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Krefeld
Theater: Schauspiel in Gefahr

Einblicke in das sanierte Krefelder Theater
Einblicke in das sanierte Krefelder Theater FOTO: Bastian Königs
Krefeld. Die Verwaltung rechnet derzeit aus, wie viel Geld eingespart werden könnte, wenn das Theater die Sparte Schauspiel schließen würde. Der Auftrag dazu kommt von der CDU. Musiktheater und Ballett sollen erhalten bleiben. Von Petra Diederichs

Bisher zitterte immer das Ballett, wenn die Politik die Frage stellte, ob Krefeld sich noch ein Drei-Sparten-Theater leisten kann. Nun muss sich das Schauspielensemble Sorgen machen. Die Kulturverwaltung rechnet derzeit nach, was die Stadt sparen könnte, wenn die Sparte geschlossen würde. Das bestätigte gestern Kulturdezernent Roland Schneider auf Nachfrage.

"Die Idee, das Schauspiel aufzugeben, ist ein völliger Irrwitz", findet Schneider. Nicht die Künstlergagen verursachten die großen Kosten, sondern das an die Tarife des Öffentlichen Dienstes angekoppelte Personal. "Solche Tarifverträge auslaufen zu lassen, dauert Jahre", sagt der Dezernent. Eine Sparte oder gar ein ganzes Theater zu schließen, spare kurzfristig keine nennenswerte Summe ein.

Der Prüfauftrag kommt nach Informationen unserer Zeitung aus der CDU. Demnach sollen Musiktheater und Ballett weitergeführt werden, die Sparte Schauspiel soll "eingekauft" werden, beispielsweise bei Tourneetheatern.

Rund 25 Millionen kostet das Drei-Sparten-Theater pro Jahr, die zahlen Krefeld und Mönchengladbach je zur Hälfte. 25,7 Millionen hat das Kuratorium der beiden Städte vor wenigen Wochen für die erste Spielzeit des künftigen Intendanten Michael Grosse 2010/2011 bewilligt. Schon früh hat der designierte Theaterchef klar gemacht, dass der Abbau einer Sparte mit ihm nicht zur Debatte stehe.

Das Theater hatte allein in Krefeld in der vergangenen Spielzeit 105 460 Besucher, obwohl es während des Umbaus am Theaterplatz in einer Ausweichhalle gespielt hat. Das entspricht einer Auslastung von 87 Prozent – viele andere Theater vergleichbarer Größe kommen kaum an die 70 Prozent.

Die Vorstellungen von Oper, Operette, Musical und Ballett waren in Krefeld zu 85 Prozent ausgelastet, im Schauspiel zu 90 Prozent, die Kinder- und Jugendstücke sogar zu 97 Prozent. Die Produktion "Shockheaded Peter" haben 6883 Krefelder gesehen. Und zum Weihnachtsmärchen "Hinter verzauberten Fenstern" sind 16 386 Kinder ins Theater gegangen.

Quelle: RP
 
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