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Krefeld
Trauer um Ulrich Hahnen

Trauer um Ulrich Hahnen
Trauer um Ulrich Hahnen FOTO: Lammertz
Krefeld. Nach langer schwerer Krankheit ist der SPD-Politiker am Samstag gestorben. Hahnen hat seit zwei Jahrzehnten die Politik in Krefeld mitbestimmt. In der Stadt herrschen Bestürzung und Trauer über die Nachricht von seinem Tod. Von Jens Voss

Betroffenheit, Bestürzung und Trauer in Krefeld: Der SPD-Politiker Ulrich Hahnen ist in der Nacht zu Sonntag seiner schweren Krebserkrankung erlegen. Er hatte erst am 4. Januar bekanntgegeben, sein Amt als Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat niederzulegen, weil seine Krankheit und Nebenwirkungen der Therapie es ihm nicht erlaubten, das Amt in vollem Umfang wahrzunehmen. Hahnen ist 2012 an Krebs erkrankt. Er wurde 63 Jahre alt und hinterlässt Ehefrau und zwei Kinder. Freunde und Weggefährten zeigten sich gestern schockiert und fassungslos über die Nachricht. SPD-Parteichef Ralph-Harry Klaer erklärte offiziell für die Partei: "Tief betroffen und mit großer Trauer nimmt die SPD Krefeld diese Nachricht auf. Wir, die Mitglieder der SPD, halten zunächst inne und trauern um den Menschen Ulrich Hahnen. Zu ihm als Menschen und zu seiner Lebensleistung werden wir uns am Montag äußern. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Respekt vor dem Verstorbenen und aus eigenem Bedürfnis diese Reihenfolge einhalten."

Obwohl seit dem Rückzug Hahnens vom Amt des Fraktionschefs klar war, dass es ernst um ihn stand, kam die Nachricht von seinem Tod doch überraschend. Er hatte die erste Therapierunde im Kampf gegen den Krebs sehr gut überstanden und kam kämpferisch wie eh und je auf die politische Bühne zurück. Doch er erlitt einen Rückfall, sprach darüber auch in der Öffentlichkeit - "ich werde diesen Scheiß-Krebs besiegen", sagte er im November gegenüber der WZ. Im gleichen Monat stellte er bei einer Pressekonferenz die Ergebnisse der SPD-Klausurtagung vor, bei der seine Partei die Agenda für die kommenden Jahre festgezurrt hatte. Hahnen zeigte sich beeindruckend tapfer, er wirkte guter Dinge, gelassen, zukunftsorientiert, und man merkte ihm nicht an, dass er gegen eine lebensbedrohliche Krankheit ankämpfte.

Über Facebook teilte er später voller Dankbarkeit mit, dass seine Familie für ihn einen Ausflug ans Meer organisiert hat - dazu gab es ein Foto von ihm im Rollstuhl. Von heute aus betrachtet, wirkt dieser Ausflug wie ein Abschied von einem geliebten Ort: Auf seiner Internetseite gibt Hahnen auf die Frage nach seinem bevorzugten Urlaubsziel "Das Meer" an. Auch beim politischen Mitbewerber hat sich Hahnen über alle Differenzen hinweg Respekt erarbeitet. "Das ist traurig und trifft mich sehr", sagte gestern der CDU-Fraktionschef im Rat, Philibert Reuters, "ich hatte zuletzt einige bewegende Gespräche mit ihm, in denen er sich geöffnet hat. Seiner Familie wünsche ich Kraft und alles Gute."

Roland Schiffer, Parteifreund Hahnens, früherer Kultur- und Sozialdezernent in Krefeld und Hahnen auch persönlich freundschaftlich verbunden, würdigte Hahnen gestern in einem Facebook-Eintrag als "überragende Persönlichkeit" der Krefelder Sozialdemokratie. Hahnen habe die SPD nach einer schwierigen Phase Anfang der 90er Jahre "zur Geschlossenheit geführt und für einen kontinuierlichen Aufwärtstrend gesorgt. Er hinterlässt eine riesige Lücke".

