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Krefeld
Trauer um früheren Intendanten Gropper

Krefeld: Trauer um früheren Intendanten Gropper
Wolfgang Gropper leitete das Theater von 1991 bis 1996. Auch danach war er den Häusern und dem Publikum verbunden. FOTO: Theater KR/MG
Krefeld. Am Pfingstsonntag ist Wolfgang Gropper gestorben. Mit dem Theater hat er turbulente Zeiten erlebt, eine Finanzkrise, aber auch schillernde Inszenierungen. Als Schauspieler war er auch im "Tatort" zu sehen. Von Petra Diederichs

Er konnte poltern, aber meist mit Vorwarnung und selten ohne Versöhnung. Und immer ging es ihm dabei um das Theater. Wenn er da Anfechtungen witterte, schickte sein Temperament die Diplomatie zum Wasser holen. Doch nach dem Sturm stellte Wolfgang Gropper klar: Ein leidenschaftlicher Streit reinigt die Luft. Nicht das persönliche Verhältnis, das trübte kein Disput. Die Grenze zwischen Emotion und Sachlichkeit darf zwar mal eine Zickzacklinie bekommen, aber sie muss halten. Mit seiner Mentalität hat der Bayer sich am Niederrhein nicht nur Freunde gemacht, aber viele tiefe Bindungen geknüpft. Von 1991 bis 1996 war er Generalintendant des Gemeinschaftstheaters. Als er nach fünf Jahren ans Staatstheater Braunschweig wechselte, gab es hier tiefes Bedauern.

Am Pfingstsonntag ist Gropper in seiner bayrischen Heimat gestorben. Nach seiner Intendanz in Braunschweig 2010 war er dorthin zurückgekehrt und arbeitete als freischaffender Regisseur. Er wurde 72 Jahre alt. Gropper glaubte an die Kraft des Theaters, daran, Visionen auf die Bühne zu bringen, die dem Publikum mehr zeigen, als es aus seinem Alltag kennt. Und er vertraute auf die Freiheit der Kunst: Theater, sagte er einmal im Interview, dürfe schockieren und unterhalten, betroffen machen und erheitern, es müsse Stoff zum Nachdenken bieten - nur eines dürfe es niemals: langweilen. So ging Gropper auch seine Arbeit an. Wie sein Vorgänger Eike Gramss und wie Jens Pesel nach ihm hat er sich für den Mix auf der Bühne eingesetzt, fürs Bewahren und Vorweggehen. Er hat die großen Klassiker Shakespeare und Goethe gepflegt. Seine vielfarbige Regie von "Richard III." war bestes Beispiel für seine Empathie mit der er Menschen begegnete - aber auch literarischen Figuren. Und er pflegte die Gegenwartsliteratur, holte Felix Mitterers "Ein Jedermann" als Deutsche Erstaufführung ans Gemeinschaftstheater.

Gropper, 1944 in Prien am Chiemsee geboren, hat Jura studiert. Doch seine große Leidenschaft war das Schauspiel. Er hat selber auf der Bühne gestanden, in den 1980er Jahren auch in Filmen mitgewirkt - zum Beispiel an der Seite von Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt und Jochen Busse in "Kehraus" (1983) oder in einem Münchner "Tatort" mit dem Titel "Schicki Micki" (1985) mit Hannelore Elsner.

In Krefeld hat Gropper das Wackeln der Theaterehe erlebt, sich für die Fusion stark gemacht und auch nach seiner Zeit am Niederrhein Partei für die Häuser ergriffen. Als das Schauspielhaus an der Hindenburgstraße an eine Musical-Firma vermietet wurde, hat er seinem Nachfolger Jens Pesel den Rücken gestärkt und vor dem drohenden finanziellen Fiasko - und dem Theaterverlust - gewarnt.

Den Krefeldern und Mönchengladbachern blieb er verbunden, lobte stets das "äußerst aufgeschlossene einzigartige Krefelder und Mönchengladbacher Publikum". Er hatte nicht vergessen, dass das Publikum in der großen Finanznot ihn mit Engagement im Kampf für den Erhalt des Drei-Sparten-Theaters unterstützt hatte.

Quelle: RP
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