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Krefeld
Thema Westwall dominierend bei Mobiler Chefredaktion

Krefeld: Thema Westwall dominierend bei Mobiler Chefredaktion
FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Es war das große Thema bei der Mobilen Chefredaktion auf dem Westwall-Markt: die Sperrung des Karlsplatzes vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum. Tiefbau-Fachbereichsleiter Könner stellte erstmals detailliert die Pläne für den Platz vor - eine Überraschung.

Themen gab es genug bei der Mobilen Chefredaktion auf dem Westwall; Leser der Rheinischen Post nutzten die Gelegenheit, um dem Stellvertretenden RP-Chefredakteur Horst Thoren oder dem Krefelder Redaktionsleiter Jens Voß Lob, Tadel, Wünsche und Kritik mitzuteilen. Das überragende Thema aber war - dem Orte angemessen - die Frage, ob der Karlsplatz für den Verkehr geschlossen werden soll oder nicht. Auch die neue Leiterin des Kaiser-Wilhelm-Museums (KWM), Katia Baudin, stellte sich der Diskussion mit den Gegnern der Schließung. Verblüffend war dann der Plan, den der Leiter des Fachbereichs Tiefbau, Hartmut Könner, erläuterte: So detailliert hat man das öffentlich noch nicht gehört. Der Clou: Der Platz vor dem Museum soll von Hauswand zu Hauswand, vom Museum bis zur gegenüberliegenden Häuserfront, einheitlich gestaltet werden. Dieser Plan interessierte erst einmal alle - und dann flammte um den gelben Stehtisch am Stand der Mobilen Chefredaktion die Debatte wieder auf.

"Wir werden niveaugleich bauen. Es wird keine Bordsteine mehr geben. Alles erhält die Betonsteinplatten mit der Edelstahl-Bänderung", erläuterte Könner. Das heißt, die Fußgänger werden direkt vor dem Museum als auch an der anderen Seite über dieses neue Pflaster laufen, und auch die Fahrzeuge, die den Westwall von der Marktstraße befahren, rollen über diese Pflasterung. "Das betrifft ja nicht nur den Vorplatz, sondern die ganze Straße und sogar den rückwärtigen Teil des Museums", lautet ein erstaunter Ausruf.

Freundlicher Zwist: CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld (contra Schließung des Karlsplatzes vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum) diskutiert mit Tiefbauamtsleiter Könner (pro Schließung des Karlsplatzes). FOTO: Lammertz Thomas

In der Debatte um Schließung oder Öffnung des Karlsplatzes blieben die Fronten verhärtet. "Dann könnte doch auch der Bereich direkt vor dem Museum in Richtung Marktstraße wieder freigegeben werden", warf Siegfried Leigraf von der Bürgergesellschaft Mitte ein. Eine abwehrende Handbewegung von Könner war die Antwort, und auch Museumsleiterin Baudin schüttelte den Kopf. "Wir wollen eine Situation schaffen, in der sich die Museumsbesucher willkommen fühlen", sagte sie, "der Platz spielt dabei eine wichtige Rolle. Autos stören nicht nur, sie gefährden auch die Besucher." Baudin warnte vor einer Bunkersituation, würde der Karlsplatz für den Verkehr freigegeben werden.

In den Augen von Blanche Mohr, die auf der Blumenstraße wohnt, schafft hingegen gerade die Sperrung den Bunkereffekt. Die Anwohnerin wirft der Stadt vor, nicht umfassend nachgedacht zu haben: "Ich vermisse ein Konzept für Wohnen rund ums Museum."

Wichtige Beigabe für vormittägliche Debatten: Die RP lud Gäste und Diskutanten zu einem Kaffee ein, der vom "coffee-bike" in der Markt-Nachbarschaft kam. FOTO: Lammertz Thomas

Ursprünglich sollte auch der Innenhof des Museums wie der Platz gestaltet sein, doch gibt es bauliche Probleme, wie Könner berichtete - eine flammend neue Information: "Unter dem Innenhof ist ein Keller. Die Kellerdecke ist dünn, und es muss von der Statik her überprüft werden, ob sie neu bepflastert werden kann", sagte er. Er verwies noch kurz auf die geplanten Zebrastreifen und Barrierefreiheit im Bereich Westwall/Marktstraße, bevor die Debatte wieder hin und her wogte: Es kommen an Argumenten der Vorwurf, 20 Millionen Euro würden zum Fenster hinausgeworfen; der Verdacht, dass die von der Stadt durchgeführten Verkehrszählungen keine Aussagekraft hätten; die Sorge, die Betonierung des Platzes ließe zu wenig Raum für Grün und die Klage, dass weder Stadt noch Politik Interesse daran hätten, mit den Bürgern gemeinsam die Stadt zu entwickeln. CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld plädierte noch einmal eindringlich für eine Moderationsrunde aller Beteiligten, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Hans Dieter Peschken, Anwohner des Westwalls, gehörte zu denen, die sich klar für die Schließung des Karlsplatzes aussprachen.

Die Geschwister Sabine und Ralph Höntzsch, Anwohner des Museums, warfen die Frage auf, ob die aus dem Stadtumbau West kommenden Fördergelder überhaupt für die Maßnahme gerechtfertigt sind, weil der Erhalt der Wälle eine Auflage sei und mit der Sperrung dagegen verstoßen werde. Jürgen Wagner von der FDP sprach von einer Machtdemonstration in der Ratssitzung. "Argumente haben keine Rolle gespielt. Rot-Grün hat nur Macht ausgespielt", so sein Vorwurf.

Dieser Plan elektrisierte die Gäste: Tiefbauamtsleiter Könner erläutert die Platzgestaltung. Der Aha-Effekt: Das Platzmuster soll sich von Hauswand zu Hauswand erstrecken. FOTO: Lammertz Thomas

Enttäuscht war auch Heinz Fladt von den Anliegern. "Wir haben keine Möglichkeit zu diskutieren. Die Interessen der Bürger werden nicht wahrgenommen", lautete sein Fazit. Wettingfeld bekräftigte seine These, dass durch die Sperrung eine Störung der Verkehrsnetze erfolge, die weitere Auswirkungen haben werde. "Man kann den Westwall nicht alleine betrachten. Alles hängt zusammen, und wir können uns eine Dauersperrung nicht erlauben", mahnt er.

Am Ende sind sich beide Seiten nicht näher gekommen.

Quelle: RP
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