CDU-Fraktionschef Reuters berichtete, Hahnen habe sich in den vergangenen Wochen in einer Reihe von intensiven und bewegenden Gesprächen menschlich geöffnet. "Dabei hat er eine weiche Seite und eine Herzensgüte gezeigt, die im politischen Alltag nicht so oft aufblitzte", sagte Reuters. "Er war ein Kämpfer, er hat sich bis zuletzt an jedes Hoffnungsglimmen gehalten und der Krankheit die Stirn geboten. Es ist sehr traurig, dass er diesen Kampf nun doch verloren hat." Reuters würdigte auch Hahnens positive Rolle bei den jüngsten, sehr schwierigen Haushaltsverhandlungen, die schließlich zu einem Kompromiss und einer - bei dem Thema für die Akzeptanz wichtigen - breiten Mehrheit mit SPD, CDU und Grünen geführt hatten. "Er war absolut verlässlich und partnerschaftlich", sagte Reuters.

Hahnen wurde am 10. Mai 1952 geboren. In die SPD trat er 1969 wegen der Ostpolitik Willy Brandts ein. Seit 1994 war er SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat und zog im Mai 2010 direkt gewählt auch in den Düsseldorfer Landtag ein. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die SPD in Krefeld Zug um Zug immer stärker wurde, bis sie zuletzt die Fraktion mit den meisten Wählerstimmen war und bei der Anzahl der Sitze im Rat mit der CDU gleichzog. Zweimal war Hahnen Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei und verlor zuletzt mit hauchdünnem Rückstand von rund 400 Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Gregor Kathstede.

Mit seinem Verzicht auf eine dritte Kandidatur ebnete Hahnen danach den Weg für einen Machtwechsel im Rathaus, indem er seinem Parteifreund Frank Meyer die nächste Kandidatur überließ.

Hahnen starb als amtierender SPD-Fraktionsvorsitzender - er wollte dieses Amt zum heutigen Tag niederlegen; seine Fraktion hatte angekündigt, heute auch einen Nachfolger zu bestimmen. Aus der Partei verlautete gestern, dass es bei diesem Zeitplan bleibe - schweren Herzens und mit Respekt vor Ulrich Hahnen, denn er selbst hatte diesen Zeitplan gewollt und seine Nachfolge mit großer Disziplin geregelt, wohl wissend, dass es nicht gut um ihn steht.

Stimmen zu Ulrich Hahnens Tod:

"Wir alle wussten, dass dieser Tag kommen würde, aber jetzt, wo Uli Hahnen gestorben ist, bin ich einfach nur sprachlos und sehr, sehr traurig." 
Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) via Facebook

"Sein Sterben berührt mich sehr. Es ist bekannt, dass wir politisch selten einer Meinung waren und es keine enge persönliche Nähe zwischen uns gab. Und dennoch habe ich Ulrich Hahnen in seiner kämpferischen wie verlässlichen Art mehr geschätzt, als ihm bewusst war. Die Krefelder Sozialdemokratie, unser Parlament und der Rat verlieren einen Mann, der mit Einsatzfreude und Tatkraft für seine Überzeugungen stritt und nie die Bereitschaft zum Kompromiss aus dem Blick verlor."
Winfried Schittges, CDU-Landtagsabgeordneter, via Facebook

"Die Nachricht vom Tod Uli Hahnen erschüttert die Gäste; der Vorsitzende des Katholikenrates und Bürgermeisterin Meinke würdigen bewegt Uli Hahnen, der einen engen Draht zu seiner Kirche und dem Katholikenrat pflegte."
Siegmund Ehrmann, SPD-Bundestagsabgeordneter, via Facebook, vom Neujahrsempfang des Katholikenrates

"Ruhe in Frieden. Du hast dieser Stadt sehr viel gegeben. Ich werde dich immer in guter Erinnerung behalten."
SPD-Ratsherr Mustafa Ertürk via Facebook

"Eine der wenigen Persönlichkeiten im Rat hat uns verlassen."
UWG-Ratsherr Andreas Drabben

"Die SPD und die Stadt haben einen steten Kämpfer für die Interessen der Krefelderinnen und Krefelder verloren."
SPD-Ratsherr Hans Butzen via Facebook

 

Quelle: RP
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