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Krefeld
Tischlerhandwerk: Auszubildende erfinden Küchenutensilien aus Holz

Krefeld. Wooden Cooking heißt der Wettbewerb fürs Tischlerhandwerk im Berufskolleg Glockenspitz, an dem 21 Auszubildende aus 19 Betrieben teilgenommen haben. Von Henning Rasche

Das sieht ja sehr schick aus, was Marc Buchholz dort in der Hand hält. Aber was, um Himmels Willen, ist das? Es ist ein Block aus dunklem Holz, recht kompakt, mit einer hellen Platte darauf. Ein Rechteck, etwa 40 mal 20 Zentimeter, vielleicht etwas größer. Buchholz weiß natürlich, was das ist. Er lächelt vergnügt und sagt: "Ein Topfuntersetzer." Eine erstaunlich simple Erklärung. Dabei sind die Metallstreben auf der Innenseite genauso erstaunlich wie der Umstand, dass es überhaupt eine Innenseite gibt. Der Topfuntersetzer lässt sich nämlich aufklappen.

Zwei Tage lang hat Marc Buchholz, der 25 Jahre alte Tischlerlehrling im zweiten Ausbildungsjahr, an dem hölzernen Teil gearbeitet - das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur der Laie empfindet so, sondern auch die Tischlerinnung Krefeld und Buchholz' Schule, das Glockenspitz-Berufskolleg. Sie zeichneten Buchholz im Rahmen der 14. Lernortkooperation mit dem ersten Platz in beiden Kategorien "Gute Form" und "Fertigungsqualität" aus. Der ausklappbare Topfuntersetzer überzeugte die Jury vollständig.

Die Berufsschüler sollten ihr theoretisches Wissen innerhalb einer Woche auf seine praktische Tauglichkeit prüfen. Zwei Tage hatten sie Zeit, ein Objekt zum Thema "wooden cooking" (etwa: Kochen mit Holz) zu entwerfen und zu planen. Dazu gehören etwa Zeichnungen, Materiallisten oder Arbeitsablaufpläne. An den beiden folgenden Tagen mussten sie mit dem Material in ihren Ausbildungsbetrieben ein kleineres Tischlereiprodukt zusammenbauen. 21 Berufsschüler aus 19 verschiedenen Betrieben haben mitgemacht; drei wurden ausgezeichnet.

Mit seinem Werk hat Sebastian Blechert sich daran gemacht, ein zentrales Problem des gut ausgestatteten Hobbykochs zu lösen. Wer seinen Messerblock nämlich nicht auswendig kennt und auch nicht weiß, in welches Loch er zuletzt Brot- oder Obstmesser gesteckt hat, der ergreift regelmäßig das falsche. Die einfache Lösung von Berufsschüler Sebastian Blechert: ein transparenter Messerblock. Damit hat er den zweiten Rang im Wettbewerb um die "Gute Form" belegt. Der 19-Jährige kocht selbst gern und hat das Problem somit auch für sich selbst gelöst. "Er ist auch nicht ganz so klobig wie andere Blöcke", merkt er an.

Fünf Messer passen hinein, das reicht für den Hausgebrauch. Blechert sagt, dass er schon zügig habe arbeiten müssen, um das Produkt innerhalb von zwei Tagen zu fertigen. "Vorgabe war, dass man das innerhalb von 16 Stunden locker schafft, also ohne Überstunden", erzählt er. Deswegen seien die Ergebnisse auch nicht bis ins allerletzte Detail ausgefeilt, sondern mehr eine Art sehr guter Prototyp.

Für Joshua Weghs, dem der dritte Platz vorbehalten ist, gehört Wein ganz offenbar zu inspirierenden Dingen des Lebens. Sein gebogenes Weinregal kann nicht nur Weinflaschen beherbergen, sondern gleich auch die passenden Gläser dazu und den Korkenzieher. Sein Regal soll an der Wand hängen, aber nicht direkt daran, sondern leicht versetzt - damit das luftiger aussieht, erläutert der 22-Jährige. "Es ist rund und asymmetrisch, das ist modern", sagt Weghs.

Olivesche hat Weghs als Holzart gewählt und die Farben durchmischt. Dunkles und helles Holz wechseln sich ab. "Das sieht hübsch aus", findet Weghs, der neugierig auch die Werke der anderen beiden Sieger begutachtet und lobende Worte für sie findet.

Wie teuer wäre eigentlich so ein Unikat? Marc Buchholz hat all das mal mit seinem Ausbilder zusammen kalkuliert. Mehr als 400 Euro müssten sie für das Unikat nehmen, um Arbeitsaufwand, Material und Idee zu refinanzieren. "Wer gibt das schon für einen Topfuntersetzer aus?", fragt er und lacht. Er nimmt das Unikat erstmal zu sich mit nach Hause. Dass er es irgendwann in Serienproduktion gibt, ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Quelle: RP
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