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Kr wie Krefeld
Tierheim - der Skandal, der keiner war

Das ist das Tierheim in Krefeld
Das ist das Tierheim in Krefeld FOTO: vdp
Meinung Der Privatsender Vox hat das Tierheim an den Pranger gestellt - offenbar zu Unrecht. Dahinter steht auch Tierliebe, der ein wichtiges Moment von Liebe fehlt: Nüchternheit. Von Jens Voss

Nach allem, was bekannt ist, ist der Vorwurf gegen das Tierheim, dort seien Tiere gesetzeswidrig getötet worden, nicht haltbar. Der Privatsender Vox hat sich viel Mühe gegeben, eine Anklage zurechtzuzimmern, bis hin zu so seltsamen Einfällen, die beiden Kronzeuginnen der Anklage - zwei ehemalige Mitarbeiterinnen des Tierheims - auf einem Parkplatz zu treffen. Das wurde eigens betont, als müsse man sich konspirativ im Geheimen treffen. So ein Quatsch.

Die TV-Reportage hat wichtige Dinge nicht benannt - zum Beispiel den simplen Umstand, dass die Stadt die Vorwürfe kannte, sie geprüft hat und für haltlos hält. Besonders seltsam waren die unterschiedlichen Versionen über den Charakter des (eingeschläferten) Rottweilers Tyson. Die beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen des Tierheims beschrieben den Hund als kinderlieb; laut Tierheim hat der Hund drei Menschen gebissen, auch ein Kind. Demnach was Tier unberechenbar, eine Gefahr. Man muss schon nur sehen, was man sehen will, wenn man das ausblendet. Ähnlich ist es wohl mit den Katzen, die oft verwildert und schwerkrank im Tierheim landen. Ob man ein Tier von solcher Qual erlöst oder nicht, gehört zum Ermessensspielraum eines Tierarztes. Es gibt keinen belastbaren Hinweis, dass dieser Spielraum im Tierheim nicht verantwortungsvoll genutzt wird.

Der Part der Verantwortungslosigkeit liegt in beiden Fällen nicht beim Tierheim, sondern ganz woanders: Bei Tierhaltern, die einen Hund zum Beißer machen oder Katzen in eine Stadtwildnis entlassen, wo ein gnadenloser Kampf ums Überleben wartet.

Tierquäler-Fälle in NRW FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Nicht das Tierheim gehört auf die Anklagebank, sondern Tierbesitzer, die sentimentale Aufwallungen mit Tierliebe verwechseln und unfähig sind, ein Tier zu halten. Dazu gehört neben Wärme für Mitgeschöpfe auch nüchternes Wissen über ihre Bedürfnisse. Ach ja, und der Wille, sich dauerhaft um ein Tier zu kümmern, das man in seine Obhut nimmt.

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