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Krefeld
Tiefe Freude am Freiwilligen Sozialen Jahr

Krefeld: Tiefe Freude am Freiwilligen Sozialen Jahr
Michelle Boganowski und Lukas Lipperheide mit dem zehnjährigen Luca beim Schaukeltraining zur Förderung der Koordinierungs- und Wahrnehmungsfähigkeit. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Michelle Boganowski und Lukas Lipperheide gehören zu den 20 Freiwilligen, die an der Gerd-Jansen-Förderschule ein Jahr lang auch schwerstbehinderten Kindern zur Seite gestanden haben. Sie schildern Aufgaben und Erfahrungen. Von Jochen Lenzen

Im vergangenen Jahr besuchte Michelle Boganowski, Abiturientin des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums, eine Freundin, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Gerd-Jansen-Förderschule am Luiter Weg absolvierte, und begleitete sie an einem Arbeitstag. Am Ende des Tages wandte sie sich die 18-Jährige an Sabine Keller, die stellvertretende Schulleiterin, und fragte, ob sie für nächstes Jahr einen Platz frei habe. "So eine spontane Reaktion habe ich ganz selten erlebt und habe sofort zugesagt", erzählt Keller, die an der Schule für alle "helfenden Hände" - auch aus dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) - zuständig ist.

"Ich wollte einen Einblick in den sozialen Bereich bekommen, weil ich mir noch unsicher über meinen künftigen Beruf war", sagt Lukas Lipperheide. Die Schwester des 19-Jährigen Kamp-Lintforters hatte im Vorjahr ihr Freiwilliges Soziales Jahr an der Gerd-Jansen-Schule absolviert. "Außerdem kenne ich einen der Schüler, den Sohn einer Freundin meiner Mutter, schon lange", erklärt er seinen Weg zu der Schule des Landschaftsverbands Rheinland, an der insgesamt 20 junge Leute ein solches Jahr absolvieren. "Wir haben 21 Klassen und wollen erreichen, dass wir jedes Jahr für jede Klasse wenigstens einen Helfer aus den Reihen des FSJ und des BFD haben", sagt Sabine Keller. Die Aufgaben von Michelle Boganowski in der Unterstufe und Lukas Lipperheide in der Mittelstufe sind weitgehend gleich: Zuerst holen sie die behinderten Kinder von den Bussen auf dem Schulhof ab und helfen beim Ausziehen und Leeren der Schultaschen. Dann werden die Klassen, für die je zwei Lehrkräfte zur Verfügung stehen, geteilt. Gemeinsam mit einer Lehrkraft betreuen die FSJler die Schwerstbehinderten, die dem Unterricht nicht folgen können, vor allem beim Sport, beispielsweise Rolli-Fahrern beim Walken in einem Laufgestell, und bei musikalischem Tun. Zusätzlich unterstützen sie Schüler bei der Einzelförderung, wie zum Beispiel beim Treppentraining oder beim richtigen Umgang mit Rollstühlen. Darüber hinaus helfen sie beim Frühstück und Mittagessen mit dem Zubereiten und Anreichen der Speisen, füttern die Schüler, begleiten sie auch beim Gang zur Toilette. Nachmittags, in der Freizeit, wird dann den Wünschen der Kinder gemäß gemeinsam gespielt oder gemalt. Einmal pro Woche steigen die FSJler mit den Schülern auch ins Schwimmbecken, um ihnen dort Hilfestellung zu leisten. Vor- und nachher helfen sie beim Umziehen und unter der Dusche.

"Ich empfinde die Resonanz und die Dankbarkeit der meist sehr emotionalen Schüler bis hin zur Umarmung als sehr positiv", sagt Lukas Lipperheide. "Eine gewisse Distanz soll und muss man natürlich einhalten", ergänzt Michelle Boganowski, die die "schöne Erfahrung und das gute Gefühl" mit ihrem FSJ-Kollegen teilt: "Man merkt irgendwann, wie sehr man an den Kindern häng und wie sich eine emotionale Beziehung aufbaut. Man freut sich insbesondere über Lernerfolge und nicht zuletzt über die Erfahrung, dass man selbst etwas Positives bewirken kann."

Während Lukas Lipperheide noch nicht entschieden hat, was er studieren möchte, steht für Michelle Boganowski nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr an der Gerd-Jansen-Schule fest: "Ich werde auf jeden Fall Sonderpädagogik studieren."

Quelle: RP
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