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Krefeld
Toeller krempelt Konzern-Führung um

Krefeld: Toeller krempelt Konzern-Führung um
"Ich habe gute Leute ins Unternehmen geholt, die in bestimmten Bereichen auch besser sind als ich": Fressnapf-Gründer Torsten Toeller. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Fressnapf-Gründer Torsten Toeller hat bekanntgegeben, dass er das operative Geschäft in seinem Konzern aus der Hand gibt - er bleibt aber Vorsitzender des Verwaltungsrats. Folgt man Toellers Spuren: ein konsequenter Schritt. Von Jens Voss

Wenn ein Volle-Pulle-Mann etwas aus der Hand gibt, wird man hellhörig. Und Torsten Toeller ist ein Volle-Pulle-Mann. 2010 fasste das Unternehmer-Magazin Impulse Toellers Hochzeitsreise so zusammen: Vier Tage Seychellen, fünf Tage Afrika, 48 Stunden Shopping in Dubai - Toeller, auf diese Dichte angesprochen, lachte und sagte: "Immer volle Pulle." Er ist ein Mann, der einen Milliarden-Konzern aufgebaut hat; seine Körpersprache erzählt viel, nur nicht von Müdigkeit, er ist gerade einmal 50 Jahre alt - und jetzt gibt er die Geschäftsführung aus der Hand. Warum?

Toellers Antwort, mitgeteilt über eine Erklärung des Unternehmens: "Ich werde künftig weniger im, sondern vielmehr am Unternehmen und seiner gesamtstrategischen Ausrichtung arbeiten." Die Weitergabe der operativen Entscheidung an ein Geschäftsleitungsgremium sei "ein folgerichtiger Schritt für die Weiterentwicklung von Fressnapf".

Was ist geplant? Zum 1. Oktober wird Alfred Glander Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO), Hans-Jörg Gidlewitz verantwortet unverändert als kaufmännischer Geschäftsführer (CFO) die Bereiche Finanzen, IT und Personal. "Die beiden Geschäftsführer werden von neun weiteren Führungskräften unterstützt. Dieses Geschäftsleitungsgremium verantwortet das gesamte operative Geschäft", heißt es weiter. Die beiden bisherigen Geschäftsführer Folkert Schultz und Marc Lukies übernehmen andere Aufgaben im Konzern. Toeller bleibt Vorsitzender des Verwaltungsrats. An einen Verkauf ist nicht gedacht. Folgt man Toellers Spuren, darf man sagen: Es gibt da nichts hineinzugeheimnissen; die Entscheidung ist unternehmensgetrieben. Toellers Konzern ist zu groß, um im Tagesgeschäft von einem Mann abhängig zu sein. Dennoch ist es eine bemerkenswerte Weichenstellung, denn Patriarchen pflegen in ihrem Reich nur ungern Führung aus Hand zu geben - und oft genug wird der Griff der starken Hand zum Würgegriff. Toeller will diesen Fehler offenbar vermeiden.

Dabei folgt er eigentlich nur seiner eigenen Maxime. Dem "Handelsblatt" gegenüber nannte er einmal Karrieretipps; einer lautete: "Tu ausschließlich Dinge, die du besser kannst als alle anderen. Konzentriere dich aufs Wesentliche, alle anderen Aufgaben überlass den Experten auf ihrem Feld." Nichts anderes hat er nun getan.

Dass Toeller ein exzellenter strategischer Kopf ist, hat er durchschlagend bewiesen. Er wurde in Köln geboren, machte das Abitur, eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, studierte Betriebswirtschaftslehre. 1990 gründete er in Erkelenz mit einem 50 000-DM-Darlehen seiner Eltern das Unternehmen Fressnapf - inspiriert von einer Amerika-Reise und dem US-Konzept der Pet-Stores (von englisch pet, Haustier). Heute gehören zum Unternehmen 1.400 Fachmärkte in elf europäischen Ländern und mehr als 10.000 Beschäftigte. In Krefeld beschäftigt Fressnapf rund 600 Mitarbeiter in der Verwaltung sowie 400 in der Logistik. Der "Spiegel" beschreibt ihn als "harten Hund" - was immer das genau bedeutet. Seinen Mitarbeitern gegenüber setzt Toeller jedenfalls erklärtermaßen mehr auf Motivation als auf Härte. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" sagt er: "Ich bin ja Unternehmer und muss meine Mitarbeiter begeistern. Wissen Sie, es muss einen Sinn haben, was wir hier machen. Und der Sinn sind nicht zwei Milliarden Euro. Deshalb sage ich: Wir sind verrückt nach Tieren und Tierhaltern, wir machen was Gutes für die Tiere und die Gesellschaft." Ein Unternehmer bewahrt sich den Sinn für sein Produkt - das mag gerade bei Erfolg schwieriger sein, als es der Klang nach Binsenweisheit glauben macht.

Immerhin: Der gleiche "Spiegel" schreibt wenige Zeilen später über den gleichen Mann: "Wo Toeller im Wettbewerb ein harter Hund ist, gibt er sich seinen Mitarbeitern fürsorglich. Die Gewerkschaften haben noch nie Alarm geschlagen, wie bei anderen Discountern von Kik bis Lidl.

Seine Belegschaft zahlt Fressnapf übertariflich, in die Zentrale darf jeder Mitarbeiter sein Tier mitnehmen, an der Weihnachtsfeier bedienen in den ersten Stunden die Führungskräfte" - Toeller weiß offenbar, wie wichtig Mitarbeiter sind, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren.

Wichtig für Krefeld ist: Die Umstrukturierung leitet keinen Verkauf ein; Toeller bleibt der Mann auf der Brücke, der darauf vertraut, dass die Leute im Maschinenraum gute Arbeit leisten. "Ich glaube," sagte er der Frankfurter Rundschau, "es ist meine Stärke, bodenständig zu sein, logisch zu denken und möglichst viel und schnell zu lernen. Ich kann Menschen begeistern. Und ich habe gute Leute ins Unternehmen geholt, die in bestimmten Bereichen auch besser sind als ich. Da hatte ich nie ein Problem mit."

Die nächsten Ziele: Fressnapf will die Zahl seiner Filialen in den kommenden fünf Jahren nahezu verdoppeln. Geplant sei ein Ausbau von derzeit rund 700 Läden auf künftig weltweit 1400 Geschäfte, kündigte ein Unternehmenssprecher gestern an. Neben den 700 eigenen Geschäften gehören zu der Kette derzeit etwa 700 Franchiseläden, die von selbstständigen Vertragspartnern geführt werden.

Quelle: RP
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