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Krefeld
Tischler-Prüfung an der Theke

Krefeld: Tischler-Prüfung an der Theke
Der 20-jährige Mike Hermanns baut eine Theke als Gesellenstück. Er hat noch zwei Tage Zeit, um das Möbel bis zum Abgabetermin fertigzustellen. Die Einzelteile liegen vor, müssen nur noch zusammengebaut werden. FOTO: samla
Krefeld. Der 20-jährige Mike Hermanns von der Schreinerei Lohmann arbeitet zum Abschluss seiner dreijährigen Lehre an seinem Gesellenstück: einer Theke. Das Möbel ist vom 28. Juni bis zum 4. Juli im Foyer der Volksbank ausgestellt. Von Norbert Stirken

Mike Hermanns hat in seinem jungen Leben nur ein berufliches Ziel verfolgt: Seitdem er zwölf Jahre alt ist und die sechste Klasse besucht hat, steht für den heute 20-Jährigen fest, dass er Schreiner werden will. Hermanns sagt Schreiner, obwohl die offizielle Bezeichnung seit geraumer Zeit Tischler ist. Solche Äußerlichkeiten spielen für den Auszubildenden der Schreinerei Lohmann an der Weyergrafstraße keine Rolle. Er konzentriert sich aufs Wesentliche und bekommt dafür die Anerkennung des Meisters und der Kollegen. Gerald Benz (52), Geschäftsführer und Inhaber der Schreinerei, hat sich das Handwerkstalent direkt für seinen Betrieb gesichert und ihm einen Arbeitsvertrag für die Zeit nach der Gesellenprüfung angeboten.

Hermanns hat noch zwei Tage Zeit, dann muss er sein Gesellenstück zur Begutachtung und Benotung abgeben. Der Hauptschüler baut eine 2,20 Meter lange, 85,5 Zentimeter tiefe und 1,15 Meter hohe Theke in Eiche-Optik mit Tresen und Arbeitsplatte aus weißen Mineralwerkstoffplatten der Marke GetaCore. Die lassen sich mit Spezialleim so verbinden, dass keine Stoßkante mehr sichtbar ist. "Dazu muss man schleifen, schleifen und noch mal schleifen", berichtet der Prüfling, dessen Arbeit vom 28. Juni bis zum 4. Juli im Foyer der Volksbank in Krefeld ausgestellt ist.

Ansichten und Querschnitte liefern einen maßstabsgerechten Plan vom Möbelstück. FOTO: samla.de

Die Fußstütze aus gebürstetem Edelstahl hat er in einem Fachbetrieb bestellt, die Spanplatten selbst mit Furnier beklebt. Das habe er zuvor geschnitten, gefügt, verleimt und gepresst, erklärt Hermanns die einzelnen Schritte. In der Theke ist eine Edelstahlspüle eingebaut. Die Unterschränke bieten Platz für Mülleimer und Schubladen aus Massiv-Eiche sowie einen Kühlschrank. Die Schubladen mit sogenannten Schwalbenschwänzen - eine klassische Holzverbindung - sind in den Prüfungen fast schon Pflichtprogramm. "Das ist quasi ein Symbol für deutsches Traditionshandwerk", sagt Benz, der selbst Mitglied im Prüfungsausschuss ist und die Schreinerei Lohmann GmbH vor 15 Jahren übernommen hat.

Hermanns hat seinen mit mehreren Tischler-Praktika während der Schulzeit begonnenen beruflichen Weg gemacht. Der Chef lobt die schnelle Auffassungsgabe, sein handwerkliches Geschick, seinen Teamgeist und die gute Qualität seiner Arbeit. Davon können sich die Prüfer und das Publikum in der Volksbank demnächst überzeugen und das ungefähr fünf Zentner schwere Möbel in Augenschein nehmen. "Vier Mann, vier Ecken", so lautet Hermanns' Strategie für den Transport aus der Werkstatt hinaus - ganz der Teamplayer.

Die Schwalbenschwänze sind eingezeichnet und müssen ausgesägt werden. FOTO: samla.de
Quelle: RP
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