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Krefeld
Transterminal: Bund schwärzt Akten für Hafen

Krefeld: Transterminal: Bund schwärzt Akten für Hafen
Das Vorhaben Transterminal Krefeld ist vorerst gestoppt: Das Eisenbahnbundesamt hat überraschend eine Förderung des Projekts verweigert. Die Hafen GmbH & Co KG hat Akteneinsicht beantragt, um Informationen über die Hintergründe der Entscheidung zu bekommen. FOTO: hafen
Krefeld. Die Krefelder Hafen GmbH & Co KG hat nach der Ablehnung des Eisenbahnbundesamtes, den Ausbau des Linner Hafenbahnhofs mit 35 Millionen Euro zu fördern, bislang erfolglos Einsicht in die Unterlagen samt Gutachten gefordert. Von Norbert Stirken

Hafen ist Wasser. In Krefeld nicht unbedingt. Dort ist Hafen auch Eisenbahn. Die Rheinhafen GmbH & Co KG hat ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und macht damit gute - ja sehr gute Geschäfte. Das geplante Transterminal Krefeld (TTK) in Linn würde die Position noch erheblich stärken. Doch nach einem Einspruch der Hafen-Konkurrenz aus Duisburg hat sich der Bund aus der Förderung des TTK zunächst zurückgezogen.

Was genau dahinter steckt und ob politische Einflussnahme aus den Reihen der Landesregierung eine Rolle spielt, darüber möchten Elisabeth Lehnen und Sascha Odermatt, beide Geschäftsführer des Rheinhafens, durch Akteneinsicht Erkenntnis bekommen. Bislang haben die beiden sie noch nicht gewährt bekommen. Der Antrag sei im Februar gestellt worden, informierte Odermatt im Gespräch mit unserer Redaktion.

So sieht das Areal in Linn aus, das der Hafen gerne zu einem Transterminal umbauen möchte. FOTO: Thomas Lammertz

Das Eisenbahnbundesamt sei derzeit noch damit beschäftigt, schützenswerte Passagen in den Dokumenten zu schwärzen, sagte Odermatt. "Wir wollen auch das Gutachten sehen, das letztlich wohl den Ausschlag gegeben hat, trotz positiver Vorbescheide das Transterminal Krefeld nicht zu fördern", erklärte Odermatt. Die Hafen GmbH & Co KG behält sich nach Auswertung der Akten rechtliche Schritte vor, um vielleicht noch vor Gericht Zugang zu den Fördertöpfen (die Rede ist von 35 Millionen Euro) zu erstreiten. Was die Akten nach der Schwärzung "geschützter und vertraulicher Passagen" durch die Bundesbehörde noch an Erkenntnis liefern, bleibt ungewiss.

Vier Jahre ist es bereits her, dass der Hafen sein bislang größtes Ausbauprogramm der Unternehmensgeschichte vorgestellt hat: Für 50 Millionen Euro soll nach wie vor in Linn ein neuer Hafenbahnhof gebaut werden. "Transterminal Krefeld" nennt die Hafen GmbH das Bauvorhaben. Die Planungen sind weit gediehen. Im Bereich des alten Hafenbahnhofs Linn soll ein neuer Umschlagplatz für Container und Sattelauflieger entstehen. Kräne können dort die Ladungseinheiten vom Zug auf den Lkw befördern oder zwischen Zügen wechseln. Über den Containerterminal am Hafenkopf sind dann auch Transporte mit dem Binnenschiff möglich. Zwei neue Portalkräne sollen auf einer Länge von 720 Metern fahren können, die vier Gleise, auf denen die Züge einfahren sollen, sind jeweils 750 Meter lang.

Viele Transporte der lokalen Industrie und Handelsunternehmen werden derzeit mit Lkw abgewickelt. Mit dem neuen Bahnterminal in Linn wäre der "trimodale Transportmix" in Krefeld möglich - per Schiff, Bahn und Lkw. Die Hafen GmbH, viertgrößter Binnenhafen in NRW, ist bestrebt, möglichst viel dieses Transportverkehrs von der Straße auf die Schiene zu bringen. Solche Projekte werden vom Eisenbahnbundesamt mit bis zu 85 Prozent bezuschusst. Neue Pläne der EU, Lkw-Verkehr in Innenstädten zu reduzieren und sie nie mehr als 300 Kilometer mit Waren fahren zu lassen, sorgen für zusätzlichen Druck in der Branche.

Für das Jahr 2014 muss die Hafengesellschaft die nicht unerheblichen Planungskosten für das Transterminal erst einmal abschreiben. "Das hat uns tüchtig die Bilanz verhagelt", erklärte Geschäftsführerin Elisabeth Lehnen. Operativ sei das Jahr 2014 ein sehr gutes Jahr gewesen. Ohne Sondereinflüsse wäre bei 8,875 Millionen Euro Umsatzerlösen unter dem Strich ein "sechsstelliger Betrag" übrig geblieben, sagte sie. Unter den benannten Umständen dürfte das Jahresergebnis für den Krefelder Rheinhafen einen Verlust ausweisen.

Quelle: RP
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