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Krefeld
Theater schreibt Verluste: Jetzt geht es ans Eingemachte

Krefeld: Theater schreibt Verluste: Jetzt geht es ans Eingemachte
Blick von der Bühne in den Saal des Theaters: Die Qualität der Produktionen soll bleiben, es wird populäre Stücke geben, um den Saal mit Zuschauern zu füllen - und die Preise werden 2018 noch einmal um 15 Prozent erhöht. FOTO: B. Königs
Krefeld. Das Theater hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von knapp 420.000 Euro und muss sein Stammkapital angreifen. Die Politik fürchtet eine Katastrophe. Das Theater sieht keine Gefahr. Von Petra Diederichs

Ein sechsstelliges Defizit bei den Theaterfinanzen hat jetzt im Krefelder Finanzausschuss für Wirbel gesorgt: Laut Abschlussbericht für das Geschäftsjahr vom 1. September 2013 bis 31. August 2014 weist die Theater Krefeld und Mönchengladbach gGmbH einen Fehlbetrag von 417.754,77 Euro aus. Nach dem Wirtschaftsplan hätten unterm Strich rund 400.000 Euro in schwarzen Zahlen stehen müssen - das ergibt ein Minus von etwa 808.000 Euro. Damit ist das Theater gezwungen, sein Stammkapital anzuzapfen. Die flüssigen Mittel schmelzen laut Bilanz von 3,7 Millionen auf rund 2,9 Millionen Euro.

"Wir steuern auf eine Katastrophe zu", warnt der FDP-Fraktionsvorsitzende Joachim C. Heitmann. Im Theater sieht man die Zahlen gelassen. Der Fünf-Jahres-Finanzplan kalkuliere die schlechte Entwicklung ein. Michael Magyar, mit Intendant Michael Grosse Geschäftsführer des Theaters, spricht von einem normalen Verlauf: Seit dem 1. Januar 2011 gilt das Modell "Theater mit Zukunft". Dabei legen die Trägerstädte Krefeld und Mönchengladbach ihre Zuschüsse für einen Zeitraum von fünf Jahren fest. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres sind es pro Jahr rund 24 Millionen, die beide Städte zusammen tragen.

"Das bedeutet: Zu Beginn der Finanzierungszeit sind wir verdurchschnittlicht überfinanziert, in der Mitte müsste es plus/minus Null aufgehen, und zum Ende sind wir unterfinanziert und haben negative Jahresabschlüsse", erklärt Magyar. Dazu seien diesmal auch Tarifabschlüsse gekommen, die so nicht einkalkuliert waren, denn ein Großteil der 550 am Theater Beschäftigten wird nach Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt. "Laut Vereinbarung mit den Trägerstädten können wir jährlich zwei Prozent für Erhöhungen einstellen, den Rest müssen wir decken", sagt Magyar. Zuletzt waren es 5,3 Prozent. "Es gibt keinen Grund zur Panik, das Stammkapital ist dazu da, dass wir darauf zurückgreifen können." Der Geschäftsführer sieht in den fünfjährigen Finanzmodellen eine große Chance: "Durch die Langfristigkeit sind wir sicher, die Defizite durch Gegenmaßnahmen auszugleichen", sagt er. Ab 2016 gilt der Finanzplan "Theater mit Zukunft II", der wie berichtet, eine Erhöhung des Budgets um jährlich etwa eine Million vorsieht und bis 2020 festgeschrieben ist. "Das reicht nicht ganz, wir werden auch eigene Sparmaßnahmen umsetzen." Das bedeutet, dass die Eintrittspreise, die ab Sommer um 15 Prozent erhöht werden, zur Spielzeit 2018/19 nochmals um 15 Prozent steigen: "Wir halten immer für drei Jahre die Preise, dann erhöhen wir moderat. Bei der letzten Erhöhung vor drei Jahren sind die Zuschauer mitgegangen", erklärt Magyar.

Auch im Theater sei in allen Bereichen die Bereitschaft da, Geld zu sparen. Das Gros der Ausgaben sind Personalkosten. Ein sogenanntes Personalfluktuationskonzept sieht etwa vor, Zeitverträge auslaufen zu lassen, durch Ruhestand frei werdende Stellen zeitweise nicht zu besetzen. "Wir können nicht an jeder Stelle schrauben, aber alle Bereiche müssen ihren Beitrag im Schulterschluss leisten", sagt Magyar. "Das Ensemble ist ausgeblutet, wir wollen ja die Qualität des Programms erhalten. Wenn man die Preise erhöht, braucht man einen Spielplan, der das auch rechtfertigt." Betroffen seien aber nicht nur Verwaltung und Technik, es wird drei Ausstattungsassistenten weniger geben, zwei Chorstellen werden wegfallen. Künftig werde man noch genauer prüfen, ob Produktionen von einem anderen Theater übernommen werden können. Und Verkaufsschlager wie "Rocky Horror Show", "Black Rider" oder "My Fair Lady" werden unverzichtbar. Magyar betont, dass die Einsparungen vorübergehend seien. Ziel ist es, das Personal wieder aufzustocken, wenn über die Zeit nach 2020 verhandelt wird.

Sorge bereitet den Theaterleuten der Stand der Bühnentechnik in Krefeld. Bereits zur umfassenden Gebäudesanierung waren eine neue Ober- und Untermaschinerie notwendig gewesen. Damals waren nur Brandschutzmaßnahmen umgesetzt und die marode Fassade erneuert worden. "Wir wollen keine komplette Untermaschinerie", sagt Magyar: Steuerung, Brems- und Antriebtechnik kostet an die 800.000 Euro. "Die sollen schnell in den Haushalt eingestellt werden", sagt Magyar. Denn um das Haus während des Einbaus nicht schließen zu müssen - was Einnahmeverlust bedeutet - sollen die Arbeiten auf mehrere Theaterferien verteilt werden. "Das muss man früh planen und mit den Fachleuten Verträge schließen", so der Geschäftsführer. Denn alle Theater haben gleichzeitig Sommerpause - und wollen dann Arbeiten erledigen lassen.

Quelle: RP
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