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Krefeld
Trainieren mit Arnies Muskelmaschine

Krefeld: Trainieren mit Arnies Muskelmaschine
Im "Old School Gym" an der Ritterstraße wird für eine gute Figur kräftig geackert. Wer hier einen Zumba-Kursus sucht, der wird nicht fündig. Dafür gibt es viele Maschinen, Gewichte und eine familiäre Atmosphäre. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das "Old School Gym" gibt es seit 1985 - trainiert wird wie zu Arnold Schwarzeneggers besten Zeiten. So ist der Fitness-Verein sogar im Besitz einer Bizepsmaschine, an der der Meister selbst trainiert haben soll. Von Bärbel Kleinelsen

Stahl und Eisen auf engstem Raum, chromblitzende Trainings-Maschinen, schwarze Gewichte, verspiegelte Wände. Dazwischen Bilder von muskelbepackten Menschen. Die Ansage ist klar: Wer hier eintritt, der will sich quälen, seinen Körper mit Hilfe von Gewichten formen, im Schweiße seines Angesichts hart an jeder einzelnen Muskelgruppe arbeiten. "Ohne Schwitzen geht es nicht",sagt Klaus Piel. Seit 31 Jahren ist der 59-Jährige Hausherr im "Wohnzimmer des Bodybuildings", wie er sein kleines Fitness-Studio an der Ritterstraße nennt.

Das "Old School Gym" ist mehr als nur ein Fitnessverein. Es ist ein Gegenentwurf zu den großen Fitness-Ketten, die überall aus dem Boden sprießen und mit ihren umfassenden Angeboten kleinen Studios das Überleben fast unmöglich machen. "Leben können wir von unserem Studio auch nicht. Es ist ein ambitioniertes Hobby, mehr nicht", sagt Piel, der das Gym mit Sohn Sebastian führt. Der 23-Jährige ist in diese Berufung hineingewachsen. Mit seinem Bruder verbrachte er ungezählte Stunden in den Trainingsräumen, sah den starken Männern beim Heben der Gewichte zu und war schon früh Teil der Bodybuilder-Familie.

"Es gibt viele, die bereits als Kinder mit ihren Eltern hier waren, und nun selbst trainieren. Inzwischen haben wir sogar schon die Erste der dritten Generation, quasi eine Enkelin, bei uns", berichtet Piel, der seine eigene Bodybuilder-Laufbahn im legendären Club von Eric Mancy auf der Hochstraße begann. "In den 70er Jahren war das die Bodybuilder-Hochburg schlechthin. Aus dem ganzen Umland kamen die Leute, um bei Mancy zu trainieren", erinnert sich Piel. Auch Zbigniew Brzezinski, genannt "Joschi", war damals dabei. Der gebürtige Pole hatte bereits in seinem Heimatland mit dem Training begonnen. Als er 1978 nach Deutschland kam, fing er bei "Mancy" an und wechselte später zum "Old School Gym". "Es macht Spaß, mit so vielen verschiedenen Typen zu trainieren. Die Atmosphäre ist gut", lobt der 60-Jährige. Neben dem "Power Gym" in Uerdingen ist das Studio von Piel das einzige in Krefeld, in dem man sich "noch kennt und grüßt", wie der Hausherr es ausdrückt. Er legt bei der Auswahl der Vereinsmitglieder Wert auf Umgangsformen und Toleranz. "Wir haben hier viele verschiedene Nationalitäten und viele verschiedene Trainingsvarianten. Wer damit nicht klar kommt, der passt hier nicht hin." Ein Club aus 25 Bodybuilding-Begeisterten gründete 1985 das "Old School Gym". Heute gehören rund 30 Mitglieder zum harten Kern, viele davon sind seit den Anfangsjahren dabei. Gemeinsam sparen sie auf neue Geräte, um das Training zu optimieren.

Dieses Bild von Schwarzenegger hängt im "Gym". FOTO: Lammertz

Doch auch ganz alte Schätzchen stehen im Studio, die es heute gar nicht mehr zu kaufen gibt. So wie die Bizeps-Maschine aus den 60er Jahren, an der angeblich schon Arnold Schwarzenegger trainiert hat, damals, als das Gerät noch in München und "Arnie" am Anfang seiner Karriere stand. Belegt ist das Training von Ralf Möller, der diese Maschine bei seinem Besuch in Krefeld bewegt hat. "Es gab schon einige, die uns das Gerät abkaufen wollten. Aber davon trennen wir uns natürlich nicht. Dazu ist die Maschine auch zu gut", sagt Piel. Zwischen 17 und 70 Jahre alt sind die Figurbewussten, die an der Ritterstraße ein- und ausgehen - darunter deutlich mehr Männer als Frauen. Sie werden beim Training begleitet, bekommen Anleitungen und Ernährungstipps. Denn das, was so mancher unter gesunder Ernährung versteht, lässt Piel die Haare zu Berge stehen. "Ich hatte schon ein schwergewichtiges Ehepaar, das nicht wusste, warum es einfach nicht abnahm. Bis ich zufällig mitbekommen habe, dass sich die beiden um die 15 Schokoriegel pro Tag genehmigen, weil die ja angeblich so leicht sind, dass sie in Milch schwimmen", erinnert sich der 59-Jährige und schmunzelt. Auch Martin Kempa muss lachen. Der 18-jährige Vera-Beckers-Schüler der Fachrichtung Gesundheitswesen ist selbst ambitionierter Sportler und macht zurzeit bei Klaus Piel sein Praktikum. Normalerweise trainiert er in einer Kette, aber: "Hier gibt es viele verschiedene Geräte, darunter einige, die es in den großen Fitness-Centern nicht gibt." Experte Piel behauptet, die Unterschiede zwischen Kette und Gym an den Körpern der Trainierten zu erkennen. "Die, die in der Kette trainieren, machen oft immer dieselben Übungen und vernachlässigen dadurch wichtige Muskelgruppen. Sie haben vielleicht dicke Arme oder einen flachen Bauch, aber ganz dünne Beine. So was ist nicht gesund. Auch Kardio-Training ist enorm wichtig für Kreislauf und Kondition."

Und noch ein Hinweis auf mangelhafte Anleitung gibt es: Hautrisse. Piel erklärt: "Risse entstehen, wenn sich beim Muskelaufbau die Haut dehnt, und sind vergleichbar mit Schwangerschaftsstreifen. Und genau wie die, gehen sie auch nicht mehr weg, wenn sie einmal da sind. Deswegen muss die Haut immer gut geölt werden, damit sie elastisch ist und sich dehnen kann."

Wer an seine Grenzen kommen möchte, der wagt sich in den neu eröffneten Keller. Dort stehen die Maschinen, die "richtig wehtun", bei denen man in die Knie geht und seinen Körper bis zur Belastungsgrenze anspannt. Hier trifft man auf die Hartgesottenen, die Profis, die "Eisenfresser". Doch keine Angst vor den gewaltigen Muskelmassen. Auch sie wollen am Ende nur eins: eine Extra-Portion Babyöl.

Old School Gym, Ritterstraße 316, Telefon 0173/6187128, www.old-school-gym.de

Quelle: RP
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