnte "Ich bin doch kein Nazi"-Bürger bei den Einheimischen. Die Schauspieler wechseln im Spiel ihre Rollen. Die weibliche Hauptfigur Blanca, eine aus Osteuropa Geflüchtete, wird dagegen von gleich drei Schauspielerinnen gespielt. "Es gibt drei Altersstufen und damit drei unterschiedliche Wissensstände über den Umgang mit Deutschen", erklärt Mey. Denn der rote Faden ist der Umgang von Menschen am Rande mit denen im Kern einer Gesellschaft. Dabei werden Archetypen dargestellt. Einen Kunstgriff dafür gibt das Stück vor: eine Märchenebene mit goldenen Zwergen, die den Weg von Blanca nachzeichnen.

Premiere morgen, 20 Uhr, Fabrik Heeder. Kartentelefon 02151 805125.

Quelle: RP
 
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